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Knöterich bedroht den Weihergrund

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Von: Anja Petter

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Stattliche Pflanze: Friederike Schulze plädiert dafür, den Knöterich abzumähen.
Stattliche Pflanze: Friederike Schulze plädiert dafür, den Knöterich abzumähen. © pet

Invasiver Neophyt breitet sich schnell aus - BUND-Vorsitzende: „Er muss abgemäht werden“

Neu-Anspach -Eigentlich sieht der Sachalin-Knöterich ganz schön aus. Die Pflanze, die sich in der Nähe der inzwischen abgerissenen ehemaligen Jagdvilla der Familie Opel ausbreitet, kann bis zu vier Meter hoch werden und wirkt mit ihrem einem Bambus ähnlichen Stiel entsprechend imposant.

Aber er ist auch ein invasiver Neophyt, breitet sich rasant aus und verdrängt dabei die einheimische Flora. Und damit ist er Friederike Schulze ein Dorn im Auge. Die BUND-Vorsitzende macht sich dafür stark, dass die Pflanze, deren Blätter sich jetzt, im Herbst, gelb gefärbt haben, entfernt wird.

Seit 1986 unter Schutz gestellt

Sie hat vor allem Angst, dass sich der Knöterich, der die Sonne schätzt und im dichten Wald nicht vorkommt, bald nicht mehr nur auf das oberhalb des Weges gelegene Gelände beschränkt, sondern sich auf den angrenzenden Weihergrund ausbreitet - ein FFH-Gebiet, das 1986 unter Schutz gestellt wurde und etwa 3,7 Hektar groß ist. „Es ist eine vermoorte Feuchtwiese mit diversen Binsen, Seggen und anderen Süßgräsern“, verweist die Westerfelderin auf die große Artenvielfalt und die besondere Pflanzengemeinschaft. „Auch der kleine sowie große Wiesenknopf, der für den dunklen Ameisenbläuling wichtig ist, und der Wasserdost wachsen dort.“

Ökologische Gefahrenlage

Nach Informationen von Schulze handelt es sich hier um ein sogenanntes Offenland, also ein Gebiet, das nicht von Gehölzvegetation dominiert wird. Hier fließt auch der Aubach, und hier, so sagt Schulze, darf der Knöterich auf keinen Fall eindringen. Sie spricht von einer „ökologischen Gefahrenlage“ und ist deshalb mehrmals im Jahr „zur Überwachung“ an Ort und Stelle.

Die Vereinsvorsitzende plädiert deshalb dafür, die Pflanze jedes Jahr abzumähen - wie vor ein paar Jahren zuletzt geschehen - und auf die Deponie zu bringen. Will man ihn als Kompost verwenden, muss er allerdings über 70 Grad erhitzt werden. „Sonst schlägt er wieder aus“, weiß Schulze.

Eine weitere Möglichkeit sei, den Knöterich nach dem Mähen mit Folie abzudecken und fünf Jahre zu warten. „Dann ist er weg“, erzählt sie. Aber dann sei später Mikroplastik im Boden zu finden. „Deshalb wird das ungern gemacht.“ Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit: „Man pumpt heißes Wasser in den Boden.“ Aber das sei aufwendig, teuer und vernichte zudem andere Lebewesen.

Schulze ist zwar eine Freundin der Natur und der intakten Umwelt, aber sie ist auch Pragmatikerin, und als solche weiß sie, dass alle Maßnahmen Geld und Manpower kosten.

Pflanze kennt keine Grenze

„Aber es ist gefährlich, wenn man hier nichts unternimmt“, sagt Schulze auch. „Der Knöterich kennt keine Grenze, und dann ist in zehn Jahren das ganze Tal voll und die anderen Pflanzen haben keine Chance mehr.“ Zu sehen ist das auch schon an seinem jetzigen Standort: Drum herum wachsen ein paar Brennnesseln und einige wenige Farne, aber das war es auch schon.

Schulze appelliert deshalb auch an Gartenbesitzer, sich vor einer Pflanzung genau zu informieren und auf invasive Arten zu verzichten. „Diese machen am Gartenzaun nicht halt“, sagt sie. „Wind und Vögel tragen die Samenstände weiter.“

Übrigens hat der BUND auch in seinem Garten in Usingen sein Tun mit dem Knöterich. „Aber hier ist es nur wenig, und da können wir ihn gut im Zaum halten“, erklärt die Naturschützerin, die aus der Not eine Tugend macht, die hohlen Zweige der Pflanze kleinschneidet und dann als Nisthilfe für Insekten nutzt. VON ANJA PETTER

In Gefahr: Bei dem Weihergrund handelt es sich um ein Naturschutzgebiet mit einer großen Artenvielfalt.
In Gefahr: Bei dem Weihergrund handelt es sich um ein Naturschutzgebiet mit einer großen Artenvielfalt. © pet

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