Die Kinder sind ganz bei der Sache, wenn Viehmännin Gianna Matysek umgeben von der Kulisse des Hessenparks Märchen authentisch rüberbringt.
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Die Kinder sind ganz bei der Sache, wenn Viehmännin Gianna Matysek umgeben von der Kulisse des Hessenparks Märchen authentisch rüberbringt.

Im Neu-Anspacher Hessenpark haben Märchen hohen Stellenwert

Kinder kennen noch immer beliebte Erzählungen sehr gut

  • VonMonika Schwarz-Cromm
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Viehmännin verzaubert mit den passenden Worten und Gegenständen

Neu-Anspach. "Wer hat denn dieses Wetter bestellt?", fragte die Frau mit der Haube auf dem Kopf, dem langen Gewand und den Holzpantinen an den Füßen. Die Viehmännin Gianna Matysek hatte zur Märchenwanderung in den Hessenpark geladen und freute sich, dass trotz des nassen Wetters so viele interessierte Besucher, darunter über 30 Kinder, gekommen waren.

"Zu meiner Zeit gab es noch keine Gummistiefel", erklärte sie aufgrund der verwunderten Blicke der Kinder wegen ihrer Kleidung, "seht nur, es gab nur Holzschuhe." Die Kleidung sei aus Wolle von den Schafen und aus Leinen, das auf den Feldern wuchs, hergestellt worden.

Ein Dorf voller Hirsebrei

Und schon ging es los zu einem nicht gerade feudalen Haus im Hessenpark. "Hier wohne ich mit meiner Mutter", begann die Märchenfrau. Sie wollte von den Kindern wissen, ob sie wohl aus einer reichen Familie stamme. Das dies angesichts des Hauses, in dem sich der Stall, die Scheune und das Wohnhaus befanden, nicht der Fall war, das bemerkten auch die Kinder sofort. Und schon war die Viehmännin mitten drin im Märchen vom süßen Brei. Sie berichtete davon, dass sie immer Hunger habe, weil sie und ihre Mutter so arm seien.

Was man denn überhaupt in so einem Fall essen könne, wollte sie von den Kindern wissen. "Popcorn", kam es prompt zurück. Ein anderes Kind meinte, Beeren könne man pflücken und essen. Doch in diesem Märchen lag die Rettung ganz woanders, nämlich in einem Töpfchen, das die Tochter des Hauses von einer lieben Frau geschenkt bekam. Mit dem Befehl "Töpfchen koch" brachte es leckeren Hirsebrei hervor.

Wie die Geschichte ausgeht, nämlich dass die Mutter nicht wusste, wie das Losungswort zum Stoppen des Kochvorgangs lautete, und schließlich das ganze Dorf voller Hirsebrei lief, das wussten die Kinder natürlich längst. Und so war auch das nächste Märchen wohlbekannt. Handelte es doch um "Hänsel und Gretel". Dafür ging die Märchenerzählerin mitten hinein in den Wald, wo sie davon berichtete, wie die Kinder von ihren Eltern dort ganz alleine gelassen wurden.

"Habt ihr an die Kieselsteine gedacht, damit wir hier wieder rausfinden, so wie es Hänsel gemacht hatte?", fragte die Viehmännin die Kinder.

Normalerweise würde sie sich genau jetzt die Finger der Kinder genau ansehen. So hatte es nämlich die Hexe im Märchen auch gemacht, um zu prüfen, ob der Hänsel genug Fett angesetzt hatte, damit sie ihn im Backofen braten konnte.

"Aber in diesen Corona-Zeiten darf ich das ja nicht", erklärte sie. Genau wie sie auch das mitgenommene Brot nicht verteilen durfte, das sie für das nächste Märchen, "Frau Holle", benötigte. Dafür durften die Kinder aber den großen Backofen ansehen und feststellen, dass da ja gar kein Hänsel hineingepasst hätte.

Zwei ungleiche Schwestern

Für die Geschichte der Frau Holle ging es weiter zum Brunnen. "Erinnert ihr euch, da gab es eine fleißige und eine faule Tochter." Die Kinder waren sofort mitten drin im Märchen und wussten, wofür die Spindel nötig war, die die Viehmännin zeigte.

Die war nämlich in den Brunnen gefallen, in den die Goldmarie sprang, um sie wieder herauszuholen. Den Apfel von dem Apfelbaum, der schrie "rüttel mich und schüttel mich", hielt die Viehmännin ebenso in die Höhe. Genau wie das schon erwähnte Brot, das aus dem Backofen rief: "Hol mich raus!"

Die Viehmännin hatte sogar eine Feder dabei. Denn die beiden Mädchen im Märchen mussten ja die Betten ausschütteln, damit es auf der Erde schneite.

Dass es am Ende eine Gold- und eine Pechmarie gab, war ebenfalls allen bekannt. Märchen werden also in allen Zeiten gelesen. Doch woher das Pech für die faule Tochter stammte, das wussten die Kinder nicht. Also erklärte es die Viehmännin vor dem Pechofen, den es ebenfalls im Hessenpark gibt.

Beim letzten Märchen benötigte Gianna Matysek tierische Hilfe. Denn da schrie schon einer "Mäh! Ich bin so satt, ich mag kein Blatt." Genau, es handelt sich um das Märchen "Tischlein deck dich", das Eltern, Großeltern und Kindern genauso gut gefiel wie die Märchen zuvor.

Übrigens, die nächste Märchenwanderung findet vom 18. bis 20. August im Hessenpark statt. Eine Voranmeldung ist nicht nötig - einfach vorbeikommen. Treffpunkt ist der Hof am Eingangsgebäude.

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