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Michael Röhrig hat dieses Modell der ersten deutschen Dampflokomotive ?Adler? zwar nicht selber gebaut ? sehr wohl aber die Ausstellung im Hessenpark organisiert.

Ausstellung im Hessenpark

Mechanische Wunderwerke aus buntem Blech

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Deutschlands erste Dampflokomotive ist ebenso in echter Handarbeit konstruiert wie das sich drehende Riesenrad oder auch die „kreisenden Flieger“: Noch bis Sonntag ist die Sonderausstellung „Faszination Metallbaukästen“ im Hessenpark zu sehen. Garantiert nicht nur etwas für Männer.

Lego bietet heute meist nur noch Modell-Bausätze mit vielen exakt vorgefertigten Einzelteilen an, die für genau das eine Modell benötigt werden. Das Prinzip der sogenannten Metallbaukästen war ein anderes.

„Ein Grund-Metallbaukasten von Märklin enthielt 100 Bauteile. Mit den entsprechenden Bauanleitungen konnte man daraus bis zu 300 verschiedene Modelle konstruieren. Hatte man die Bauteile aus mehreren Grundkästen, konnte man richtig große Modelle bauen“, erläutert Michael Röhrig.

„Ein Mississippi-Raddampfer war das größte Modell, welches ich je gebaut habe.“ Der 76-jährige Friedrichsdorfer ist Mitglied des Freundeskreises Metallbaukästen der Sektion Rhein-Main, die bereits zum zehnten Mal eine Ausstellung im Hessenpark mit mehr als 60 so entstandenen Modellen und Miniaturen zeigt. Und mehr noch: Die noch bis Sonntag gezeigte Ausstellung animiert die Besucher zum Mitmachen.

In der letzten Sommerferienwoche bieten Röhrig und seine Kollegen im Rahmen der Kinder-Ferienwoche Workshops für die Teilnehmer an. Im Kindesalter hatte Röhrig auch seine Faszination für Metallbaukästen entdeckt.

„Ich bin zusammen mit meinen vier Geschwistern nur mit dem Vater aufgewachsen. Er hatte sich überlegt, mit welchen Spielsachen wir uns auch längere Zeit selber beschäftigen können“, erzählt Röhrig. „Mit den Metallbaukästen habe ich wirklich Stunde um Stunde gespielt.“

Selbst während seines Theologie-Studiums hatte er immer wieder zum Ausgleich mit seinem Baukasten der Marke Trix „geschraubt“, wie er sagt. Als Pfarrer hatte er dann schließlich immer weniger Zeit für sein Hobby – dennoch hatte er alle zwei bis drei Jahre ein größeres Modell zusammengesetzt. Gegen Ende seines Berufslebens hatte er seiner Leidenschaft wieder mehr Zeit und Raum gegeben.

„Ich habe entdeckt, dass ich beim Konstruieren mit den Metallbaukästen innerlich abschalten kann und zur Ruhe komme“, berichtet der pensionierte Gemeindepfarrer.

„Das war eine ganz wichtige Entdeckung in den letzten Berufsjahren: neben der Seelsorge und Gemeindeleitung hatte ich etwas entdeckt, was ich mit meinen Händen machen konnte.“ Erfolge im Leben eines Pfarrers seien nur schwer zu greifen und zu benennen.

Beim „Schrauben“ aber sehe er umgehend, was das Werk seiner Hände sei. „Es ist das Besondere an den Metallbaukästen, zu erkennen, wie aus Einzelteilen etwas Ganzes entsteht“, beschreibt der Pensionär seine Motivation sogar etwas philosophisch.

„Im Zusammenspiel der Teile entsteht etwas Wunderbares und Funktionsfähiges.“ Alte Marken wie Märklin, Meccano, Stabil und Trix seien vom Markt verschwunden. Doch mit den Metallbaukästen der Marke EiTech aus Thüringen sowie Tronico gibt es auch heute noch zwei Anbieter, deren Produkte erfolgreich in der ansonsten immer mehr von Computertechnik geprägten Spielzeugwarenmarkt bestehen.

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