Nach den verheerenden Hochwasserschäden bekommen Simone Hett-Ware (rechts) und ihr Bruder Achim Hett viel Unterstützung von Freunden und Gästen um das Brünnchen wieder aufzubauen.
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Nach den verheerenden Hochwasserschäden bekommen Simone Hett-Ware (rechts) und ihr Bruder Achim Hett viel Unterstützung von Freunden und Gästen um das Brünnchen wieder aufzubauen.

Neu-Anspach

Nach dem Unwetter: Riesige Solidarität mit dem "Brünnchen"

  • vonEvelyn Kreutz
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Durch den Spendenaufruf der beiden Neu-Anspacher Rockbands Mean Bone und Stagewar kommen in 24 Stunden 8000 Euro zusammen - Wirtin plant Dankeschön Open-Air

Neu-Anspach -"Als am Freitag alles unter Wasser stand, war ich wie betäubt und konnte noch nicht mal heulen", sagt Brünnchen-Wirtin Simone Hett-Ware am vierten Tag nach dem Hochwasser. Jetzt, wo zwei Spendenaufrufe von Freunden laufen und immer noch Leute einfach anpacken, kann sie die Tränen nicht immer zurückhalten. Vor allem schöpfen sie und ihr Bruder Achim Hett wieder Hoffnung, obwohl die Versicherung den Schaden nicht ersetzen wird.

Die Wirtin weiß im Gespräch mit der Taunus Zeitung gar nicht, wo sie anfangen soll. "Die Wassermassen haben die Küche in eine Kammer des Grauens verwandelt, in der die Geräte herumschwammen", erzählt sie. Der Gastraum war so hoch mit Schlamm geflutet wie nie. Seit 1991 habe das Hochwasser alle zehn Jahre zugeschlagen, jetzt zum vierten Mal.

Biergarten am 17. Mai wiedereröffnet

Am 2. März 1991 haben die beiden die Souterrain-Kneipe "Zum Brünnchen" eröffnet. Dass der 65-Jährige in zwei Jahren in Rente gehen könnte, wollen die Gäste nicht zulassen. Seine 57-jährige Schwester wollte sowieso noch ein bisschen weitermachen. Auch von Corona haben sie sich nicht kleinkriegen lassen, stattdessen nach einem Wasserleitungsschaden die Zeit genutzt zum Renovieren und dafür ihr Erspartes verwendet. Kurz nach der Neueröffnung am 1. August kam mit dem zweiten Lockdown die zweite Zwangspause ohne Umsätze mit nur spärlichen staatlichen Hilfen. Am 17. Mai haben sie den Biergarten geöffnet, wollten am Freitag das erste Mal innen öffnen. Stattdessen brach die Katastrophe über sie herein.

Nach dem Wasserschaden im Vorjahr hatte die frühere Versicherung gekündigt. Die neue Versicherung war erheblich teurer und die Eigentümergemeinschaft wollte keine Elementarversicherung abschließen. Noch vor der Bestandsaufnahme des Schadens war den beiden klar: "Es bleibt uns nichts", aber sie wussten, dass von überall Unterstützung kommt.

Nach der Feuerwehr, die die Wirtin für den tollen Einsatz lobt, rückten ab der ersten Minute Freunde zur Soforthilfe an mit Putzlappen, Eimern, Wischern und Trocknungsgeräten. Auf den Hilferuf über Facebook standen zehn Nasssauger bereit von der Hand- bis zur Industrieausführung. "Sogar von Leuten, die wir gar nicht kennen", so die Wirtin. Weil das Kühlhaus, alle anderen Elektrogeräte und das Mobiliar nicht mehr zu gebrauchen sind, haben Wirtskollegen Kontakte hergestellt zu Gaststätten, die Corona nicht überlebt haben und günstig Inventar abgeben könnten. Auch die Radeberger Brauerei wolle in Erfahrung bringen, ob und wo es Rückläufer von Einrichtungen gibt.

Jahrgang räumt sein Sparkonto

Während Hett-Ware mit einem Handwerker telefoniert, kommen zwei Gäste mit einem Umschlag und sagen: "Wir wollen nur eine Spende abgeben." Heidelore Wehner kündigt ihrem Kameraden aus Schultagen an: "Unser Jahrgang räumt sein Sparkonto fürs Brünnchen und wir wollen noch weitere Spenden an euch überweisen." DJ und Musiker René Einsiedel holt die Musikanlage, die keinen Mucks mehr von sich gibt, ab. Er will prüfen, ob er sie reparieren kann.

Alles wird getoppt durch zwei spontane Spendenaktionen, die Freunde und Gäste angeleiert haben. Die der beiden Neu-Anspacher Rockbands Mean Bone und Stagewar schlägt alles, was die Wirtin sich jemals vorstellen konnte. In weniger als 24 Stunden kamen über den Spendenlink https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=3058320751160134&id=100009467179071 bereits über 8000 Euro zusammen. Die Bands posten: "Hoffentlich gibt es euch etwas Mut und die Kraft nochmal neu zu starten". Da über Paypal nicht alle zu erreichen sind, haben Angelika Guidry und Roland Wolf extra folgendes Konto eingerichtet. Konto-Inhaber: Angelika Guidry IBAN: DE35 5115 1919 0051 5119 47 Verwendungszweck: Überflutungshilfe "Zum Brünnchen".

"Wir hätten niemals selbst um Spenden gebeten", sagt die Wirtin. Noch vor den Sommerferien will sie mit Musikern und Bands, die lange nicht auftreten durften, eine Dankeschön-Open-Air-Veranstaltung organisieren, am liebsten am Hausener Sportplatz. Die SG Hausen hat ihnen übrigens angeboten, das derzeit leerstehende Sportlerheim solange zu bewirten, bis das Brünnchen wieder öffnen kann. Wann das sein wird, wissen die Betreiber noch nicht. "Schön wäre es in vier Woche, realistischer sind wohl sechs Wochen." Von Evelyn Kreutz

Nicht nur die Geräte, die durch das Unwetter durch die Küche schwammen, sind nicht mehr zu gebrauchen.

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