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Hessenpark rüstet sich für Spitzensaison

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Von: Thomas Kopp

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Das Fachwerk-Musterhaus ist bald fertiggestellt und wird viele Einblicke und Anregungen für Wohnen im historischen Bestand bieten. FOTOS: PRIVAT
Das Fachwerk-Musterhaus ist bald fertiggestellt und wird viele Einblicke und Anregungen für Wohnen im historischen Bestand bieten. © Privat

Neue Ausstellungen und zahlreiche Bauprojekte sollen Besucher locken.

Auf eine "Saison der Superlative" bereitet sich der Hessenpark nach Aussage von Museumsleiter Jens Scheller vor. Und dies nach zwei Corona-Jahren unter so normalen Umständen wie möglich. Geplant sind zahlreiche neue Ausstellungen, bedeutende neue Bauwerke sollen möglichst in diesem Jahr abgeschlossen werden. Auch wenn es dabei noch einige Unwägbarkeiten gibt.

Nachdem im vergangenen Jahr trotz Corona der Besucherzuwachs im Freilichtmuseum satte 25 Prozent im Vergleich zum ersten Corona-Jahr betrug, soll es diesmal noch mehr werden. Der Park öffnet ab dem heutigen Dienstag wieder bis Ende Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr, die Eintrittspreise bleiben unverändert.

Und bereits ab dem 4. März greifen die ersten Corona-Lockerungen, dann ist der Park unter 3 G-Regeln zugänglich. In Hoffnung auf weiterhin sinkende Corona-Zahlen sollen auch wieder die regulären Veranstaltungen ihren Platz im Jahresprogramm finden. So etwa der Bauernmarkt, der Ostermarkt und der Pflanzenmarkt.

Architekturmuseum ist zu Gast

Bereits am kommenden Sonntag steht der erste Bauernmarkt des Jahres auf dem Programm. Ab 15 Uhr wird Museumsleiter Jens Scheller traditionell seine große Führung durch den Park anbieten. Dabei geht er auf die anstehenden Höhepunkte in der neuen Saison ein.

So beginnt bereits am 13. März eine neue Doppelausstellung rund um historische Fotografien und Fotoapparate unter dem Titel "Neues Licht. Frühe Fotografie rund um den Taunus". Im Haus aus Gemünden (Wohra) und im Haus der hessischen Foto- und Filmgeschichte sind Frühwerke der Fotografie zu entdecken, so etwa die Burg Königstein aus dem Jahr 1840 und der Große Feldberg noch ganz ohne Turm und technische Gebäude. Auch frühe Portraitfotografien sind zu entdecken.

Ab dem 27. März ist das Deutsche Architekturmuseum zu Gast. Unter dem Titel "Schön hier" zeigt es 70 Beispiele für gelungene ländliche Architektur aus ganz Europa in neuen Ausstellungsräumen. Denn die Obergeschosse von zwei Scheunen aus Emstal/Sand in der Baugruppe Nordhessen wurden renoviert und bieten Fläche für diese Ausstellung. "Dabei geht es auch um nachhaltigen Tourismus und innerörtliche Entwicklung", erläutert Scheller.

Im Zusammenhang mit der Errichtung des neuen Zentralmagazins steht ab 3. April die Ausstellung "Hessens Dachboden. Sammeln? Oder kann das weg?". In der Stallscheune aus Asterode beschäftigt sich das Museum sozusagen mit sich selbst und beleuchtet die Philosophie eines Museums und der Sammlung von Exponaten.

Am 12. Juni nimmt eine neue Dauerausstellung Fahrt auf, die sich mit der Biodiversität der Pflanzen und Tiere im Hessenpark beschäftigt. Der Titel: "Lebendige Vielfalt". Im Zuge der Pandemie haben viele Besucher des Parks den Besuch der Häuser vermieden und sich lieber im Freien aufgehalten. "Aus dieser Not haben wir eine Tugend gemacht", sagt Scheller. So wurde das Fachwerkforum im Freien angeboten, eine zweistellige Anzahl an dezentralen Spielangeboten ist entstanden, auch der Insektenlehrpfad. Nun soll noch der Walderlebnispfad ergänzt und zu einem Rundweg ausgebaut werden.

"Bauflation" verhindert genaue Aussagen

Für manche Projekte gibt es allerdings noch kein Eröffnungsdatum. Grund dafür ist unter anderem die "Bauflation". "Wir erhalten für unsere Bauprojekte keine Antworten aus dem Gewerbe, oft fehlen Bauteile, die Kosten für Vorhaben schnellen in die Höhe", bedauert Scheller.

