In der Breitestraße in Anspach reiht sich ein Leerstand an den anderen: Zuletzt hat die Bäckerei Reinke (rotes Schild, Hausnummer 9) wegen Insolvenz geschlossen. Die Geschäftsräume links daneben (Nummer 7) sowie der kleine ehemalige Friseur neben der Volksbank Usinger Land (rechts, Hausnummer 11) stehen schon lange leer.
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In der Breitestraße in Anspach reiht sich ein Leerstand an den anderen: Zuletzt hat die Bäckerei Reinke (rotes Schild, Hausnummer 9) wegen Insolvenz geschlossen. Die Geschäftsräume links daneben (Nummer 7) sowie der kleine ehemalige Friseur neben der Volksbank Usinger Land (rechts, Hausnummer 11) stehen schon lange leer.

Neu-Anspach

Überblick über Leerstände und Neueröffnungen in Neu-Anspach

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Es gibt Sorgenkinder, aber auch Erfolgsmodelle, zeigt die Tour mit Wirtschaftsförderer Oliver Lorenz durch Neu-Anspach.

Neu-Anspach -Neu-Anspach ist von außen nach innen gewachsen, dadurch hat die Stadt mehrere Ortskerne. Neben dem alten Stadtkern und der neuen Mitte zählt Wirtschaftsförderer Oliver Lorenz auch noch das Gewerbegebiet Am Burgflecken mit. "Es gibt also drei Orte, wo sich das Leben abspielt."

Zu wenig Leben spielt sich seit geraumer Zeit in der Breitestraße in Anspach ab. Nach der Schließung von Hellos Modehaus stehen 600 Quadratmeter Ladengeschäft leer. Nicht weniger ernüchternd ist der Blick auf die andere Straßenseite, wo die Bäckerei Reinke wegen Insolvenz schließen musste, sagt Lorenz. Sie wird "umrahmt" vom leerstehenden Friseur rechts, der Teil des Volksbank-Gebäudes ist, und dem ehemaligen Unterwäsche-Geschäft. Dieses war "viele Jahre lang erfolgreich und wurde aus Altersgründen aufgegeben", sagt Lorenz vor Ort. Danach zog noch eine Versicherungs- oder Bank-Filiale ein, blieb aber nur kurz.

In der Usastraße 2 sind zwei ehemalige Ladengeschäfte in Wohnraum umgewandelt worden, etwas, was Lorenz nicht begrüßt. "So verödet der alte Ortskern Stück für Stück, bis man keinen Ortskern mehr hat." Seine Aufgabe sei es, den Ortskern zu erhalten - doch er fragt in Richtung Politik: "Will man es?" Zumindest stehe im Masterplan/Stadtentwicklungskonzept 2040, dass beide Ortskerne erhalten werden müssten. Im Moment liege der Fokus auf der Neuen Mitte.

Lorenz versucht zu vermitteln, doch er braucht auch einen langen Atem: "Einer von 20 Vermittlungsversuchen ist erfolgreich", schätzt er.

Versteckt, aber sehr erfolgreich

Manche Immobilienbesitzer reden mit ihm und sind auch sehr froh über die Hilfe. Andere Inhaber von Geschäftsräumen machen ihr Ding. Lorenz weiß bei Immobilien, zu deren Besitzern er noch nie Kontakt hatte, oftmals nicht einmal, wem das Anwesen gehört. "Zu vielen Eigentümern in der Taunusstraße habe ich fast keinen Kontakt", bedauert der Wirtschaftsförderer.

In der Langgasse sieht die Situation schon wieder anders, also besser aus. "Eigentlich ist das eine schlechte Lage für ein Geschäft, doch als einzige Buchhandlung in Neu-Anspach und dazu noch mit sehr gutem Service ist die Buchhandlung Weddigen sehr erfolgreich", so Lorenz und deutet auf die Querstraße Kirchgasse. Ganz in der Nähe, in der Langgasse, ist noch Evas Bioladen, ebenfalls der einzige seiner Art in Neu-Anspach - und zu "Wörner & Schmitt by Becci" mit der dazugehörigen Postfiliale ("sehr wichtig") oder dem Raumausstatter Bello ist es auch nicht weit. Und auch eine Neueröffnung gibt es in der Langgasse, die Cornbar von Anja Martinez. "Es läuft so gut, dass sie plant, ihren Verkaufsraum noch weiter auszustatten", sagt Lorenz.

