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Im Einsatz gegen die Klimakrise

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Von: Frank Saltenberger

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Am Klingenberg wird geschuftet: Viele Helfer des Bergwaldprojektes sind im Einsatz.
Am Klingenberg wird geschuftet: Viele Helfer des Bergwaldprojektes sind im Einsatz. © fms

50 Helfer pflanzen für das „Bergwaldprojekt“ 2000 Bäumchen. Die Arbeit macht Lust auf mehr.

Es war ein schöner Herbsttag. Der Laubwald zeigte sich von seiner goldenen Seite, Gänse-Formationen flogen gen Westen und quäkten dabei am blauen Himmel durcheinander. Einige hundert Meter unter ihnen eine Formation Wiedehöpfe, die Löcher in den Waldboden hackten.

Es waren Helfer des „Bergwaldprojekts“, die zum Baumpflanztag nach Neu-Anspach gekommen waren. Das Bergwaldprojekt ist ein Verein mit Sitz in Würzburg, der sich dem Schutz, Erhalt und der Pflege des Waldes, insbesondere des Bergwaldes und der Kulturlandschaften, verschrieben hat. Darüber hinaus möchte er das Bewusstsein für die Zusammenhänge in der Natur, die Belange des Waldes und die Abhängigkeit des Menschen von dieser Lebensgrundlage fördern.

Die praktische Förderung geschieht dort, wo die Natur, insbesondere der Wald, besonders in Mitleidenschaft gezogen ist, und das ist im Taunus der Fall und überall zu sehen. So am Nordhang unterhalb des Limes, und ganz auffällig zwischen Sandplacken und Saalburg. Dorthin kamen rund 50 Helfer, die meisten allerdings nicht aus der näheren Region, sogar aus Hamburg und Düsseldorf.

Bei dem Wiedehopf handelt es sich um eine Hacke mit zwei Blättern überkreuz. Mit dem einen Blatt lässt sich der Boden ausheben, mit dem anderen lassen sich bei Bedarf Wurzeln durchtrennen. Der Wiedehopf ziert auch die Visitenkarte von Adrian Braemer, Projektleiter der jüngsten Aktion im Neu-Anspacher Wald unterhalb des Klingenbergs. Deshalb war auch Revierleiter Christoph Waehlert zur Stelle.

Lärchen und Buchen wurden an diesem Tag gepflanzt, erklärte der Förster, und wie Braemer am frühen Vormittag weiter informierte, plante man, 2000 Bäumchen zu pflanzen. Um 9 Uhr startete die Aktion, um 17 Uhr war Feierabend. Das klang nach viel Arbeit, aber die meisten Helfer sind im Umgang mit der Hacke geübt. Der Projektleiter wurde von Gruppenleitern unterstützt, welche die Aufgaben verteilten.

Das Pflanzloch auszuheben, war dabei die schwerste Arbeit, außerdem mussten die Pflanzen herangebracht und eingesetzt, das Loch zugeschüttet und angetreten sowie ein Holzstab dazu eingeschlagen werden. Letzteres vor allem bei den Rotbuchen, die man leicht übersehen kann. Die Lärchen dagegen mit ihren grünen Nadeln waren schon größer.

Arbeit ja, aber den Aufenthalt in der Natur konnte man durchaus genießen. Für Verpflegung war ebenfalls gesorgt, ein zweites Frühstück gab es, und zum Mittag hatte ein Caterer etwas vorbereitet: „Ökologisch erzeugte, vegetarische und möglichst regionale und saisonale Vollwertkost“, darauf lege man stets Wert, betonte Braemer. Und er hatte bereits vorab auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam gemacht: „Die Teilnehmer am Einsatztag spüren ihre Selbstwirksamkeit in der Klimakrise. Das ist ein positives Gefühl und macht Lust auf mehr. Viele nehmen diese Erfahrung mit nach Hause und stellen zumindest Teilbereiche ihres Alltags um und handeln ressourcenschonender. Damit beteiligen sie sich am gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung.“

Ähnlich äußerte sich Revierleiter Waehlert: Die Teilnehmer lernten aktiv den Wald und seine Artenvielfalt kennen und leisteten einen persönlichen Beitrag zu dessen Erhalt auch für kommende Generationen. Und ganz in diesem Sinn waren auch Familien mit Kindern oder Jugendlichen zum Pflanztag gekommen.

Kratzbeere erobert den Hang

Wer hinsah, konnte auf dem kahlen Hang, der im Grunde gar nicht so kahl ist, vieles entdecken: Gerade um die Baumstümpfe hatten sich viele Pilze angesiedelt, hier und da haben sich bereits zarte Eichen-Pflänzchen selbst einen Standort gesucht, und die Kratzbeere ist schon eifrig dabei, den Hang zu erobern.

Das bedeutet zugleich, dass die Arbeit mit der Pflanzaktion noch lange nicht beendet ist, die Nachhut des einstigen Bestandes muss freigeschnitten und vor Verbiss geschützt werden.

Fürs Erste war es aber wichtig, die Bäumchen einzupflanzen. Das wurde erledigt, und der Taunus kann hoffen, dass sich ein gesunder und widerstandsfähiger Wald auf seinen Hängen ausbreitet - dank des Bergwaldprojektes, das deutschlandweit unterwegs ist. An über 80 Standorten war die Organisation in der Saison 2022, die erst Anfang Dezember zu Ende geht, aktiv. Über die Website unter der Adresse www.bergwaldprojekt.de kann sich jeder weitergehend informieren und zu Einzelaktionen oder ganzen Projektwochen anmelden. VON FRANK SALTENBERGER

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