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Professor Manfred Gerner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte, hat ein neues Projekt initiiert. Das Musterhaus hierfür wird zurzeit in einer Halle zusammengesetzt.

Freilichtmuseum

Hessenpark wird Kompetenzzentrum für Klimaschutz in Fachwerkstädten

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Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Das sind die beiden Aspekte, die in einem neuen Kompetenzzentrum musterhaft zusammengeführt werden sollen. Der erste Schritt ist gemacht, in drei Jahren soll das im Hessenpark angesiedelte Projekt entwickelt werden. Und die Erkenntnisse bleiben nicht auf die Region beschränkt.

Baustellen gibt es im Freilichtmuseum Hessenpark genug, aber gestern ist eine neue dazugekommen. Museumsleiter Jens Scheller und Professor Manfred Gerner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte, haben mit einem symbolischen Spatenstich den Startschuss für ein Musterhaus gegeben.

Das lagerte fast 40 Jahre als Balkenpaket auf dem Gelände, nur durch ein Wellblechdach vor Regen geschützt. Jetzt wurde es „wach geküsst und bekommt ein neues Leben“, so Gerner, der auch als hessischer Fachwerkpapst gilt.

Das Haus kommt aus dem südhessischen Radheim und stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Die Balken der Fassade wurden schon „ausgepackt“ und auf dem Boden einer Halle zusammengelegt. Sie besitzt Zier- und Strebewerk sowie einen sogenannten fränkischen Erker, der nur eine Balkenstärke aus der Hauswand herausragt.

So wie die Wand dort lag, konnten sich die zahlreichen Fachleute, die zum Spatenstich kamen, ein Bild davon machen, wie es einmal den Bestand im Hessenpark bereichern wird. Standort wird die Baugruppe „Südhessen“ sein. Dort soll es aber keineswegs nur optisch ins Auge fallen, sondern vor allem veranschaulichen, wie Fachwerk heute sachgerecht saniert wird. Dazu werden die Aspekte Klimaschutz und Ökologie immer wichtiger.

Diesen soll beim Aufbau auf besondere Weise Rechnung getragen werden, denn das Musterhaus im Hessenpark ist gleichzeitig als „Kompetenzzentrum für Klimaschutz in Fachwerkstädten“ geplant. Dazu sind der Hessenpark und die „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte“ eine Kooperation eingegangen. Die Projektpartner wollen letztlich zeigen, dass es heutzutage möglich ist, in einem historischen Fachwerkhaus mit der Wohnqualität des 21. Jahrhunderts zu leben.

Beim Wiederaufbau des Hessenpark-Hauses werden die aktuellen bauphysikalischen Standards berücksichtigt. „Für einzelne Bauteile sollen unterschiedliche technische Varianten gezeigt werden“, erklärte Scheller. „Entstehen soll ein Fachwerkhaus, in dem auch im kommenden Jahrzehnt jeder von uns gerne leben würde“, so Gerner.

Dazu müssen fairerweise auch die Maße des Hauses genannt werden: Es ist zweigeschossig, nicht unterkellert und verfügt über eine Wohnfläche von 86 Quadratmetern. Die Standards, die Gerner mit dem Musterhaus gerne weitergeben möchte, sollen für Fachwerkbauten schlechthin gelten, unabhängig von Größe und Konstruktionstyp.

So schön wie Fachwerkhäuser auch seien – es gebe zahlreiche Probleme: Unzureichend gedämmte Gebäudehüllen, unzureichende Sperren gegen aufsteigende Feuchtigkeit, niedrige Raumhöhen sowie geringe Dichtigkeit gegenüber Wind und Schlagregen, denen Risse und Fugen nur allzu oft offen- stehen, zählten die Fachleute die wichtigsten Schwachstellen auf.

Zu all dem soll das Zentrum Lösungen anbieten und dazu in erster Linie das Wissen bündeln: „Es gibt viel Wissen und viele unterschiedliche Methoden, nur liegen die verstreut“, so Gerner.

Der Wirkungsradius des Kompetenzzentrums soll allerdings auch nicht auf den Hessenpark und Hessen beschränkt bleiben: In den Städten Bleicherode in Thüringen, Hannoversch Münden in Niedersachsen, Schiltach in Baden-Württemberg sowie im hessischen Wolfenhagen soll die energetische Sanierung von Fachwerkhäusern ebenfalls modellhaft dargestellt werden, Zentrum sei aber das Freilichtmuseum.

Für die Realisierungen der Ziele im Detail wird ein achtköpfiger Beirat herangezogen. Der hatte den Spatenstich-Termin auch für eine Tagung genutzt. Die Baumaßnahme im Hessenpark wird von eigenen Fachleuten und externen Fachleuten gesteuert. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant. Die Maßnahme soll in einer dreijährigen Projektphase entwickelt werden, die Projektkosten gaben die Verantwortlichen mit 350 000 Euro an.

Das Kompetenzzentrum wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

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