Lidl-Markt

Markteröffnung: Bis zur letzten Minute Ware eingeräumt

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Wenn heute der neue Lidl-Markt öffnet, dann haben die Mitarbeiter stressige Tage hinter sich. Vor allem die Disposition der Waren ist eine diffizile Angelegenheit.

Ein Gabelstapler steht mitten im Weg, Paletten mit neuer Ware sind in den Gängen verteilt, von der Decke hängen Elektroleitungen. Es ist wie immer, wenn in wenigen Tagen eine große Eröffnung ansteht: Alle sind gestresst und bis zur letzten Minute beschäftigt, aber dann klappt es doch immer irgendwie. Muss ja auch, und das wird beim neuen Lidl-Markt in der Rudolf-Diesel-Straße nicht anders sein. Er öffnet am heutigen Donnerstag – mit einem Monat Verspätung. Wegen des harten Winters haben sich die Bauarbeiten verzögert.

Um 6 Uhr kommt heute die letzte Ware, um 8 Uhr geht es los, und Kathrin Hennig, Verkaufsleiterin und für acht Filialen zuständig, rechnet mit einem Besucheransturm. Sie ist normalerweise ein bis zwei Mal in der Woche in Anspach, um nach dem Rechten zu sehen, zuletzt war sie aber jeden Tag dort. Sie hat aus anderen Neueröffnungen gelernt und deshalb dafür gesorgt, dass die „Aktionsstrecke“ mit besonders günstigen Waren gut bestückt ist. Hennig hat es schon häufiger erlebt, dass Kunden bereits Stunden vor dem Start vor der Tür standen und dann zu den Angeboten gerannt sind. „Wir sind gut aufgestellt“, versichert die 32-Jährige.

Die im November begonnenen Bauarbeiten und den Innenausbau hatte der Konzern extern vergeben. Vor einer Woche dann hat der Vertrieb des Konzerns den neuen Markt abgenommen. Für diese kurze Zeit sieht es nur vier Tage später schon richtig gut aus – und dabei haben die 20 Mitarbeiter erst an diesem Morgen mit dem Einräumen begonnen. Einige Regale sind sogar schon komplett bestückt: Die Süßigkeiten zum Beispiel sind bereits eingeräumt, Kaffee, Haferflocken und viele Konserven ebenso, und in den Kühlregalen stehen Bierbüchsen und Säfte.

Die Gefriertruhen hingegen sind noch leer. In den letzten Tagen vor dem Start kommen gleich mehrere Lieferungen täglich, berichtet Hennig, und erst heute Morgen, so versichert sie, werden Frischfleisch sowie Obst und Gemüse angeliefert. Salate und Champignons zum Beispiel werden ohnehin täglich frisch gebracht, und das, was an einem Tag nicht verkauft wird, bekommt die Tafel. „Zwei-Tages-Artikel“ wie Blumenkohl und Äpfel werden einen Tag länger angeboten.

Die Mitarbeiter haben natürlich Erfahrung mit einer Neueröffnung, und trotzdem: Die letzten Tage, bevor es endlich losgeht, sind stressig. Vor allem, wenn dann noch die Technik streikt. So funktionieren die Drucker, mit denen die Preis-Etiketten gefertigt werden, und die Telefone erst seit Dienstagabend.

Auch Filialleiterin Petra Hilbert hat genug zu tun. Sie führt gerade an der Kühltheke mit den „Mopros“, den Molkereiprodukten, die Disposition mit dem Scanner durch, bestellt also neue Ware. Die 37-Jährige ist bereits seit elf Jahren bei dem Discounter beschäftigt und hat in den letzten Tagen von 7 bis 17.30 Uhr gearbeitet. Lange Schichten sind es, damit am Ende alles klappt.

Hilbert hat beispielsweise organisiert, wie viele Waren in den Regalen stehen. „Spiegel setzen“ heißt das in der Fachsprache, und es bedeutet, dass sie anhand eines Musterplans nur die erste Reihe mit Artikeln ausgestattet und dann alles „für ihren Markt“ angepasst hat. Im Frankfurter Raum wird der Apfelwein beispielsweise „breiter gesetzt“. Was bedeutet, dass von ihm hier mehr vorgehalten wird als – sagen wir mal – in Nordhessen. Das Gleiche gilt für Grüne Soße und Handkäse. Dafür gibt es in den Lidl-Märkten an der Nordsee mehr Fischwaren und in Bayern mehr Brotzeit-Produkte. Auch Wein läuft in Neu-Anspach gut – der hohen Kaufkraft sei Dank.

Anschließend rechnet die Marktleiterin aus, wie viel Ware sie bestellen muss, damit die Regale voll sind. „Wir müssen gut disponieren, damit es am Ende nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig ist. Vor allem bei einem komplett neuen Markt ist das schwierig.“ Und bei insgesamt 1800 verschiedenen Artikeln auch kein Wunder. Ein automatisches Bestellsystem gibt es bei Lidl übrigens nicht. Jeden Nachmittag geht die Filialleiterin durch die Reihen und schaut, was fehlt. Eine große Lagerhaltung gibt es ebenfalls nicht, denn sechs Mal in der Woche kommt frische Ware.

Beim Rundgang zeigen Hilbert und Hennig den

„To-go-Meter“

mit vorgefertigten Lebensmitteln, den es bislang in Anspach nicht gab und den sich Lidl bei Aldi abgeguckt hat. „Wir orientieren uns natürlich an der Konkurrenz“, gibt die Verkaufsleiterin freimütig zu und erzählt, dass sich Aldi bei Lidl wiederum den Back-Bereich abgeschaut habe.

Hier glänzt der Edelstahl, doch auf den Fensterscheiben sind Fingerabdrücke zu sehen, und auch in den Gängen liegt noch Baustaub. Aber selbstverständlich wird noch einmal groß geputzt. Gestern Abend sollten an die 15 Mann anrücken, informiert Hennig: „Da brauchen wir echte Profis.“

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