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Graskarpfen und Rotfeder hat Nils Schäfer gemalt, aber ein Unbekannter hat "Fuck you" darüber gesprayt.

Stadt stellt Strafanzeige

Brücken-Graffiti zerstört

Die gesprayten Graffiti auf dem Widerlager der Heisterbach-Brücke sind fantastisch. Doch jetzt haben Unbekannte die Arbeiten zerstört.

Neu-Anspach - Wer Frank Vogel kennt, der weiß: Der Leiter des Leistungsbereichs Familie, Sport und Kultur ist eigentlich ein ruhiger und besonnener Mensch, der jedes Wort genau abwägt. Gestern Vormittag aber, als er sich bei dieser Zeitung meldete und berichtete, dass Unbekannte die gerade von Jan-Malte Strijek und Nils Schäfer gestalteten Graffiti auf dem Brücken-Widerlager an der Heisterbachstraße zerstört haben, sah das anders aus: "Das sind wirklich solche Idioten", schimpfte der Amtsleiter und sprach außerdem von einer "ganz bitteren Pille".

Bauamtsleiterin Viola Feldmann hatte auf ihrem Weg ins Rathaus die Schmierereien entdeckt und Vogel verständigt, der sich wiederum sofort auf den Weg machte und das ganze Ausmaß mit der Kamera festhielt. Alle Wände seien in Mitleidenschaft gezogen, erzählte er und berichtete zudem, dass bereits Strafanzeige bei der Polizei gestellt worden sei.

Das Gerüst, auf dem Strijek und Schäfer ihrer Arbeit nachgehen, habe es den Tätern wohl allzu leicht gemacht, meint Vogel. Ob die ursprünglich für den 22. September geplante Einweihung nun gehalten werden kann, vermochte er gestern noch nicht zu sagen. "Es ist wirklich krass."

Neu-Anspach: Grafitti zerstört

Strijek interpretiert auf der Eingangsseite das Stadtwappen neu und zeigt einen roten Hirsch, Kornähren, eine Glocke und Rosen, Schäfer zeigt auf der anderen, aus der Stadt herausführenden Seite die heimischen Fisch- und Vogelarten auf dem Beton. Jetzt hat jemand an einer Stelle "Fuck you" darüber gesprayt, "Totale Randale" steht auf dem oberen Band. 

"Totale Randale" steht auf der Seite von Jan-Malte Strijek. 

Und, ganz besonders heftig: Der Übergang, auf dem Strijek ganz detailreich Wellen und die Knospen einer Pflanze gestaltet und allein hierein eine Woche Arbeit gesteckt hatte, ist komplett zerstört. "Das ist für Jan wirklich ganz bitter", meinte Schäfer gestern auf Anfrage. Wie am Samstag bereits groß berichtet, sind die beiden Profis dabei, im Zuge des anlässlich des Masterplans 2040 gestarteten Projekts "Wir verschönern unsere Stadt" die 180 Quadratmeter große Fläche zu gestalten. Die Kosten in Höhe von 9000 Euro übernehmen Unternehmen aus dem Gewerbegebiet, die im Gegenzug mit ihrem Logo auf eigens dafür vorgesehenen Flächen werben dürfen.

"Täter" sind bekannt

Dem 25-Jährigen fehlten allerdings zunächst einmal die Worte. "Ich bin wirklich sprachlos, so etwas habe ich noch nicht erlebt." Für ihn handelt es sich angesichts der Hass-Botschaften um einen "Akt der Zerstörung und der Rache", musste doch wegen der neuen großen Arbeit ein anderes Bild übermalt werden. Die vier "Künstler-Namen", so meint Schäfer, mit denen sich die Sprayer ebenfalls verewigt haben, seien aus dem Frankfurter Raum bekannt - sie sollen an dieser Stelle aber nicht genannt werden, um den Tätern keine Öffentlichkeit zu geben. Er wisse auch nicht, wer genau dahinter stecke.

Doch was passiert nun? Schäfer, der in den vergangenen eineinhalb Wochen täglich an die acht Stunden an den Tieren gearbeitet hat, wollte gestern anfangen, das Kunstwerk zu reparieren und die Fische zu retten. Doch wie kann er sich jetzt überhaupt noch motivieren? "Ich möchte standhaft bleiben und mich nicht unterkriegen lassen."

Auch in Mörfelden haben Künstler ein Kunstwerk gesprayt und den Bahnhof verschönert. Und auch in Frankfurt wurde legal gesprayt.

Zudem gab es einen mysteriösen Todesfall bei McDonald's in Neu-Anspach: Auf einer Toilette ist eine toter Mann gefunden worden.

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