Trecker-Treff

Raritäten sind bestens in Schuss

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Der Hessenpark ist für Traktorfreunde ein absoluter Hotspot, denn zum Herbstbeginn werden dort Schlepper, zum Teil hochbetagt, aufgefahren und den Blicken eines von Jahr zu Jahr wachsenden Publikums ausgesetzt. Das charakteristische „Bababababab“ der Lanz-Bulldogs war weit übers Museumsdorf hinaus zu hören. Und dementsprechend viel gab es auch zu sehen.

Einmal ist keinmal und ein Traktor ist kein Traktor: Die meisten der rund 300 Traktoristen, die am Wochenende ihre agrarhistorischen Arbeitsgeräte im Freilichtmuseum Hessenpark ausgestellt haben, besitzen weit mehr als nur einen. Auch Harald Bender, Vorsitzender der Traktorfreunde Eschbach, hat „ein ganzes Nähkörbchen voll“ und beim Treckersammeln gewissermaßen die Nase vorn. Manchmal aber auch hinten – zumindest wenn er auf seinem Deutz FIL612 sitzt, den nachfolgenden Verkehr im Blick und das Lenkrad im Rücken hat. Sieht komisch aus, ist aber eine geniale Konstruktion, wenn es gilt, Anbaugeräten, etwa einem Strohbinder, beim Strohbinden zuzugucken. Dazu wird der Fahrersitz umgedreht in die Verankerung gesetzt. Aufgrund der kurzen Motorhaube hat der Landmann Zugang zu allen Pedalen und Hebeln, fährt aber, aus seiner Sicht, rückwärts übern Acker.

Interessant war auch das mobile Sägewerk der Eschbacher. Vor den Augen Dutzender Zuschauer zerlegte eine Horizontal-Gattersäge ausgewachsene Baumstämme in Bretter. Das Gerät wurde 1876 in Dienst gestellt und wird von einem 12-PS-Trecker der Marke Kramer, Baujahr 1951, über ein Riemenvorgelege angetrieben. Die Konstruktion lief wie ein Uhrwerk, kam beim Schneiden eines trockenen Kirschbaumstamms aber an ihre Grenzen: „Härter als Eiche, das dauert, bis der durch ist“, sagte Harry Bender, während einer seiner Kumpels das Sägeblatt ständig mit Wasser kühlte – ein Schnitt, und das Blatt muss nachgefeilt werden...

Deutlich beschaulicher – aber trotzdem eindrucksvoll – ging es bei Stefan Petri zu. Der Usinger, der in Wehrheim eine Landmaschinenwerkstatt hat, besitzt 20 Traktoren. Das tun andere zwar auch, aber Petris Bulldogs sind alle aus dem Hause Güldner. Zehn davon hatten er und seine Freundin Birgit Meyer auf einer Wiese im Halbkreis aufgefahren. Sie alle laufen noch „wie’s Lottche“. Ein G 35 – G wie Güldner und 35 wie 35 PS – hat bis vor vier Wochen noch zuverlässig Ackerdienste verrichtet.

Natürlich sind Petri alle seine feuerroten Spielmobile gleich lieb, mit einer Ausnahme: der G 30. Der ist für ihn ein besonderes Schätzchen, denn: „Den hat noch mein Opa Ernst gekauft“, sagt er. Dabei ist der G 30 nicht einmal eine Rarität. Der in den 1960er Jahren gebaute Schlepper hatte anfangs 30, später dann 32 PS. Vom G 30 gab es fast 9000 Exemplare, damit war er der meistverkaufte Güldner aller Zeiten.

Das Leben mit alten Bulldogs erfordert schon eine gewisse Haltung und bedeutet so etwas wie die Erfindung der Langsamkeit. Auf der Landstraße läuft man bei Höchstgeschwindigkeiten – 20 Sachen – Gefahr, von Radfahrern überholt zu werden. Sei’s drum, Harald Enders von den „Schlepperfreunden Hinnertaunus“ ist das egal. Wenn er, getreu der Devise „Kein Dach überm Kopf, aber Porsche fahren“ unterwegs ist, winkt er denen, die ihn überholen fröhlich zu. Zu seinem Porsche 111 hat er ein besonders inniges Verhältnis: „Vor zwei Jahren habe ich ihn selbst restauriert, im originalen Porsche-Rot und mit original Porsche-beigen Felgen“, erzählt er stolz. Der 12 PS starke, 1957 gebaute Traktor sieht in der Tat aus „wie aus dem Laden“. Die Schlepperfreunde waren mit sechs Traktoren aus „Laake“ angereist, darunter auch einem luftgekühlten Zwei-Zylinder-Deutz D 25 und ein John Deere Lanz 710. 7000 Exemplare des 50 PS-Schleppers wurden zwischen 1965 und 1967 gebaut.

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