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Heißer Film an einem kühlen Abend

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Von: Frank Saltenberger

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Eine französische Familie und Schwiegersöhne aus aller Herren Länder, da kommt Monsieur Claude ins Schwitzen, die Zuschauer mussten sich hingegen warm anziehen.
Eine französische Familie und Schwiegersöhne aus aller Herren Länder, da kommt Monsieur Claude ins Schwitzen, die Zuschauer mussten sich hingegen warm anziehen. © fms

Das Sommerkino im Freibad zieht zahlreiche Besucher an. Jacken und Decken waren aber trotzdem angebracht.

Neu-Anspach -Brütende Hitze in den vergangenen Tagen brachte manch einen auch in der Nacht zum Schwitzen. Doch ausgerechnet vom Samstag auf Sonntag war frösteln angesagt. Und wer das Neu-Anspacher Waldschwimmbad kennt, der weiß, dass es da stets noch ein wenig kühler ist als an den meisten anderen Stellen der Kleeblattstadt.

Es liegt nun einmal in einer Schneise mit Frischluftzufuhr, an heißen Tagen willkommen, aber einen Hochsommerabend stellt man sich gewöhnlich anders vor. Mit 16 Grad am Abend fing es an. Ins Schwitzen kam vermutlich keiner außer dem Hauptdarsteller auf der Leinwand, denn der Schwimmbadförderverein Naps hatte zum Open-Air-Kino eingeladen. "Was haben wir dem Petrus bloß getan?", konnten sich die Veranstalter fragen?

Mit Jacken gut vorbereitet

Aber es war nicht das erste Mal, dass unter freiem Himmel im Schwimmbad Filme gezeigt wurden, und die meisten hatten jackentechnisch vorgesorgt und vorsichtshalber auch noch eine Decke dabei. "Was haben wir dem lieben Gott getan", lautet die deutsche Übersetzung des dritten Monsieur Claude Films "Monsieur Claude und sein großes Fest". Der erste hieß "Monsieur Claude und seine Töchter" und war ebenfalls bereits im Waldschwimmbad zu sehen, so wusste auch jeder, was ihn auf der Leinwand erwartet: Eine Filmkomödie, die das Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen durch den Kakao zieht.

Regisseur ist Philippe de Chauveron, der Film kam gerade erst in die deutschen Kinos, war also brandaktuell, und in den Hauptrollen glänzen erneut Christian Clavier als Claude Verneuil sowie Chantal Lauby als Marie Verneuil, seine Frau und Mutter der vier Töchter und Schwiegermutter deren Männer, einem Afrikaner von der Elfenbeinküste, einem Chinesen, einem algerischen Muslim und einem jüdischen Geschäftsmann. Das birgt Sprengstoff, die sich auf einem großen Fest entlädt. Denn zu diesem werden auch die Familien der Schwiegersöhne eingeladen, und da bringt jeder mit seinem Koffer auch seine Macken mit. Missverständnisse und Verwechslungen gezielt pointiert in Szene gesetzt, verfehlen ihrer Wirkung nicht, und so gab es für das Publikum genug zu lachen, zu schmunzeln und vielleicht auch ein wenig weiter über das Thema Toleranz und "Glaubenswahrheiten" nachzudenken.

Viel Zeit zum Schmunzeln

Aber die Bredouille, in der andere stecken, zumindest in Komödien, bereitet Vergnügen, und am besten noch mit einer Tüte Popcorn in der Hand. Thomas Vogt, Anspachs Kinobesitzer hatte sie im lokalen Kino schon vorgepoppt und eingetütet und die weit über 100 Tüten waren lange vor der ersten Filmszene verkauft. Das Vorführen übernahm die Kinotechnik Fritz Mettal aus Weiterstadt und bevor der Cineast die erste Rolle einlegte, spulte er die Anzeigen der heimischen Gewerbetreibenden ab, die das Projekt unterstützten, allen voran Canada Life und der Usinger Anzeiger.

Benjamin Allenstein vom Naps-Vorstand vergaß nicht, bei der Begrüßung des Publikums den Sponsoren und Unterstützern sowie den vielen Helfern, die Naps für den Ablauf und die Versorgung rekrutieren konnte, zu danken. Die hatten das Schwimmbad in ein idyllisches Liegewiesen-Kino verwandelt - mit bunt beleuchteten Getränke-, Wurst- und Brezelständen, an denen sich vor der Leinwandaction Schlangen bildeten. Und auch am Schwimmbadkiosk war die Schlange entsprechend lang.

Und damit noch einmal kurz zum kühlen Sommerabend zurück: "Wir hatten hier auch schon Kino, zu dem wir heiße Getränke ausgegeben haben", erinnerte sich Ilse Trenczek, die lange zu den aktiven Helfern gezählt hat. Diesmal saß sie entspannt im mitgebrachten Campingstuhl und überlegte, ob die Steppjacke wohl ausreichen würde. Das diesjährige Open-Air-Kino wurde von dem jungen Vorstand organisiert, der erst im Frühjahr dieses Jahres übernommen hatte und sich nach der Saisoneröffnung am 1. Mai auch dieser Aufgabe besten gewachsen zeigte. Und dies nach zwei Corona-Jahren Zwangspause. Und für die gefühlte Minustemperatur kann man ihn wirklich nicht zur Rechenschaft ziehen. Von 16 Grad am frühen Abend ging es noch weiter herunter und einige klappten ihre Stühle, schon in der Pause ein. Ein Sprung in das 25 Grad warme Schwimmbecken war ja auch nicht möglich.

Vielleicht klappt es in diesem Jahr ja noch mit dem Nachtschwimmen, was stets nach gesicherter Wetterlage spontan organisiert wurde. Dass es am Samstag von oben trocken blieb, muss positiv verbucht werden und machte den Abend zu einem Sommer-Höhepunkt. VON FRANK SALTENBERGER

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