So haben in der Hofanlage aus Niedergemünden umfangreiche Sanierungsarbeiten begonnen. Das Wohnhaus wird so eingerichtet, wie es aus dem Jahr 1910 überliefert ist. Besucher finden hier ab 2024 Wissenswertes über die hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche Arbeit der damaligen Zeit. Das Museumstheater wird den Alltag der Menschen plastisch vor Augen führen.

Das Haus aus Mademühlen in der Baugruppe Mittelhessen erhält ein neues Dach. 1986 wurde das Gebäude als "leere Hülle" wiederaufgebaut und ist seitdem nicht zugänglich. Das damals rekonstruierte Strohdach ist inzwischen schadhaft und muss deshalb ausgetauscht werden. Da das Haus zu einem späteren Zeitpunkt im Zeitschnitt der 1950er-Jahre eingerichtet werden und das Leben der Familie Gräb nacherzählen soll, erhält es nun ein Blechdach.

In direkter Nachbarschaft des Zentralmagazins steht in der Baugruppe Südhessen das Fachwerk-Musterhaus aus Radheim kurz vor der Fertigstellung. Das Äußere des Gebäudes zeigt eine sorgsam restaurierte Holzkonstruktion mit zeittypischen Zierformen und unterschiedlichen Ausfachungsmaterialien. Im Inneren können sich Fachwerkinteressierte darüber informieren, wie gut sich heutige Wohnansprüche in einem historischen Fachwerkhaus verwirklichen lassen. Ergänzend greifen Präsentationen und "offene Bauteile" Fragen rund um die Revitalisierung, Sanierung und energetische Ertüchtigung historischer Fachwerkhäuser auf. Das Spektrum der Ausstellung reicht von beispielhaften Nutzungs- und Sanierungskonzepten über Best-Practice-Beispiele erfolgreicher energetischer Ertüchtigungen bis hin zu Detaillösungen zu häufigen Sanierungsaufgaben.

Vertriebene und Flüchtlinge bilden neuen Themenschwerpunkt

In der Baugruppe Mittelhessen schreitet die Sanierung des Hauses aus Sterzhausen weiter voran. Hier wird die neugestaltete Dauerausstellung über die Ansiedlung Heimatvertriebener nach 1945 in Hessen Platz finden. Über zwei Etagen erzählt sie vor allem von der Ankunft und Eingliederung der heimatlosen Menschen in Hessen. Zahlreiche Schicksale von Betroffenen und Zeitzeugen hat das Museum in den vergangenen Jahren dafür erhoben. Auch der Aufbau von "Vertriebenenindustrien" in Hessen wird thematisiert. Als Beispiel dienen die böhmische Glasindustrie im Taunus und die Musikinstrumentenherstellung in Nauheim.

In der Baugruppe Rhein-Main wagt der Hessenpark den Sprung in die Moderne. Neben der Remise am Weinberg sollen in den nächsten Monaten vier Flüchtlingscontainer aufgestellt werden. Sie entstammen einer Containerunterkunft, die bis 2016 im Gewerbegebiet An den drei Hasen in Oberursel stand. Am 15. Oktober 1990 wurden dort die ersten Asylsuchenden untergebracht. Es handelte sich hauptsächlich um Geflüchtete aus den Jugoslawienkriegen, aus Syrien und Afghanistan. Im Inneren der Container entsteht eine Ausstellung zu Flüchtlingen und Asylsuchenden in den 1990er-Jahren und zur Flüchtlingsunterkunft in Oberursel. Ein mit Originalen aus Oberursel und anderen Flüchtlingseinrichtungen ausgestattetes Zimmer wird eine Standardunterkunft mit Ersteinrichtung für zwei Erwachsene zeigen. Ein weiterer Raum wird sich mit den Menschen selbst beschäftigen, die in den 1990er-Jahren nach Hessen geflüchtet sind. Hier sollen Geschichten erzählt, Zitate und eventuell Objekte der Menschen mit Anekdoten gezeigt werden. Um diesen Raum mit Leben zu füllen, sucht der Hessenpark Zeitzeugen. Interessierte können sich per E-Mail an containerunterkunft@hessenpark.de und die Verantwortliche Louisa Scheib wenden.

Von Oberursel in den Hessenpark: In diesem Container waren Geflüchtete zu Zeiten des Jugoslawien-Krieges untergebracht.
Von Oberursel in den Hessenpark: In diesem Container waren Geflüchtete zu Zeiten des Jugoslawien-Krieges untergebracht. © Privat
Den Park im Freien genießen: Der Walderlebnispfad wurde ausgebaut.
Den Park im Freien genießen: Der Walderlebnispfad wurde ausgebaut. © Privat

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