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Im Prozess um den Doppelmord von Herne fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft.

Gericht

Prozess gegen 31-Jährigen: Bericht vom jahrelangen Martyrium

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Ein 31-jähriger Neu-Anspacher ist vor dem Frankfurter Landgericht unter anderem wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner damaligen Freundin sogar am Tag eines Schwangerschaftsabbruchs angeklagt. Gestern wurde die Frau als Zeugin gehört. Sie berichtete von einer ganzen Reihe von Körperverletzungen, aber auch von weiteren Vergewaltigungen.

Hat der 31-jährige, vielfach unter anderem wegen Gewaltstraftaten vorbestrafte Neu-Anspacher seiner Ex-Freundin mehrfach Gewalt angetan? Die gestern am zweiten Prozesstag gehörte 32-jährige Frau sprach in ihrer Aussage jedenfalls von mehreren Vergewaltigungen durch ihren Freund, einem jahrelangen Martyrium. Sie habe, auch weil der sie in massivster Art und umzubringen bedroht habe für den Fall, dass sie ihm nicht zu Willen sei, gar nicht alle Taten angezeigt, manche Anzeigen aus der nackten Angst heraus aber auch wieder zurückgezogen. Der Mann habe sie immer wieder unter Druck gesetzt, ihm Kinder zu gebären.

Das habe sie wegen der immer weiter ausufernden Gewaltbereitschaft des Mannes, den sie anfangs durchaus geliebt habe, aber abgelehnt. Er soll ihr unter anderem angedroht haben, sie „notfalls neun Monate lang einzusperren“ und die Antibabypille aus der Tasche entwendet haben.

Als sie nach der ungewollten Schwangerschaft im Juni 2012 sich gegen seinen Willen zum Abbruch entschlossen habe, sei sie von ihm als „Mörderin“ beschimpft, in den nach dem Eingriff stark schmerzenden Unterbauch getreten und mit den Worten, er werde nun dafür sorgen, dass sie wieder schwanger werde, zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden. Dass sie diesen unmissverständlich und mit Verweis auf den dringenden Rat des Gynäkologen verweigert habe, habe ihn nicht von der Gewalttat abbringen können, „er war wie von Sinnen“, so die Frau, die die schrecklichen Minuten dem Gericht detailliert und äußerlich sehr gefasst in allen Einzelheiten schilderte. Danach soll er das vor Blut starrende Bettlaken eigenhändig in der Badewanne ausgewaschen haben. Die Frau sagte auch, dass sie noch heute, Jahre danach, Schmerzen im Unterbauch habe und psychotherapeutischer Hilfe bedarf.

Die Bedrohungen vor und nach der angeklagten Vergewaltigung sollen außerordentlich massiv gewesen sein und sich auch gegen ihre Familie gerichtet haben. Sie habe schließlich ihre Telefonnummer gewechselt, was aber zu der Drohung geführt habe, dass es „in der Straße einen Großeinsatz“ geben werde, sollte sie die Nummer nicht herausrücken.

Desweiteren habe er ihr angedroht, sie mit Batteriesäure zu übergießen, wenn sie sich von ihm trennen sollte. „Ich glaube, er hat mich als seinen Besitz angesehen“, sagte die Frau, die der Aufforderung, als seine Verlobte auszusagen, um so bei möglichen Verfahren gegen ihn ein Zeugnisverweigerungsrecht zu haben, nicht gefolgt ist.

In Todesangst

versetzt habe sie die Drohung des mit einem Kochmesser bewaffneten Mannes bei anderer Gelegenheit. Er wisse genau, wo er hinstechen müsse, um das Herz zutreffen. Wenige Tage vor Prozessbeginn sei sie dann auch noch von der Großmutter des Mannes angerufen worden: „Sie richtete Grüße von ihm aus und sagte, ich solle keine Lügen über ihren Enkel erzählen.“ Der Prozess wird am Dienstag, 18. September fortgesetzt.

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