Sicherheit

Nach zwei Raubüberfällen auf Apotheken Diskussion gefordert

  • Anja Petter
    vonAnja Petter
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Über kein anderes Thema wird derzeit in der Stadt so intensiv diskutiert wie über die Sicherheit. Jetzt schaltet sich ein Apotheker in die Debatte ein. Aus gutem Grund.

Ferdinand Gabriel hat Buch geführt und zehn Vorfälle aus den vergangenen drei Jahren aufgelistet. Darunter mehrere Einbrüche, einmal sogar während einer Nachtschicht. Mal erbeuteten die Täter das in der Kasse vorhandene Wechselgeld, mal räumten sie ein Parfüm-Regal leer. Alles sehr unerfreulich und außerdem oft mit einem hohen Sachschaden verbunden, aber im Grunde hat dies der Apotheker „zähneknirschend ertragen“. Jetzt aber hat es in Neu-Anspach innerhalb weniger Tage zwei bewaffnete Überfälle auf Apotheken gegeben, und das hat die Situation erheblich verändert. Denn: „Jetzt geht es um Leib und Leben, und das ist nicht akzeptabel.“

In einem Brief an Bürgermeister Thomas Pauli (SPD), Stadtverordnetenvorsteher Holger Bellino (CDU) und die Verantwortlichen der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien sowie in einem Gespräch mit dieser Zeitung schildert der 61-Jährige die Situation, mit der er und seine Kollegen zu kämpfen haben. Vor genau einer Woche war es, als um 9 Uhr ein junger Mann die Gabriel gehörende Kleeblatt-Apotheke betrat, eine Angestellte mit einem Nagel bedrohte, sich aus der Kasse bediente und anschließend mit einer Beute von 330 Euro flüchtete.

Am 13. April war es bereits zu einem ähnlichen Vorfall in der schräg gegenüber gelegenen Glocken-Apotheke gekommen. Dort wurde eine Mitarbeiterin mit einem Messer bedroht, der Täter anschließend, so hat Gabriel von der Polizei erfahren, gefasst. Er gestand den Überfall, wurde aber, weil er einen festen Wohnsitz in der Stadt hat und seine soziale Perspektive nicht gefährdet werden soll, wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie der Pharmazeut außerdem in Erfahrung bringen konnte, soll es sich hier um den gleichen jungen Mann handeln, der eine Woche später seine Apotheke überfallen hat.

Gabriel lebt seit 1992 in Neu-Anspach und besitzt nicht nur die Kleeblatt-Apotheke, sondern auch noch die Easy-Apotheke in Usingen und die Apotheke im Ärztehaus, in die ebenfalls bereits mehrfach eingebrochen wurde. Er kann und will diese Form der tätlichen Bedrohung seiner – größtenteils weiblichen – Mitarbeiter nicht länger hinnehmen. Zudem wird es für ihn immer schwerer, den nächtlichen Notdienst zu besetzen – auch wenn er aus dem Nachtdienst-Zimmer längst einen „Panic Room“ mit unüberwindbarer Tür und extra gesicherten Fenstern gemacht hat. Gabriel: „Ich trage ja die Verantwortung für meine Angestellten.“

Weil der Täter aus Neu-Anspach kommt, sieht er hier die Politik oder vielmehr die Stadt als Ordnungsbehörde in der Pflicht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Gewalt und Vandalismus zunehmen, werde es langsam Zeit, dass diese für die Sicherheit der Bürger und für mehr Stabilität sorgten. „Sie haben die Verantwortung“, findet Gabriel, „und sie müssen die Gefahren erkennen.“ Eine Diskussion zur Sicherheitslage sei mehr als überfällig und „Äußerungen, die Aufbauschung und Dramatisierung unterstellen, sind unqualifiziert“. Die Situation sei für Lehrer und Eltern längst unbeherrschbar geworden. „Wir müssen den Jugendlichen deshalb Grenzen setzen“, sagt Gabriel und vergleicht die Situation mit einem Fußballspiel. Hier beobachte ein Schiedsrichter laufend die Situation und könne bei einem Foulspiel eingreifen. Sanktionen wie der Warnschuss-Arrest seien für „die Richtigen“ durchaus in Ordnung, findet er.

Der Anspacher fordert aber nicht nur mehr Ordnungskräfte, er spricht sich auch für mehr „Hinwendung“, eine intensivere Förderung junger Leute und die Schaffung von Plätzen, an denen sie sich treffen können, aus. Gabriel macht sich Gedanken um die jugendlichen Täter in der Stadt. Die Ursachen seien gesellschaftlicher Natur, sagt er. Manchen fehle es an Anerkennung, andere würden in der Schule gemobbt oder ausgegrenzt. „Um der Leidenssituation zu entgehen, nehmen sie Drogen“, sagt er und weiß, dass die Betroffenen in der Folge dafür Geld benötigen, das sie sich durch Einbrüche und Überfälle beschaffen müssen.

Und: „Die enthemmende Wirkung der Drogen in Verbindung mit dem triebartigen, jugendlichen Drang, Regeln zu brechen, erleichtert ihnen den Weg in die Kriminalität.“ Die Jugendlichen von heute seien die Erwachsenen von morgen, stellt Gabriel fest. Sie seien der „Motor des Fortschritts“, und deshalb sei es nötig, sie aufzufangen. „Denn dann leben wir alle besser und sicherer.“

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