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Eiszeit in der Gärtnerei aus Rechtenbach: Mehr als nach dem Rechten sehen kann Hessenpark-Landwirt Volker Weber wegen der Kälte zurzeit nicht. Foto: Frank Saltenberger

Hessenpark

Hier entsteht die Museumsgärtnerei

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Schon lange ist es Ziel des Hessenparks, alte und gefährdete Haustierrassen zu erhalten. In der neuen Saison möchte das Freilichtmuseum, das seit bald sechs Jahren anerkannter Arche-Park ist, den Gedanken, vom Aussterben bedrohte Arten zu schützen, erweitern.

Auch wenn es gestern so kalt war wie noch nie zu einer Jahres-Pressekonferenz im Hessenpark: Am morgigen Donnerstag startet das Freilichtmuseum, das in den zurückliegenden Monaten nur am Wochenende geöffnet hatte, in die neue Saison.

Damit diese mindestens so erfolgreich wie im vergangenen Jahr verläuft, als mehr als 244 000 Menschen die Einrichtung besucht haben, dafür sollen nicht nur verschiedene Sonderausstellungen, Führungen und Veranstaltungsklassiker sorgen (lesen Sie dazu auch Bericht auf Seite 12), sondern auch zwei spannende Neueröffnungen. Erste im Jahresverlauf ist die der Gärtnerei aus Rechtenbach: Am Übergang vom Marktplatz zur Baugruppe Mittelhessen werden zwei Glashäuser sowie mehrere Frühbeetkästen für Beet-, Zier- und Nutzpflanzen im Stil der 50er Jahre errichtet, die ab 17. Mai für die Besucher zugänglich sind.

„Das ist kein Standard-Projekt“, sagte Volker Weber und berichtete, dass es so etwas in der „Szene der Freilichtmuseen“ bislang nicht gibt. Ziel sei es, dort alte Kulturpflanzen zu erhalten. Der Hessenpark-Landwirt, der aus einer Gärtner-Familie stammt, kannte die Gärtnerei Weidmann noch aus seiner Kindheit, befand sie als „geradezu ideal“ für das Museum, das bislang mit einem Folientunnel vorlieb nehmen musste, und freut sich zudem, dass der Werdegang des Betriebes mit zahlreichen Bildern hervorragend dokumentiert ist: „Ein Glücksfall.“

Die Vorarbeiten sind erledigt, und auch der Kamin sowie die Einzelteile sind schon da, jetzt muss das Fundament noch fertig werden, damit die Gewächshäuser aufgebaut werden können – „genauso wie damals auf der grünen Wiese“. Zur Eröffnung sollen die Besucher schon die ersten Pflänzchen bewundern können: Gefährdete Pflanzen für Nutzgärten, aber auch Tabak und Färberpflanzen will das Team um Weber dort erhalten, selbst ziehen und vor allem Saat-Gut daraus gewinnen. „Wir wollen den Arche-Gedanken, den wir bislang für alte Tierrassen gepflegt haben, auf den Pflanzenbereich ausweiten“, sagte Weber.

Interessant wird ein Besuch der Gärtnerei vor allem für Pflanzenfreunde sein. Sie können die Mitarbeiter beim Aussäen beobachten, sich eine Ausstellung zum Gärtnerei-Wesen ansehen und kostbare Pflanzen kennenlernen. Aber auch Kinder werden dort Spannendes erleben können. Torsten Halsey, Leiter des Fachbereichs Museumspädagogik, hat gestern nämlich angekündigt, dass längerfristige Projekte für Mädchen und Jungen, die bereits in die Grundschule gehen, geplant sind. Sie sollen in den Gewächshäusern „ihre Pflanzen“ anbauen und dann auch im „Wachstumszyklus“ weiter beobachten können. Und vielleicht wird es dann noch, wie Pressesprecherin Pia Preuß meinte, einen Wettbewerb unter dem Motto „Wer züchtet das größte Radieschen?“ geben.

Ein paar hundert Meter die Dorfstraße hinunter entsteht im Haus aus Grebenau, das komplett ausgeräumt wurde und derzeit saniert wird, die zweite Attraktion der Saison. Im August soll dort anlässlich der Veranstaltung „Auf Tuchfühlung mit

Wolle, Hanf und Flachs

“ auf 150 Quadratmetern ein neues Textilhandwerkshaus eröffnen, in dem im Erdgeschoss die Handwerksvorführungen Weben sowie Flachs- und Wollverarbeitung zusammengeführt werden. Im Obergeschoss warten theoretische Informationen über die handwerklichen Prozesse sowie die Geschichte des Hauses. Auch eine Medien-Installation wird dort zu sehen sein.

Neben diesen beiden besonderen Projekten stehen im Hessenpark auch noch ein paar kleinere Erweiterungen an. So im Haus aus Idstein, wo ab April im ersten Stock ein weiterer kleiner Friseur-Salon aus Heddernheim „geöffnet“ ist, in dem sich die Besucher zu ausgewählten Zeiten ihre Haare schneiden lassen können. Außerdem wird der Trimm-Dich-Pfad um Schautafeln zur Geschichte der Bewegung und die Baugruppe Osthessen um einen Barfuß-Pfad ergänzt, auf dem die Besucher die sensorischen Fähigkeiten ihrer Füße testen können.

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