Fritz Opel hat rund um die Villa in den folgenden Jahren einen eigenwilligen Park mit Beeten, Kieswegen und eingeführten Küstentannen angelegt.
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Fritz Opel hat rund um die Villa in den folgenden Jahren einen eigenwilligen Park mit Beeten, Kieswegen und eingeführten Küstentannen angelegt.

Neu-Anspach

Reste des Jagdhauses sollen abgerissen werden

  • VonOlaf Velte
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Langes Ringen um Opel-Villa im Neu-Anspacher Wald ist wohl beendet. Sie soll bis Jahresende geräumt werden.

Neu-Anspach -Der letzte Akt scheint begonnen zu haben. In der Neu-Anspacher Waldgemarkung soll von der Bildfläche verschwinden, was als Erinnerungsstätte für ein ganzes Jahrhundert lokaler und regionaler, ja deutscher Historie bürgt. Die Reste der Opel'schen Jagdvilla im Weihersgrund (in dieser Zeitung wurde zu Jahresbeginn eine achtteilige Themen-Serie veröffentlicht) werden wohl bis zum 31. Dezember abgeräumt.

"Die Verwaltung des Hochtaunuskreises hat mir eine Abbruchverfügung zugestellt", sagt Gregor von Opel, dem das am oberen Aubach gelegene Grundstück in gemeinsamer Eigentümerschaft mit seinem Bruder Georg gehört. "Sang- und klanglos" sei damit auf seine vor wenigen Monaten vorgelegte Bauvoranfrage reagiert worden. Drei Jahrzehnte des Austausches und Abstimmens enden nun mit einem Missklang.

Die architektonisch vortrefflich gestaltete und 1912 von Jagdpächter Fritz Opel in herrlicher Forstlage errichtete Landhaus-Villa wurde 1939 von dessen Witwe Martha käuflich erworben und ins Opel-Besitztum überführt. Umgeben von einem parkähnlichen Gelände, war das turmbekrönte Bauwerk ein einzigartiger Schauplatz politischer, familiärer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Als Neffe Georg von Opel - Gründer des gleichnamigen und wohlbekannten Zoos - die Erbschaft am Aubach antritt, haben dort amerikanische Militär-Einheiten und deutsche Geheimdienststellen das Sagen.

Anwesen ein Sanierungsfall

Im August 1971 kommt Georg von Opel bei einem Unfall ums Leben. "Als mein Vater starb, waren mein Bruder und ich noch nicht volljährig - der Testamentsvollstrecker durfte aus juristischen Gründen am Jagdhaus nicht investieren." Zu diesem Zeitpunkt ist das einst stattliche Anwesen bereits ein Sanierungsfall. Kein hoffnungsloser, immerhin. Die Söhne übernehmen die Liegenschaft 1988, erhalten aber keine Betriebsgenehmigung mehr für die Wohnstatt. "Das war eine regelrechte Teilenteignung und zugleich das größte der Probleme", so Gregor von Opel im Rückblick.

Weil die Hochtaunus-Behörde am Weihersgrund keine Privatnutzung duldet, sollen die Opel-Erben "etwas für die Allgemeinheit" bewerkstelligen. "Von der Kreisverwaltung wurde dann die Errichtung eines Museums vorgeschlagen." Eine absurde Idee sei das gewesen, kaum zu unterhalten, zu organisieren und auf Dauer zu etablieren. Zudem: "Die Rechtsabteilung des Kreises war von Beginn an gegen jedwede Nutzung."

Zwei Konzepte hat Gregor von Opel zur Jahresmitte vorgelegt, zwei im Vorfeld von Fachleuten geprüfte und auf den sensiblen Standort ausgerichtete Projekte. Mit einem namhaften Kooperationspartner sollte ein Zentrum für Umweltforschung - "Schwerpunkt Klimawandel" - auf den Fundamenten des Jagdhauses realisiert werden. Die Bauvoranfrage dazu sei jedoch ebenso diskussionslos ignoriert worden wie der Entwurf einer versorgungstechnisch autonom angelegten Ausflugsgastronomie.

Weder wissenschaftliche Forschung noch touristische Förderung konnten im Kreishaus anklingen - "stattdessen die sofortige Abrissverfügung mit Androhung eines Strafgeldes in Höhe von 10 000 Euro". Auf Anfrage erteilt die Kreisverwaltung - "im Hinblick auf das noch laufende Verfahren" - keine Auskunft zum Sachstand.

Rüde vom Hof gejagt

"Damit hat man uns rüde vom Hof gejagt", sagt Gregor von Opel, der in der Vergangenheit auch mit drei Bürgermeistern Neu-Anspachs im Austausch war und in der Stadt stets "ein Interesse an der Lösung dieser Schwierigkeiten" vorgefunden hat. Immerhin sei er bereit gewesen, bis zu sechs Millionen Euro auf dem Opel-Grundstück zu investieren. "Nun sehe ich dort keinerlei Möglichkeiten mehr."

"Für die Familie ist das ein wichtiger Platz." Besonders zur Zeit der US-Beschlagnahmungen nach Kriegsende hätten sich die Mitglieder der verzweigten Opel-Sippe im stillen Waldwinkel eingefunden. "Eine denkwürdige Heimstatt der Zuflucht und Geborgenheit." Nicht alleine der Erbe des Jagdhauses sieht das herannahende Verschwinden mit wehmütiger Nachdenklichkeit.

Für Bodo Hechelhammer, oberster Historiker des Bundesnachrichtendienstes und Erforscher der im Taunus durchgeführten Geheimdienst-Gründung, ist die jüngste Entwicklung eine traurige Nachricht: "Das war einmal ein ganz besonderer Ort." Von Olaf Velte

Fritz Opel, Jagdpächter des ausgedehnten Anspacher Reviers, lässt die repräsentative Burg-Villa auf den Fundamenten einer älteren Jagdhütte erbauen.
Von dem 1912 im Weihersgrund errichteten Opel-Jagdhaus steht heute nur noch der Turm. Wegen Baufälligkeit ist ein Betreten verboten.

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