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Sie überlassen nichts dem Zufall

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Von: Frank Saltenberger

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Fertig zum Gang Nr 1: Burrata auf Zitrusfrüchten. Die Männer haben alles selbst gekocht.
Fertig zum Gang Nr 1: Burrata auf Zitrusfrüchten. Die Männer haben alles selbst gekocht. © fms

Männer-Gruppe trifft sich einmal im Monat zum Kochen. Weitere Interessenten willkommen.

Neu-Anspach -"Una notte italiana", allein der Titel des Events hörte sich schon verlockend an. Allerdings weilten die Männer, die sich dieser Nacht hingaben, nicht in lauschigen südlichen Gefilden, sondern in der Küche. Genauer gesagt in der Küche des Seniorentreffs 60plus. Diese wiederum ist zwar sehr ordentlich und gut eingerichtet, aber für 16 kochende Männer, wie ursprünglich geplant war, doch etwas zu klein. Deshalb wurde der Gemeinschaftsraum gleich mit in die Küchenschlacht einbezogen und einzelne Stationen wurden eingerichtet, als ginge es um einen Kochwettbewerb.

Es war aber nicht das erste gemeinsame Kochen, und wer die "Rädelsführer" kennt, der weiß, dass nichts dem Zufall überlassen bleibt, dass akribisch vorgeplant wird, und bevor der erste Topf aufgestellt und die erste Kartoffel geschält wird, steht der Einkauf der Zutaten an. Gemeinschaftlich - versteht sich - ging es in den Rewe-Markt, wo der Einkaufszettel abgearbeitet wurde: 32 nicht zu feste Kartoffeln wurden zum Beispiel gebraucht. Schälen und halbieren stand dazu auf dem Aktionsplan. 32 mal zwei macht 64, geteilt durch 16 Männer macht vier Kartoffel-Hälften pro Mann. Und dann noch acht Kalbsschnitzel und 16 Möhren, da fällt schon ein gewisser mathematischer Proporz auf.

Gearbeitet wird in kleinen Teams

Aber jedes Menü fängt bekanntlich mit der Vorspeise an, und der geht ein Aperitif mit Knabberei voraus: Noci tostate, geröstete Nüsse, mit Peperoni, Knoblauch, Rosmarin und 15 - nicht 16 - Pfefferkörnern.

An den Zubereitungstischen wurde in kleinen Teams gearbeitet, ein Zeitplan führte genau auf, wann etwas und wie lange in den Ofen kam und wann was fertig war oder vorbereitet werden musste. Stress kam so keiner auf, und wenn, dann half ein Schluck oder Griff in die Schale mit den Noci. Bei der zweiten Vorspeise, Burrata su Agrumi, konnte nichts anbrennen: Korianderkörner leicht zerdrückt in Olivenöl nur ein wenig erhitzen und Lavendelblüten zugeben. Beim gefüllten Mozzarella auf Südfrüchten aß auch das Auge mit, denn die filetierten Orangen- und Grapefruitstückchen wurden dekorativ angeordnet und garniert.

Hans, Rolf, Harry, Reiner, Bernd - die Köche hatten Namensschilder für alle Fälle, und ohne dass der Backofen oder die Küchenuhr außer Acht gelassen wurden, griff eine gelassene Stimmung um sich, und darum ging es den Veranstaltern nicht zuletzt. "Kochen soll ja Spaß machen", erklärte Harry Euler und Bernd Reuter ergänzte: "Es sind Männer dabei, die können kochen, andere weniger bis gar nicht, die können etwas lernen." Zum Beispiel von Hans Torchalla, Hobbykoch von Kindesbeinen an. Die Geselligkeit ist wichtig und ein Forum für soziale Kontakte zu sein, ist eine der Grundaufgaben des Seniorentreffs 60plus.

Edle Tropfen zum Verfeinern

Selbstverständlich wurde auch der Tisch vor dem Treffen entsprechend eingedeckt, und da durch das Berufsleben geübte Planer nichts dem Zufall überlassen, wurde der Bereich mit einer großen Plane vor eventuellen Tropfen vom Himmel geschützt.

Edle Tropfen gehörten übrigens zu jedem Gang, zum Ablöschen, zum Verfeinern oder direkt aus dem Glas über die Zunge. Gang Nummer zwei bestand aus Spaghetti con Polpette e Finocchio. Der Hauptgang aus Saltimbocca mit Marsala-Soße. Dazu Ofengemüse - zu den 16 Möhren kamen noch acht Zucchini, 16 Schalotten und 16 Champignons - sowie Insalata mista, angemacht mit Balsamico-Senf-Vinaigrette.

Was zuletzt verzehrt wurde, wurde als erstes zubereitet: Als Nachspeise gab es den italienischen Klassiker Tiramisu, und der musste schließlich vier Stunden im Kühlschrank durchziehen.

Aber der Zeitplan funktionierte, und alle Gerichte gelangen zur vollsten Zufriedenheit der Gourmets aus der 60plus-Generation männlichen Geschlechts.

Diese trifft sich übrigens an jedem vierten Donnerstag im Monat. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann sich im Seniorenzentrum im Untergeschoss des Bürgerhauses direkt informieren. Gewöhnlich sind Männer aus dem Kreis der Köche dort zu den Öffnungszeiten der Einrichtung ansprechbar. VON FRANK SALTENBERGER

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