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Große Steine und dazwischen eine Menge Unkraut, das der Bauhof immer wieder entfernen muss: So sieht derzeit der große Kreisel an der Heisterbachstraße aus. 

Neu-Anspach

Das Unkraut wächst trotzdem

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Die Grünen sorgen sich um den Klimaschutz in Neu-Anspach. Sie fordern mehr Natur in den Vorgärten und auf Dächern und ein besseres Grünflächenmanagement. Auf den Bauausschuss kommt jetzt viel Arbeit zu.

Sicher, es gibt auch schön angelegte Steingärten. In den Neubaugebieten sind Anlagen zu bewundern, in denen unter Verwendung von Kies, Steinen oder Splitt Pflanzen, welche die Trockenheit gut vertragen, wachsen. Diese Anlagen können dabei durchaus auch vielfältig gestaltet und artenreich sein. Schotterwüsten aber, deren Steine meist aus China oder Indien stammen, sind einfach nur hässlich. Zudem befindet sich darunter meist ein Vlies, das kaum Wasser durchlässt. Gar nicht davon zu reden, dass hier Insekten weder Nahrung noch einen Unterschlupf finden.

Eigentlich soll mit diesen "Gärten des Grauens", wie sie der BUND nennt (Lesen Sie dazu auch den weiteren Text), ja dem Unkraut der Garaus gemacht werden. Das allerdings ist ein "Ding der Unmöglichkeit", wie Guntram Löffler (CDU) in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung bemerkte. "Die Leute wollen Pflege sparen, aber das Unkraut wächst trotzdem." Denn: Saatgut wird durch den Wind davongetragen, landet zwischen den Steinen und treibt.

Kein gutes Vorbild

Löffler ist der Meinung, dass die Stadt Überzeugungsarbeit leisten soll. Denn: "Früher ging es auch ohne Schottergärten." Die Kommune allerdings ist hier selbst kein gutes Vorbild, und darauf wies der CDU-Politiker ebenfalls hin. Er kam nämlich auf den großen Kreisel an der Heisterbachstraße zu sprechen. Auch dieser besteht aus Steinblöcken, zwischen denen sich immer wieder Unkraut bildet. Das muss dann der Bauhof entfernen.

Anlass für die Aussage des Politikers war ein Antrag der Grünen, den Cornelia Scheer begründete. Vorgärten würden "vehement" mit Steinen versiegelt, und dies vor allem in den Neubaugebieten, stellte die Stadtverordnete fest. Grünflächen hätten eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das städtische Klima, Schottergärten hingegen schadeten der Pflanzen-, Vogel- und Insektenwelt und heizten im Sommer die Temperaturen zusätzlich an. Außerdem könnten mit Folien versiegelte Flächen bei Starkregen kein Wasser aufnehmen.

Forderung nach Satzung

Neu-Anspach habe als Kommune für den Klimaschutz Vorbildcharakter, stellte Scheer fest und forderte eine Satzung für die ganze Stadt. In der soll die Gestaltung mit Steinen, Kies, Schotter und Folienabdichtungen ausgeschlossen sein.

Zweifel, dass eine Satzung hilft oder dass mit Regularien etwas erreicht werden kann, hatten SPD und b-now. Sowohl Jürgen Göbel als auch Christian Holm betonten, dass mit dem gerade auf den Weg gebrachten Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) mehr erreicht werden könnte. "Ein Verbot beschneidet die Bürger", meinte auch b-now-Politiker Till Kirberg, und Fraktionskollege Artur Otto verwies auf die Hessische Bauordnung, nach der nicht überbaute Flächen ohnehin wasserdurchlässig zu belassen und zu begrünen sind.

Auf eine Handreichung, die Ulrike Bolz (CDU) vorschlug, und auf das ISEK wollten sich die Grünen aber nicht verlassen. "Damit kommen wir nicht weiter", sagte Scheer und forderte eine verbindliche Regelung. Sie ließ sich aber darauf ein, den Antrag in einen Prüfantrag umzuwandeln. Damit darf sich, wie bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen aus der b-now entschieden wurde, nun der Bauausschuss beschäftigen.

Dächer begrünen 

Das gilt auch für zwei weitere Anträge der Grünen. Die Umweltpolitiker machten zum einen den Vorschlag, die Dächer der Bus- und Bahn-Haltestellen zu begrünen, was von den anderen Fraktionen skeptisch aufgenommen wurde (Otto: "Das ist ökonomisch und ökologisch nicht sinnvoll"), zum anderen forderten sie ein besseres Grünflächenmanagement. Es fehle eine Prioritätenliste, wann was wo gemacht wird, stellte Fraktionschefin Regina Schirner fest. Zudem müssten Flächen so umgestaltet werden, dass sie einerseits mit geringem Zeit- und Kostenaufwand gepflegt werden könnten, andererseits aber auch Bienen und andere Insekten anlockten. "Dem Bauhof muss etwas an die Hand gegeben werden."

"So etwas ist bereits beschlossen", meinte SPD-Parteichef Kevin Kulp dazu. Und so ist es nun Sache der zuständigen Fachabteilung im Neu-Anspacher Rathaus, das Konzept demnächst im Bauausschuss vorzustellen.

Auch der BUND hat das Thema Steingärten oder vielmehr als solche missverstandene leblos-traurige Schotterwüsten auf der Agenda. Im Hochtaunuskreis gebe es immer mehr "Gärten des Grauens", wie sie unter Naturschützern genannt werden, schreibt Geschäftsstellenleiterin Cordula Nentwig. Gärten eben, die negative Folgen für die Artenvielfalt und das Kleinklima haben, weil Insekten dort weder Nahrung noch Unterschlupf finden. Außerdem: "Geschotterte oder versiegelte Flächen heizen sich stärker auf und kühlen langsamer ab als mit Pflanzen bewachsene Flächen."

In einer Pressemitteilung empfiehlt der BUND, die Schotter- und Steinwüsten zu entsiegeln und mit ebenso arbeitssparenden Alternativen zu bepflanzen, die den heimischen Insekten einen Lebensraum bieten und das Auge erfreuen. Dazu gehören Lavendel, Heidekraut, Astern, Herbst-Margeriten, Wiesensalbei, Wiesen-Witwenblumen, Rapunzel-Glockenblumen, Wiesen-Glockenblumen, Skabiosen-Flockenblumen und Karthäusernelken. pet

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