1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Neu-Anspach

Schluss mit der Mär vom blutrünstigen Vampir

Erstellt:

Von: Gerrit Mai

Kommentare

Die Teilnehmer der Bat-Night, der Fledermaus-Nacht, haben ihre Blicke nach oben gerichtet, um Fledermäuse nicht nur per Ultraschall zu hören, sondern auch zu sehen. Petra Gatz, die Fachfrau vom Nabu (vorn), hilft ihnen dabei.
Die Teilnehmer der Bat-Night, der Fledermaus-Nacht, haben ihre Blicke nach oben gerichtet, um Fledermäuse nicht nur per Ultraschall zu hören, sondern auch zu sehen. Petra Gatz, die Fachfrau vom Nabu (vorn), hilft ihnen dabei. © GERRIT MAI

Petra Gatz vom Nabu informiert Besucher der Fledermaus-Nacht im Hessenpark. Rund 20 Arten im Land gezählt.

Neu-Anspach -Der August ist ihr Monat. Da sind Fledermäuse, sobald es dunkel wird, auf Nahrungssuche. Am liebsten in insektenreichem Umfeld, denn davon ernähren sie sich. Da sie gerne in Spalten wohnen - zwischen Hausverputz und Unterbau, in Baumhöhlen oder hinter Rinden - ist der Hessenpark ein idealer Ort, um ihr Treiben zu beobachten, also auch bestens passend für eine sogenannte Bat-Night, also eine Fledermaus-Nacht. Das erläuterte Petra Gatz vom Nabu. Laut Volker Weber, dem für Landwirtschaft zuständigen Mitarbeiter, ist sie die absolute Fachfrau in Hessen, was diese possierlichen, aber für viele beängstigenden Tiere betrifft. "Das liegt an ihren spitzen Eckzähnen", erläuterte Gatz. Da die meisten Arten beim Echoloten, ihrem Orientierungssinn, das Maul öffnen, seien die spitzen Beißer beim Flug gut sichtbar. "Das hat ihnen den Ruf als Vampire eingebracht." Lediglich in Südamerika gebe es einige Blutsauger unter den Fledermäusen. Die bedienten sich aber nur an Tieren und seien nicht viel anders einzustufen als blutsaugende Insekten hierzulande. Außerdem kommen sie nicht nachts angeflogen. "Sie sind gut zu Fuß und nähern sich den Tieren vom Boden aus."

Diesen Mythos hatte sie also schnell ausgeräumt. Aber auch ein anderer, wonach die Flattertiere Menschen angreifen, sei absurd und dadurch entstanden, dass Fledermäuse gerne die gleiche Strecke zurücklegen, sich aber nicht neu rückversichern, dass der Weg frei ist. Der Mensch werde erst kurz dem Zusammentreffen als Hindernis wahrgenommen und nicht allzu weiträumig umflogen.

Petra Gatz berichtete, dass in Hessen je nach Zählart rund 20 Fledermausarten heimisch seien, in ganz Deutschland etwa 25. Das seien sehr viele, und darüber freut sich die Fachfrau. Sie ist beim Nabu ausschließlich für Erforschung und Schutz der gefährdeten und unter strengem Schutz stehenden Tiere zuständig. Auch an ihren Wohnungen darf nur mit Genehmigung etwas verändert werden.

Petra Gatz ist fasziniert von den in vielem einzigartigen Tieren. Die Weibchen lassen sich beispielsweise im Herbst befruchten und gehen so in den Winterschlaf. Erst im Frühjahr, wenn sie die richtige Zeit und den richtigen Platz gefunden haben, entscheiden die Weibchen über ihren Eisprung, also wann sie schwanger werden. "Und das schon seit 50 Millionen Jahren."

Sind die Jungtiere geboren - immer eins pro Mutter und Jahr - finden sich die Weibchen in einer "Wochenstube" zusammen, um sie in den nächsten fünf Wochen groß zu ziehen. "Da hat kein Männchen Zutritt." Die Weibchen suchen Nahrung, um genügend Milch für die Jungen zu haben, denn solange sie in der Wochenstube leben, gebe es keine feste Nahrung für die Jungtiere.

Bevor es am Samstagabend im Hessenpark mit der untergehenden Sonne hinaus ins Freie ging, erläuterte die Fachfrau noch, dass Fledermäuse - bis auf den großen Abendsegler - am Flugbild kaum zu unterscheiden seien. Oft seien nur bei genauer Untersuchung geringfügige Andersartigkeiten etwa im Innenohr zu erkennen. Da die meisten auf ähnlicher Frequenz Echoloten, sei ihr Ruf ebenfalls nur schwer zu unterscheiden. "Erst bei genauer Auswertung können wir feststellen, um welche Tiere es sich handelt."

Im August sei die Zeit, wenn die Jungen das Fliegen und die Orientierung einüben, und wenn sie beginnen, selbst Nahrung zu suchen. Erwachsene Tiere seien dabei, sich Speck für den Winterschlaf anzufressen, den sie in großer Gemeinschaft in dunklen Räumen mit etwa 80 Prozent Luftfeuchtigkeit in alten Stollen oder felsigen Kellern wie dem Marburger Schloss verbringen. Frost vertragen sie nicht. Die Kirchenfledermaus mit einer Spannweite bis zu 41 Zentimetern sei die einzige, die hängend überwintere. Es sei daher kaum möglich, Fledermäuse auf einem normalen Dachboden hängend anzutreffend. "Sie nehmen von November bis März keine Nahrung zu sich."

Insektensterben gefährdet die Art

Petra Ganz machte aber auch deutlich, dass den Fledermäusen das Insektensterben ebenso zu schaffen mache wie auch fehlender Wohnraum. Sie könnten indes dank ihres Super-Immunsystems bis zu 25 Jahre alt werden. Derzeit werde daran geforscht, diese Superkräfte der Fledermaus für Menschen nutzbar zu machen. Was jeder Hausbesitzer tun kann, damit sich Fledermäuse bei ihm wohlfühlen, ist auf der Homepage www.Hessen.Nabu.de zu finden. Von Gerrit Mai

Auch interessant

Kommentare