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Ein Fall vorm Oberlandesgericht Nürnberg zeigt: Nachlassgegenstände sind nicht Bestandteil eines europäischen Nachlasszeugnisses.

Prozess

Polizeiprotokolle: Großmutter stützt angeklagten Enkel

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Im Prozess gegen einen 31-jährigen Neu-Anspacher wegen Vergewaltigung wurde der Angeklagte jetzt von seiner Großmutter in Schutz genommen. Schuld habe allein die Frau, sie habe ihren Enkel "wie Dreck behandelt".

Dem unter anderem der Vergewaltigung, Körperverletzung und Bedrohung angeklagte 31-jährigen Neu-Anspacher ist nicht nur die Anwesenheit interessierter Zuschauer im Gerichtssaal offenbar unangenehm, er beschwerte sich beim Richter außerdem über die rüde Behandlung durch Justizangestellte beim Toilettengang und forderte, in seine Zelle gebracht zu werden. „Geht nicht“, machte ihm der Richter unmissverständlich klar.

Das Öffentlichkeitsprinzip sei ein hohes Gut in der deutschen Rechtsprechung, das müsse er sich schon gefallen lassen. Auf die angeblichen Misshandlung durch die Wachtmeister, die der Angeklagte sogar zur Anzeige bringen will, ging sich der Richter nicht ein, nur so viel: „Die machen nur ihre Arbeit.“

Am fünften Prozesstag wurde die 72-jährige Großmutter des Angeklagten vernommen. Die Frau hatte zögernd auf ihr Aussageverweigerungsrecht als nahe Verwandte verzichtet, tat sich bei der Beantwortung der Fragen des Gerichts sehr schwer. Sie schilderte ihren Enkel als Opfer der Umstände und beschuldigte die Frau, die er vergewaltigt haben soll, Unfrieden in die Familie gebracht, den Angeklagten „wie Dreck behandelt“, ihn in den Alkohol getrieben und ihn aggressiv gemacht zu haben. Ständig habe es Streit gegeben, der meist von ihr ausgegangen sei.

Auf die Frage des Gerichts, ob der Enkel ihr gegenüber übergriffig geworden sei, antwortete die Frau ausweichend: „Er hat mich nie geschlagen.“ Auch habe er sie nie beleidigt, so wie es aus den Gerichtsakten hervorgeht. Eine als Zeugin geladene Polizistin berichtete anderes.

So habe die Seniorin einmal die Polizei gerufen, weil ihr Enkel sie schlage. Daraufhin seien zwei Streifen ausgerückt. Den Beamten sei von den Schlägen berichtet worden, sagte die Polizistin. Die vom sehr aggressiv auftretenden Angeklagten ausgestoßenen wüsten Beleidigungen habe man „live mitbekommen“.

Nicht ins Bild der Aussage der Großmutter, ihrem Enkel sei von einer Ex-Freundin übel mitgespielt worden, passt ein von der 72-Jährigen verfasstes Schreiben. Darin heißt es, der Angeklagte könne wieder bei ihr einziehen, wenn er zuvor eine Psychotherapie absolviert und wenn von ihm kein körperlicher und psychischer Schaden mehr angerichtet werden könne. Von einem höchst aggressiven Verhalten des Angeklagten berichtete auch ein Neu-Anspacher, der ihm und seiner damaligen Freundin eine Einzimmerwohnung vermietet hatte. Es habe dort zwischen den beiden ständig Streit gegeben.

Auch soll der Angeklagte der Familie des Vermieters Gewalt angedroht haben, „wenn er seinen Willen nicht durchsetzen konnte“, so der Zeuge. Die Frau sei irgendwann ausgezogen. Er habe dem Mann schließlich gekündigt. Ausgezogen sei er aber erst nach einer Räumungsklage.

Kommenden Montag wird der vom Gericht mit der Exploration des Angeklagten beauftragte Psychiater sein Gutachten erstatten. Es werden dann noch weitere Zeugen vernommen, bevor am 24. Oktober die Plädoyers gehalten werden können und voraussichtlich am 31. Oktober das Urteil gesprochen werden kann.

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