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Sehr auffällig wegen seiner Zeichnung rund um die Augen: der Gartenschläfer. 

Aus vielen Regionen spurlos verschwunden

Gefährdete Tierart – Auf der Suche nach dem Gartenschläfer

Der Kinder-BUND hat bereits Spurtunnel angebracht und betätigt sich nun als Detektiv. Die Mädchen und Jungen, aber auch die erwachsenen Aktiven wollen wissen, ob es in Neu-Anspach Gartenschläfer gibt. Bürger dürfen sich auch beteiligen.

Neu-Anspach – Lebt der gefährdete Gartenschläfer in Neu-Anspach? Dieser Frage will der Ortsverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in den nächsten Wochen auf den Grund gehen, wie Friederike Schulze berichtet.

Sogenannte Spurtunnel, die kürzlich in der Kleeblattstadt angebracht wurden, sollen dabei helfen, der Schlafmaus mit der "Zorro-Maske" auf die Schliche zu kommen. "Bislang gibt es keinen aktuellen Nachweis des Gartenschläfers im Hochtaunuskreis", informiert Schulze. "Ältere Funde deuten aber darauf hin, dass das kleine Tier in der Vergangenheit hier vorkam. Daher möchten wir herausfinden, ob er noch bei uns heimisch ist."

Gartenschläfer: Spuren auf dem Papier

Die Methode ist denkbar einfach, informiert die Umweltschützerin: Laufen die Tiere durch die Plastikröhren, treten sie auf ein "Stempelkissen" und hinterlassen ihre Spuren auf einem Blatt Papier. Da der Gartenschläfer, ein Säugetier aus der Familie der Bilche, besondere Schwielen an seinen Pfoten hat, lassen sich seine Spuren gut von denen anderer Kleinsäuger unterscheiden. Die Aktion ist Teil des Projekts "Spurensuche Gartenschläfer", das im Rahmen des Bundesprogramms "Biologische Vielfalt" durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird (Lesen Sie dazu die Info-Box).

Noch bis Oktober werden die Aktiven des Ortsverbandes alle ein bis zwei Wochen die an Bäumen und Sträuchern angebrachten Spurtunnel kontrollieren. "Eines Köders, um die Tiere anzulocken, bedarf es dabei nicht. Neugierig, wie sie sind, erkunden sie die Tunnel von selbst", erklärt Susanne Schneider, Projektkoordinatorin beim BUND Hessen. "Wir hoffen, das Geheimnis um den Gartenschläfer auf diesem Wege lüften zu können."

Tatkräftige Unterstützung bei der Kontrolle der Tunnel und der Untersuchung der Spuren gibt es durch die Mädchen und Jungen vom Kinder-BUND. "Wir fühlen uns dabei ein bisschen wie Detektive", freut sich Schulze.

Übrigens sind auch alle Bürger dazu aufgefordert, gesichtete Gartenschläfer, die sich übrigens auch gerne in Vogelnistkästen einquartieren, möglichst mit Foto unter www.gartenschlaefer.de zu melden. "Jeder Hinweis hilft uns, dem kleinen Nager auf die Spur zu kommen", betont Schneider.

Neu-Anspach: Gartenschläfer gibt Rätsel auf 

Der Gartenschläfer gibt Wissenschaft und Naturschutz große Rätsel auf. In Hessen geht es der Art entlang der Flusstäler von Rhein und Main nach derzeitigen Erkenntnissen zwar noch vergleichsweise gut, doch aus vielen Regionen Europas und Deutschlands ist die Art spurlos verschwunden, wie der BUND informiert. "Wie sich die Lage im Hochtaunuskreis darstellt, ist derzeit noch unklar."

Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben der BUND, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg-Gesellschaft die "Spurensuche Gartenschläfer" gestartet. Forschung und Schutzmaßnahmen sollen dabei helfen, die kleine Schlafmaus zu erhalten. Viele Freiwillige, auch in Neu-Anspach, unterstützen die Aktion, indem sie Spurtunnel und Nistkästen kontrollieren sowie lokale Schutzmaßnahmen umsetzen. "Dort, wo der Gartenschläfer als lästig empfunden wird - ob im Haus, im Garten oder im Obstbau - soll das Projekt zwischen Mensch und Tier vermitteln und zeigen, dass ein Zusammenleben gut möglich ist", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Weil das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers zum Großteil in Deutschland liegt, ist Deutschland für die Erhaltung auch in hohem Maße verantwortlich. "Die Erforschung des Verschwindens des Gartenschläfers ist damit Teil der nationalen Anstrengungen für den Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland", meint der BUND. 

pet

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