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Saskia Ahrendt hat an einem Wettbewerb der Deutsch-Französischen Gesellschaft teilgenommen und ihren Beitrag als Brief an den französischen Präsidenten verfasst. Nicht nur stilistisch, auch inhaltlich überzeugte sie damit die Jury.

Élysée-Vertrag

Wieso eine Humboldtschülerin einen Brief an Emmanuel Macron schrieb

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56 Jahre ist es her, dass Deutschland und Frankreich im Élysée-Vertrag ihre Freundschaft besiegelten. Um dieselbe mit Leben zu füllen, motiviert die Deutsch-Französische Gesellschaft Schüler, sich mit der Geschichte beider Länder auseinanderzusetzen und schreibt alljährlich einen Wettbewerb aus. Beim diesjährigen kam eine Humboldtschülerin aufs Siegertreppchen.

„Monsieur le Président, cher Emmanuel Macron“, übersetzt: „Herr Präsident, lieber Emmanuel Macron“ – mit dieser Anrede beginnt die 16 Jahre alte Saskia Ahrendt, Schülerin der Humboldtschule (HUS), einen Brief an das französische Staatsoberhaupt. Zehn Seiten lang ist das Schreiben – und natürlich in französischer Sprache gehalten. Saskia betrachtet den Weg der deutsch-französischen Freundschaft vom Krieg bis zum Élysée-Vertrag, flicht eigene Erfahrungen ein, geht auf die Unterschiede beider Länder und die Notwendigkeit von gegenseitiger Offenheit ein. Eine Stellungnahme, wie sie persönlicher kaum sein könnte und in ihrer Ansicht kaum vorbildlicher.

Das sah auch die Deutsch-Französische Gesellschaft Frankfurt so und wählte Saskias Beitrag im Bereich Grundkurs Französisch denn auch zum Sieger des Wettbewerbes. Den schreibt die Institution seit neun Jahren alljährlich für Grund- und Leistungskursschüler des Fachs Französisch im Rhein-Main-Gebiet aus. „Eine unglaubliche Ehre“, sagt die Neu-Anspacherin.

Schülerin bereits in der Grundschule Fan von Frankreich

Schon in der Grundschule interessierte sie sich für die französische Sprache – „ich fand den Klang so schön“. In der achten Klasse nahm sie dann an einem Schüleraustausch nach Vernon in der Normandie teil, besuchte dort das „Collège César le Maitre“. Ihre Erfahrungen dort beschreibt sie auch in ihrem Brief an Macron. Sie habe bei ihrem Aufenthalt einen guten Blick auf die französische Gesellschaft bekommen, auf das, was Deutsche und Franzosen verbindet, aber auch das, was sie voneinander unterscheidet. Und das sind mehr als statistische Zahlen darüber, dass 65 Prozent aller französischen Frauen, die ein Kind im Alter unter sechs Monaten haben, Vollzeit arbeiten – anders als in Deutschland. „Aber es gibt dort ja auch genügend Krippen“, sagt Saskia.

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„Der Schultag zum Beispiel ist in Frankreich viel länger als in Deutschland, und ich war immer müde“, schreibt sie in ihrem Brief an Macron. Dass das Essen so viel Raum einnimmt, erstaunte sie. „Irgendwie hat man das Gefühl, dass sich die Franzosen für alles mehr Zeit nehmen, eben auch fürs Essen, das macht alles irgendwie intensiver“, erklärt sie im Gespräch mit dieser Zeitung und erinnert sich an Abendessen mit der „supernetten und sehr, sehr herzlichen“ Gastfamilie mit Aperitif, Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise. „Manchmal saßen wir Stunden bei Tisch, das war toll.“

Freundschaft funktioniert im Großen wie im Kleinen

Vielleicht habe ihre Austausch-Freundin Anaïs auch deswegen so viel Energie gehabt. „Sie setzte sich nach dem Abendessen um 22.30 Uhr auch noch hin und machte noch Hausaufgaben – und zwar mit einer unglaublichen Leichtigkeit –, während ich praktisch schon geschafft unter der Bettdecke lag“, erinnert sich die HUS-Schülerin lachend. Inzwischen verbindet sie und Anaïs eine echte Freundschaft. Saskia war mehrfach in Frankreich zu Gast („Ich fühle mich bei ihr, als ob ich Zuhause wäre“), Anaïs auch oft bei ihr in Deutschland.

Saskia hat in ihrem Brief an Macron über ihre eigenen Erfahrungen erklärt, wie wichtig persönliche Freundschaften sind, damit eine Freundschaft zwischen zwei Nationen funktioniert. „Nur als Freunde können Deutschland und Frankreich voneinander lernen, nur als Freunde ihre Fehler verzeihen“, sagt sie. Und lobt die beiden, die für den „Meilenstein“ der deutsch-französischen Freundschaft verantwortlich sind: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Und lobt auch die beiden, die heute daran arbeiten, dass die Freundschaft weiter besteht: Angela Merkel und Emmanuel Macron.

Den Brief an ihn, der ja eigentlich „nur“ als Wettbewerbsbeitrag gedacht war, möchte sie übrigens wirklich abschicken. „Ich bin gespannt, ob ich Antwort bekomme.“

Und was das Preisgeld betrifft – der Preis der Deutsch-Französischen Gesellschaft war dotiert, 900 Euro gab’s für Saskia, 300 davon gehen an die HUS, 600 darf sie behalten. Die will sie in den Führerschein investieren. „Damit ich künftig auch selbst mit dem Auto nach Frankreich fahren kann.“

Wer den preisgekrönten Beitrag von Saskia im Original lesen möchte, findet ihn hier: www.dfg-frankfurt.de.

Infobox: Zweiter Platz im Leistungskurs geht ans KFG

Die Deutsch-Französische Gesellschaft Frankfurt (DFG) verleiht seit neun Jahren alljährlich Preise für die beiden besten deutschen Französischschüler aus dem Grund- und Leistungskurs aus Frankfurt und Umgebung. In diesem Jahr ging auch der zweite Preis in der Kategorie Leistungskurs (LK) nach Bad Homburg. Den heimste nämlich die 16 Jahre alte Greta Schiessl ein, die am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) den Französisch-LK belegt.

Schiessl schrieb einen Essay mit dem Titel „L’Héraldique ou la force des symboles“, in dem es um die Staatssymbole Frankreichs und Deutschlands geht, den gallischen Hahn und den Bundesadler. Zu Beginn erläutert die Schülerin die historischen Hintergründe und die Bedeutung der Wappentiere, darauf folgt eine satirische Geschichte über ein erdachtes Zusammentreffen der beiden. Am Ende merken beide, dass sie viele Gemeinsamkeiten besitzen.

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