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Ausstellung

Freilichtmuseum Hessenpark will mit einer Dauerausstellung über das Schreinerhandwerk neue Wege gehen

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Immer weniger Menschen wollen lange Texte lesen, aber trotzdem unterhalten werden oder etwas Neues lernen. Das hat auch für den Hessenpark Konsequenzen, wie sich im nächsten Jahr im Haus Heck zeigen wird.

Möbel hinter Absperr-Bändern, Objekte hinter Glas und an den Wänden Hinweisschilder mit ellenlange Informationen zu den einzelnen Stücken. So sieht es normalerweise in Museen aus, und da macht auch der Hessenpark bislang keine Ausnahme. Jetzt aber will das Freilichtmuseum innovativer werden, Wissen anders vermitteln und mehr auf Interaktion setzen – oder sollte man besser sagen: Es muss neue Wege gehen?

„Die Menschen wollen heute anders unterhalten werden“, weiß Julia Lauer, die seit Mai im Hessenpark arbeitet. Sie spricht in diesem Zusammenhang auch von modernen Sehgewohnheiten und nennt die neuen Medien als Beispiel. „Die Besucher wollen keine langen Texte mehr lesen, aber wir möchten natürlich trotzdem Wissen vermitteln“, sagt die 29-Jährige, die Kulturwissenschaften studiert hat und im Museum ein neues Projekt leitet: Sie soll für das Haus Heck aus Friedensdorf (Baugruppe Mittelhessen), das lange Jahre als kleines Ausstellungsgebäude genutzt wurde, eine Dauerausstellung zum Thema „Bei Hecks zu Hause – Alltag einer Schreinerfamilie um 1840“ konzipieren und ein besonderes Augenmerk auf das Handwerk richten. Sie bildet dabei mit Dr. Thomas Ostendorf, seit September 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Landes-Einrichtung, ein Team. Die Eröffnung ist für Spätsommer kommenden Jahres vorgesehen.

Lauer begann mit ihrer Recherche über die Haus-Bewohner und ihre damalige Lebenssituation, konnte allerdings auf bereits vorliegende Erkenntnisse ihrer Vorgängerin Bianca Klein aufbauen. Der 1785 geborene Johannes Heck, so berichtet sie, ist in dem kleinen, vermutlich 1789 von seinem Vater Johann Ludwig Heck erbauten Fachwerk-Anwesen aufgewachsen und hat darin später eine Schreiner-Werkstatt geführt.

Weil keine Bilder, Briefe, Tagebücher oder Arbeitsunterlagen – in der Fachsprache auch Ego-Dokumente genannt – erhalten sind, hat die wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Nachfahren gesprochen, in Kirchenbüchern gestöbert und Katasterpläne im Staatsarchiv eingesehen. „Das ist ein weites Feld“, gibt sie zu und vergleicht die Recherche mit einem Puzzle, das man Stück für Stück zusammensetzt.

„Wir mussten viel rekonstruieren, was die geschichtlichen Hintergründe und die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit angeht.“ Zudem habe sich das Team in vieles hineindenken müssen – was reichlich Zeit gebraucht habe, aber auch sehr spannend gewesen sei.

Szenerie der Zeit

Lauer kann im Haus Heck das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss bespielen, Keller und Dach sind nicht zugänglich. Inzwischen hat auch ein Gestaltungsbüro aus Weimar seine Arbeit aufgenommen und erste Entwürfe der Ausstellung vorgelegt, die bereits zeigen, dass der Hessenpark damit eine ganz neue Methodik wagt. Möbel aus der Sammlung des Museums, aber auch Rekonstruktionen und normalerweise hinter Glas gesicherte Gegenstände dürfen angefasst werden. Wer möchte, darf sich sogar ins Bett legen. Illustrationen stellen zudem nicht Vorhandenes dar – und vermitteln den Eindruck einer Bühne, auf der eine Szenerie aus der damaligen Zeit wiederhergestellt wird. „Wie eine Kulisse im Theater“, sagt Lauer und zeigt auf einem Entwurf beispielsweise einen an die Wand gemalten Stock, der an einer mit rekonstruierter Kleidung versehenen Garderobe hängt. Und weil es sich ja auch um eine Werkstatt handelt, wird eine sogenannte Hands-on-Station mit Hölzern in verschiedenen Bearbeitungsphasen die Haptik des Schreinerhandwerks vermitteln. Noch lebendiger soll es werden, wenn Hessenpark-Restaurator Matthias Stappel von Zeit zu Zeit in der Werkstatt arbeitet. Oder wenn Schauspieler in einem Video für die Hausbewohner sprechen.

Text-Tafeln soll es übrigens nach wie vor geben, sie sollen sich aber auf das Nötigste beschränken. Stattdessen wollen Lauer und Ostendorf Objekte sprechen lassen und so eine spielerische Herangehensweise ermöglichen. Das ist dann natürlich auch für die kleinen Museumsgäste sehr interessant. Diese finden im Obergeschoss zudem ein raumhohes Bilderbuch, das Alltagsszenen mit einer Audio-Spur vermittelt. „Die Besucher sollen Informationen mit mehr Spaß aufnehmen“, erklärt Lauer. „Es bleibt dann einfach mehr hängen.“

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