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Sie möchte Geschichte zum Leben erwecken

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Von: Nina Fachinger

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Auf diesem Areal unterhalb der Weinberge in der Baugruppe Rhein-Main im Hessenpark wird unter anderem ein Fertighaus stehen, das im Stil der 70er Jahre eingerichtet und museal aufbereitet wird. Dies ist eines der anstehenden Großprojekte der neuen Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft im Hessenpark, Dr. Ulrike Sbresny.
Auf diesem Areal unterhalb der Weinberge in der Baugruppe Rhein-Main im Hessenpark wird unter anderem ein Fertighaus stehen, das im Stil der 70er Jahre eingerichtet und museal aufbereitet wird. Dies ist eines der anstehenden Großprojekte der neuen Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft im Hessenpark, Dr. Ulrike Sbresny. © nni

Dr. Ulrike Sbresny ist neue Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft im Hessenpark in Neu-Anspach.

Neu-Anspach -Wöchentlich kommen mehrere Lkw-Transporte mit Sammlungsstücken vor dem Hessenpark an. Sie sind beladen mit Objekten, die im neuen Zentralmagazin gesammelt werden. "Mal sind es große Wagen, da ist ein Lkw schnell voll, mal sind es kleinere Objekte", sagt Dr. Ulrike Sbresny. Sie ist als neue Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft für die Zusammenführung der Sammlungsbestände verantwortlich - über 200 000 Objekte sind das.

Im August 2021 hat die Anfang 40-Jährige ihre neue Stelle angetreten, im Oktober wurde das Zentralmagazin eröffnet. Davor war sie Leiterin des Schlossmuseums Braunschweig (mehr zur Person lesen Sie in der Infobox). Für Sbresny, die mit ihrem Ehemann in der Nähe vom Hoherodskopf lebt, ist das ein "Glücksfall" und ein "toller Einstieg". Mehrere Jahre wird es dauern, das Zentralmagazin zu vervollständigen, in diesem Jahr wird sie und ihr Team die Auflösung des Außenlagers in Lippstadt beschäftigen. Und wie kam es zu dem Umzug von Braunschweig in den Vogelsberg? "Heimweh", sagt Sbresny.

Vergleichbar mit einem Haustier

Wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit ist die Erforschung der eigenen Sammlungsbestände. Zu Sbresnys Team gehören die Fachgruppen Sammlung (vier Mitarbeiterinnen) und Restauration (ein Restaurator) im Fachbereich Wissenschaft und vier wissenschaftliche Mitarbeiterinnen. Sie organisieren die Transporte, nehmen die Objekte entgegen und inventarisieren diese nach. Es gelangen nur Objekte in die Sammlung des Zentralmagazins, nachdem sie in der Stickstoffkammer waren. "Dieses große neue Gebäude bietet die Chance, jeden Schritt richtig zu gehen, die Mitarbeiter sind in dieser Hinsicht sehr gut geschult", lobt Sbrensky. Der Umgang mit den Objekten sei vergleichbar mit dem Besitz eines Haustieres - man müsse sie ständig überwachen und immer ihren Zustand kontrollieren (ein Stichwort ist die Schädlingskontrolle).

Nun liegt der Neustart schon einige Monate zurück, wie ist die erste Bilanz? "Ich wurde ganz toll aufgenommen und hatte eine sehr gute Einarbeitung", sagt Sbresny über ihren neuen Arbeitsplatz. Dass Corona-Pandemie ist habe keinen Unterschied gemacht. "Ich Sommer habe ich viele Spaziergänge gemacht, um Leute, Gelände, die Häuser und ihre Geschichte kennenzulernen. Jetzt finde ich mich gut zurecht und habe einen guten Einblick in die Sammlung bekommen."

Großprojekt Baugruppe Rhein-Main

Ihr Büro ist im Haus aus Hungen am Marktplatz, mal ist sie vor Ort, mal im Home Office. "Ich fahre mit anderen Augen durch die Landschaft", sagt Sbresny. "Sobald man sich mit einem Thema beschäftigt, sieht man mehr. Ich nehme Gebäude und Ortschaften jetzt anders wahr."

