Schmitten: 21-Jährigem droht Dauerarrest

Schmittener hat Auflagen früherer Prozesse ignoriert

  • vonAndreas Burger
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Das Jugendgericht mag im Fall eines Schmittener 21-Jährigen nicht mehr recht an das Gute im Menschen glauben. Nach vielen Vergehen mit entsprechenden Urteilen, aber wenig Einsicht des Täters, gab's fürs neuste Vergehen nun Auflagen - und im Fall der nicht-Erfüllung Arrest.

Neu-Anspach. In der Regel glauben die Vertreter der Jugendgerichtshilfe noch an das Gute in ihren "Kunden" und verfolgen in Strafprozessen vor dem Jugendgericht meistens eher einen pädagogischen Ansatz - aber eben nur meistens: Ein 21-jähriger Heranwachsender aus Schmitten, der wegen wiederholten Drogenhandels und Drogenbesitzes angeklagt war, wurde jetzt vom zuständigen Jugendgerichtshelfer als "in hohem Maße unzuverlässig" und "pädagogisch nicht erreichbar" beschrieben, er brauche ein "ordentliches Signal", womit der Jugendamtsvertreter in seiner schriftlichen Stellungnahme einen 14-tägigen Dauerarrest meinte.

Liste von Vorfällen ist bereits lang

Eine wohlmeinendere Beschreibung war der Jugendgerichtshilfe angesichts von sieben Einträgen im Bundeszentralregister wohl nicht möglich: Verstoß gegen das Einwanderungsgesetz, Schwarzfahren, unerlaubter Aufenthalt in der Bundesrepublik, Diebstahl geringwertiger Sachen, gefährliche Körperverletzung und unerlaubter Besitz von Drogen - das findet sich alles in den Akten des Mannes.

Der junge Mann war, was er zu Beginn des Prozesses auch gleich zugab, im November 2018 am Bahnhof im südbadischen Kehl "verdachtsbezogen", wie es im Protokoll heißt, in eine Polizeikontrolle geraten. Offenbar völlig zu Recht, denn die Beamten fanden in seiner Bauchtasche 1,75 Gramm Haschisch, das zu besitzen ihm mangels Erlaubnis verboten war.

Auflagen nicht erfüllt

Er hatte deshalb schon einmal vor der Königsteiner Jugendrichterin zu erscheinen, die ihn damals verwarnte, ihm aufgab, zur Suchtberatung zu gehen, Gespräche bei der Jugendgerichtshilfe zu führen und 20 Stunden gemeinnützig im Schmittener Bauhof zu arbeiten.

Da er die Auflagen nicht erfüllte, wurde der Prozess gegen ihn erneut angesetzt. Zwischenzeitlich war aber noch eine weitere Tat dazugekommen.

Ziemlich genau ein Jahr nach der Sache in Kehl wurde er wieder am Bahnhof, diesmal in Frankfurt, mit weit mehr Haschisch angetroffen, als ihm zu besitzen erlaubt war, 11,6 Gramm, szenetypisch in Tütchen zu etwa einem Gramm verpackt. Zweifel, dass er damit Handel treiben wollte? Keine.

Stress-Vergehen wegen Schwangerschaft

Vor der Jugendrichterin gab sich der Schmittener jetzt jedoch geläutert, einsichtig und sehr umgänglich, was möglicherweise damit zu tun hat, dass er plant, seine Freundin zu heiraten.

Es sei ein "Fehler" gewesen, räumte er gegenüber dem Gericht ein, es tue ihm auch leid, dass er die Auflagen nicht erfüllt habe. Das müsse aber daran gelegen haben, dass er wegen der Schwangerschaft seiner Freundin "Stress" gehabt habe. Er habe auch versucht, die Arbeitsstunden abzuleisten, aber irgendwie habe das nicht geklappt.

Für die Richterin war das zwar eine Erklärung, eine Entschuldigung jedoch nicht. Sie verwarnte den Angeklagten wegen Drogenbesitzes und Handel damit zu 50 Arbeitsstunden, die er binnen sechs Monaten abzuleisten hat. Auch muss er in dieser Zeit jeweils drei Termine bei der Jugenddrogen- und Jugendberufsberatung wahrnehmen.

Der Angeklagte hatte den Vorschlag der Jugendgerichtshilfe, ihm einen 14-tägigen Dauerarrest zu verordnen, offenbar noch im Ohr und wirkte bei der Urteilsverkündung verängstigt.

"Kleines Gefängnis", so nannte die Richterin den Jugendknast in Gelnhausen, gebe es jedoch nur, wenn er die neuen Auflagen nicht innerhalb eines halben Jahres erfülle.

Erleichterung auf der Anklagebank: "Ich verspreche es . . !"

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