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Heike Notz ist fasziniert von den riesigen Eichenbalken, aus denen der Fruchtspeicher gebaut wurde.

Kosten in Millionenhöhe

Hessenpark saniert den Fruchtspeicher aus Trendelburg und verstärkt die Statik

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Im vergangenen Winter hat im Hessenpark die Sanierung des Fruchtspeichers aus Trendelburg begonnen. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, werden die Besucher erstmals auch das erste Obergeschoss betreten dürfen.

Tock, tock, tock – so hört es sich an, wenn der gescheckte Nagekäfer auf Partnersuche ist und deshalb mit seinem Kopf auf Holz schlägt, um das Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Wer in einem alten Fachwerkhaus lebt, kann es also durchaus hören, wenn der auch als Klopfkäfer bekannte Schädling zu seinen Mitbewohnern gehört. Ist dieser nicht gerade mit der Brautwerbung beschäftigt, frisst er sich gerne in bereits von einem Pilz geschädigtes Eichenholz, und das war auch bei dem Fruchtspeicher aus Trendelburg im Hessenpark der Fall. Den Mitarbeitern dort waren die Löcher im Holz aufgefallen.

Das in verschiedenen Braun-Tönen gescheckte Tierchen hatte bei dem aus dem Jahr 1571 stammenden, imposanten Gebäude in der Baugruppe Nordhessen die Ständer- und die Deckenbalken befallen und zwei bis drei Millimeter große Löcher hinterlassen, wie Heike Notz von der Stabsstelle Bauwesen berichtet. Sie ist Restauratorin und Zimmermeisterin und im Hessenpark unter anderem mit den Voruntersuchungen der Gebäude beschäftigt. Auch für den Fruchtspeicher hat sie den bauhistorischen Befund erstellt und beaufsichtigt nun gemeinsam mit ihrem Kollegen Werner Majewski die im zurückliegenden Winter begonnenen Sanierungsarbeiten.

Austausch der Balken

Die Holzbalken werden seitdem teilweise ausgetauscht und sollen auch künftig immer wieder untersucht werden, um bei einem weiteren Befall partiell eingreifen zu können. Doch noch weitere Arbeiten sind nötig. So ist bereits ein Teil der schweren Sandsteinplatten entfernt worden. Eine auf dieses Material spezialisierte Firma wird das Dach neu eindecken. Weil das Gebäude zu kippen drohte, werden die Unterzüge mit Stahl-Laschen und die reichlichen Kopfbänder statisch ertüchtigt und das Dach verstärkt. Der Statik dient auch der Einbau von Verteiler-Hölzern, welche die First-Ständer unterstützen. Sie sind eine Besonderheit, beginnen sie doch auf den Deckenbalken des ersten Fruchtbodens und reichen bis unter den Dachfirst. „Eigentlich ist das eher in Kirchen zu sehen“, weiß Notz.

In den Gefachen wird außerdem der Porenbeton durch Lehmsteine ersetzt, denn diese nehmen Wasser besser auf und halten so das Holz trocken. In einen Teil von ihnen werden zudem Klappen eingebaut, die der Belüftung dienen sollen. Und schließlich wurden bereits elf Gauben auf der Längsseite entfernt, weil sie auf einem dem Hessenpark vorliegenden Foto von 1931 nicht zu sehen sind. Denn das ist der Zeitschnitt, in dem das Hallenhaus dargestellt werden soll.

Das aus dem Landkreis Kassel stammende Gebäude diente dem Museum bislang für Veranstaltungen größeren Formats – so unter anderem im September 2014, als dort mehr als 250 Gäste den 40. Geburtstag des Freilichtmuseums gefeiert haben. Und es soll auch nach der Sanierung wieder für größere Zusammenkünfte wie beispielsweise das Hessische Denkmalgespräch genutzt werden – die Küche allerdings wird ausgelagert.

Toller Raumeindruck

Notz möchte, dass hier künftig „der Raumeindruck erlebbar ist“. Damit der Besucher gleich bis hinten durchgucken kann, wird er den Fruchtspeicher deshalb nicht mehr von der Seite betreten, sondern den eigentlichen Haupteingang an der Vorderfront benutzen. Notz weist in diesem Zusammenhang auf die Dreischiffigkeit des niedersächsischen Hallenhauses mit einer Grundfläche von 43 mal 13 Metern hin. Hier befand sich früher im Erdgeschoss ein Schafstall, im Obergeschoss und den beiden Dachgeschossen wurde die Ernte eingelagert. „Sehr eindrücklich“, so findet sie, seien auch die vielen Kopfbänder, also die Streben zwischen den horizontalen und den vertikalen Holzbauteilen.

Obergeschoss und Dachgeschosse, die nur von außen zugänglich sind und bislang Platz für die Einlagerung von Museumsgut boten, sollen einer Ausstellung dienen (lesen Sie dazu auch weiteren Text). Die Fertigstellung ist für Sommer oder Herbst kommenden Jahres vorgesehen. „Ganz genau wollen wir uns da aber nicht festlegen“, sagt die 42-Jährige. Die Arbeiten werden übrigens durchweg von externen Firmen ausgeführt. Notz: „Das wäre für uns zu groß.“ Für die eigentliche Sanierung veranschlagt der Hessenpark etwa zwei Millionen Euro. Pressesprecherin Pia Preuß sagt dazu: „Allerdings sind noch nicht alle Gewerke ausgeschrieben, deshalb müssen wir die Kosten teilweise schätzen.“

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