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Andrea Braum und ihr Chef, Projektkoordinator Joseph Alick.

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Dr. Andrea Braum war ein Jahr für „Ärzte ohne Grenzen" in Äthiopien

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Dr. Andrea Braum war schon einmal für „Ärzte ohne Grenzen“ in Simbabwe. Jetzt hat es sie wieder nach Afrika verschlagen.

In einem Land arbeiten, in dem es nicht so viele Ärzte gibt wie in Deutschland, eine Aufgabe haben, die über den eigenen Horizont hinausgeht: Wenn Dr. Andrea Braum gefragt wird, warum sie schon zwei Mal für die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ im Einsatz war, nennt sie diese beiden Beweggründe. Von Dezember 2013 bis Mai 2015 war die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, die in der Tagesklinik Vitos in Bad Homburg arbeitet und für beide Aufenthalte freigestellt wurde, in Simbabwe, von April 2017 bis März 2018 in Äthiopien.

Die Einsatz-Orte hat sie sich nicht ausgesucht: „Ich gehe dorthin, wo ,Ärzte ohne Grenzen‘ eine Stelle frei hat“, berichtet die Neu-Anspacherin, die es schon immer gereizt hat, Länder „außerhalb ihrer Vorstellung“ zu besuchen. 1976 war sie als Jugendliche in Peru, 2008 mit ihrer Familie in Sambia – in Mishikishi im Bistum Ndola, mit dem die katholische Kirchengemeinde St. Marien bekanntlich eine Partnerschaft pflegt.

25 000 Geflüchtete

„Halte ich das durch?“ Diese Frage hat sich Braum seinerzeit gestellt, bevor sie nach Simbabwe aufbrach. Dann aber waren die Lebens- und auch die Sicherheitsbedingungen in dem Hochsicherheitsgefängnis, in dem sie gearbeitet hat, nicht schlecht, so dass sie sogar verlängerte. In Äthiopien nun war die Medizinerin Teil eines aus fünf internationalen und 90 nationalen Mitarbeitern bestehenden Projekts – darunter Ärzte, Pflegekräfte und Logistiker. Dieses ist für die medizinische und psychiatrische Versorgung von

25 000 Geflüchtete

n aus Eritrea in zwei Camps – Hitsats und Shimelba – zuständig.

Ziel von „Ärzte ohne Grenzen“ ist es, nur dort tätig zu sein, wo das staatliche Gesundheitswesen nicht funktioniert und die Arbeit so lange zu unterstützen, bis die lokalen Regierungen sie selbst stemmen können. „Im Idealfall machen wir uns selbst überflüssig“, erklärt Braum, deren Aufgabe darin bestand, Fachwissen über psychische Erkrankungen wie Schizophrenie und – bei Flüchtlingen natürlich häufig vorkommende – posttraumatische Belastungsstörungen weiterzugeben und im Umgang mit den Patienten zu beraten.

Vom Teufel besessen

Was angesichts unterschiedlicher Konzepte nicht immer einfach war: Hierzulande weiß man beispielsweise, dass Epilepsie viele Ursachen haben kann, in Afrika glauben manche Menschen, der Betroffene sei vom Teufel besessen. „Wir müssen ihnen klarmachen, dass es sich um eine körperliche Erkrankung handelt und diese Erkenntnisse auch in der Bevölkerung verankern“, erklärt die Psychiaterin.

Beeindruckt war Braum davon, wie hoch die Aufnahmebereitschaft in dem afrikanischen Land ist, wie gut Flüchtlinge dort behandelt werden und wie bewundernswert diese unter den schwierigen Bedingungen überleben: „Im Vergleich zu Deutschland müsste man eigentlich mehr Depressionen erwarten“, meint sie und berichtet von erschreckenden Geschichten.

Die 56-Jährige hat das Zusammenleben so vieler Nationen genossen, und sie fand es spannend, verschiedene Kulturen kennenzulernen. Gefehlt haben ihr Familie und Freunde sowie „die Farbe Grün“ in der sehr kargen Gegend, aber auch „Bewegungsfreiheit und Sicherheit“. Braum, die lediglich am Ende noch eine Reise in den Norden unternommen hat, berichtet von langen Abenden im Wohnzimmer und wenigen Möglichkeiten, an den freien Sonntagen etwas zu unternehmen. Sie hat in dem Jahr 100 Bücher gelesen, viel Tagebuch geschrieben und mit den nicht immer einfachen Lebensbedingungen gekämpft: Dazu gehörten unter anderem Schlangen und Skorpione auch in den Zimmern, eine prekäre Wasser-Situation, Latrinen statt Toiletten und Gottesdienste, die auch mitten in der Nacht dank Lautsprechern weithin zu hören waren: „Da habe ich ein gespaltenes Verhältnis zur Religion bekommen“, erzählt die Katholikin lachend.

Könnte es auch noch einen dritten Einsatz geben? „Ja“, sagt sie. „Es ist immer eine Herausforderung, aus der Komfort-Zone herauszukommen und in Länder zu gehen, wo man stärker gebraucht wird.“ Zudem sei sie katholisch geprägt: „Ich möchte helfen.“

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