Die Baugruppe Rhein-Main sei ein typisches Beispiel, wie sich Architektur verändert habe. Und das ist auch ein gutes Stichwort. Eines der anstehenden Großprojekte ist der Ausbau dieser Baugruppe, die noch wenig bebaut sei, so Sbresny. Mit ihm wird das Freilichtmuseum den Schritt in die 1970er bis 1990er Jahre gehen, eine Zeit, die viele Menschen sehr interessiere, wie sie gemerkt habe. Auf dem dreieckigen Gelände unterhalb des Weinbergs soll in Zukunft unter anderem ein Fertighaus stehen, das im Stil der 70er Jahre eingerichtet und museal aufbereitet wurde. . Noch stehen auf der Wiese nicht aufgebaute Häuser, die werden dann ins Hauslager außerhalb des Museumsgeländes umziehen, sagt Sbresny. "Auch das Hauslager soll perspektivisch geöffnet werden."

Doch der erste Schritt heißt: Die Fläche in der Baugruppe Rhein-Main vorbereiten. Der Förderkreis habe einen passenden Antrag gestartet. "Wir suchen ein Haus, das sehr gut dokumentiert ist und möchten Interviews mit Menschen führen, die dort noch leben", so Sbresny. Man wolle möglichst viel über alle Familienmitglieder, Autos, Hobbys und vieles mehr in Erfahrung zu bringen. Ziel ist es, Geschichte lebendig aufzubereiten und den interessierten Besuchern das Gefühl zu vermitteln, sich mitten im Geschehen zu befinden. Wichtig ist, dass das Objekt noch so originalgetreu wie möglich sei, also zum Beispiel auch das Bad und die Küche aus den 70ern sind. Und die Chancen stünden gut. "Bei jemandem, der mit Mitte 20 eingezogen ist, stehen die Chancen gut, dass er mit Mitte 70 sein Haus aufgibt." Der Ausbau der Baugruppe Rhein-Main sei nicht nur wertvoll und wahnsinnig spannend für die Besucher, sondern auch ein Beispiel dafür, vor welchen Herausforderungen ein Museum für Alltagkultur stehe, "Dinge werden nicht unbedingt aufgehoben". Daher sei der Hessenpark auch immer auf der Suche nach alten Katalogen von Quelle und Neckermann, die wichtige Zeitdokumente sind

Promotion über die Welfensammlung

Dr. Ulrike Sbresny, neue Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach, ist im Lahn-Dill-Kreis aufgewachsen und dort auch zur Schule gegangen. Für das Studium an der Hochschule für Bildende Künste und der Technischen Universität Braunschweig kam der Umzug nach Braunschweig. Sbresny hat Kunstwissenschaft, Medienwissenschaften und Neuere Geschichte in Braunschweig und an der Universität Wien studiert. Sie wurde mit ihrer Arbeit "Sammlungen des Adels. Bedeutung, Kulturgüterschutz und die Entwicklung der Welfensammlung nach 1918" in Braunschweig promoviert.

Nach ihrem Studium war Sbresny zunächst für die Jugendkunstschule "buntich e.V." in Braunschweig tätig, wo sie Ausstellungen und museumspädagogische Projekte konzipierte und umsetzte, teilte der Hessenpark mit. Für die Richard Borek Stiftung war sie anschließend verantwortlich für die stiftungseigene Sammlung mit dem Schwerpunkt auf Kunst und Kulturgeschichte. Inventarisierungsmaßnahmen, die Einrichtung von Ausstellungsräumen und das Kuratieren von Ausstellungen gehörten zu diesem Aufgabenfeld.

Vor ihrer Rückkehr nach Hessen leitete Sbresny mehrere Jahre das Schlossmuseum Braunschweig. Thematisch breit gefächerte Sonderausstellungen von "Schatzkammer Harz" über "Revolution. Abdankung. Schloss." bis zuletzt "Gesellschaft der Freunde junger Kunst" trugen dazu bei, das erst 2011 gegründete Museum in der braunschweigischen Museumslandschaft zu verankern, teilte der Hessenpark mit. Dies gelte auch für die Weiterentwicklung des Vermittlungsangebotes und die Zertifizierung mit dem Museumsgütesiegel des Museumsverbands Niedersachsen und Bremen, heißt es. . Von Nina Fachinger

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