Weiter geht es zur Neuen Mitte. Im Feldbergcenter läuft es "geschäftstechnisch" sehr gut, im Erdgeschoss gibt es keinen Leerstand, nur im Obergeschoss ist der Zahnarzt ausgezogen, da wäre also noch was frei. "Das ist keine Lage für Geschäfte, aber ein Hausarzt wäre schön. Die letzte Hausärztin in der Neuen Mitte ist seit über einem Jahr weg, und die Leute vermissen einen Arzt." Denn ältere Mitbürger möchten einen Mediziner gerne wohnortnah aufsuchen. Aber klar ist Lorenz auch, dass es sehr schwer ist, einen Kassenarztsitz zu bekommen, daher könnte er sich auch einen Facharzt vorstellen. "Im ganzen Usinger Land gibt es nur zwei Kinderärzte, Frau Nelles-Schulz in Usingen und Frau Schlichting in Wehrheim."

Auf der anderen Straßenseite, in der Konrad-Adenauer-Straße, geht es mit Bücherei, Taunus-Apotheke, Friseur und dem Café geschäftig zu. Neu dabei ist die Genussdiele, ein Unverpackt-Laden mit dazugehörigen Café von Christina Gosejacob und Christina Pfütze. "Es läuft gut, wir hätten nur gerne mehr Platz", sagt Gosejacob.

Eis stand zu Beginn gar nicht auf der Agenda der beiden Frauen, aber wegen der Vorgeschichte des Ladens war schnell klar: "Hier muss man Eis machen, sonst nehmen uns die Anspacher das übel", so Gosejacob. Die Bensheimer Eis-Manufaktur Coccola stellt das Eis her, das in Neu-Anspach verkauft wird. Mittags gibt es Suppen und selbst gemachte "Bubble-, Pizza- und Kartoffel-Waffeln".

Auch Monika und Markus Lang haben sich mit der Eröffnung des 4D-Bogenschießkinos im Gewerbegebiet Am Burgweg zwischen Westerfeld und Hausen einen langgehegten Traum erfüllt. In Usingen bietet das Ehepaar unter "Bogen Event" seit 2017 hauptsächlich Kurse und Events im Parcour des Usinger Schützenvereins an. Seit Anfang August haben sie nun ihr eigenes 4D-Bogenschieß-Kino. Zwei bis drei Jahre hat das Ehepaar gesucht, die Gebäude waren immer zu klein, zu groß, zu verwinkelt oder man wurde sich nicht einig. "Ich brauchte einen mindestens zehn Meter langen Raum, um die Sicherheit zu gewährleisten. Den haben wir hier gefunden", so Lang. Egal, ob Kindergeburtstag oder Junggesellenabschied, alles geht. Demnächst findet ein Firmen-Event statt, die Bandbreite der Kunden ist also groß. Auch Verkauf und Verleih sind in den neuen Räumen.

"Diese Immobilie stand sehr sehr lange leer. Frau Lang passt wie die Faust aufs Auge", freut sich auch Lorenz und nimmt einen Stapel Flyer von der Chefin des Bogenschieß-Kinos, Monika Lang, entgegen - die kommen ins Rathaus.

Gebäude steht schon lange leer

In der Rudolf-Diesel-Straße, ganz in der Nähe des Bogenschieß-Kinos, gibt es ein "Filetstück" für Gewerbe, das aber seit zehn Jahren leer steht, sagt Lorenz. Das sei total unbefriedigend. Erfreulich sei aber, dass im Gewerbegebiet Im Feldchen, Siemensstraße 21 bis 23, ein Gebäude erfolgreich vermittelt werden konnte, berichtet Lorenz. Bisher gebe es zwar nur Zusagen für die untere Etage, aber möglicherweise würden auch die Büros im oberen Stockwerk noch vermittelt. "Da sind wir noch dran", so Lorenz. Wer einzieht, ist jedoch noch geheim, so Lorenz. Da will er den politischen Gremien der Stadt nicht vorgreifen.

Von Nina Fachinger

Das 4D-Bogenschießkino von Monika Lang in der Robert-Bosch-Straße 12 hat erst vor wenigen Wochen eröffnet - und die Inhaberin ist mit der bisherigen Resonanz zufrieden.
Christina Gosejacob ist eine der beiden Inhaberinnen der Genussdiele in der Konrad-Adenauer-Straße 8. Die Mischung aus Unverpacktladen und Café mit Bioeis-Verkauf kommt bei den Kunden gut an.

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