Die Kirche aus Ederbringhausen im Hessenpark ist jetzt auch mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen gut zu erreichen.
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Die Kirche aus Ederbringhausen im Hessenpark ist jetzt auch mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen gut zu erreichen.

Hessenpark Neu-Anspach überwindet viele Barrieren

Weniger Hürden für Rollstuhlfahrer

  • Nina Fachinger
    vonNina Fachinger
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Kirche für Behinderte zugänglich - Neue Angebote in leichter Sprache

Viele Häuser im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach sind nicht nur klein und verwinkelt, sondern oftmals auch nur über eine Treppe zu erreichen. Die Kirche aus Ederbringhausen aus dem Jahr 1801 in der Baugruppe Nordhessen etwa steht auf einem Podest, dass historisch nicht vorhanden war.

Sie war dadurch bisher nur über eine Treppe zu erreichen. Doch seit dem vergangenen Jahr ist die Kirche barrierefrei. "Sie ist ein Beispiel für eine stattliche Gebäude-Zahl, die wir barrierefrei gemacht haben", so Museumsleiter Jens Scheller bei der Jahrespressekonferenz im März. Die Synagoge aus Groß-Umstadt, die die Dauerausstellung "Sie waren hier. Jüdisches Landleben im südlichen Hessen" beherbergt, ist seit 2017 barrierefrei zugänglich. Und auch die Dauerausstellung "Waldglashütten im Taunus" in der Stallscheune aus Anspach, eines der größten Objekte in der Baugruppe Rhein-Main. Das Sägewerk Störkel (Baugruppe Werkstätten) können Besucher über einen ebenerdigen Eingang betreten, der größte Teil des Gebäudes ist ebenfalls ebenerdig.

Viele Angebote in "Nordhessen"

"Wir bemühen uns seit einigen Jahren, unser Gelände und neue Ausstellungen barrierearm zu gestalten. Die Übergänge im Gewächshaus sind so gehalten, dass sie mit einem Rollstuhl gut befahrbar sind. Die Stallscheune aus Asterode, unser größtes Ausstellungsgebäude, ist barrierefrei. Auch die Ausstellung in der Synagoge aus Groß-Umstadt ist so gestaltet, dass die Tafeln, Schubladen und Objekte auch im Sitzen gut einsehbar sind. Das gilt auch für unsere Übersichtstafeln im Gelände, die größtenteils als Pulttafeln gestaltet sind", so Museumssprecherin Pia Preuß. Und weiter: "Sicher wird es auch in diesem Jahr neue Entwicklungen im Zuge unserer Initiative für mehr Barrierefreiheit im Hessenpark geben. Momentan ist davon aber noch nichts spruchreif."

Die Stallscheune aus Asterode mit drei Etagen steht in der Baugruppe Nordhessen, wo es besonders viele barrierearme Gebäude gibt, wie ein Blick auf die Internetseite des Hessenparks verrät: Der Synagogenraum der Synagoge aus Nentershausen ist barrierefrei, die Dreschhalle ist ebenfalls barrierefrei zugänglich, und auf der Gebäuderückseite der Martinsklause gibt es behindertengerechte Toiletten (der Gastraum ist allerdings nur über eine Treppe zu erreichen). Das Ausstellungsgebäude der Stallscheune aus Asterode besitzt einen Aufzug, so dass alle Stockwerke der Stallscheune zugänglich sind. Im ersten Stock gibt es eine behindertengerechte Toilette. Bei der Ausstellungsarchitektur habe man darauf geachtet, dass alle Objekte gut zugänglich und die Wege zwischen den Installationen breit genug für Rollstühle und Kinderwagen sind.

Lediglich vom Ausflug zur Baugruppe Osthessen rät der Hessenpark ab: "Diese Baugruppe liegt weit vom Eingang entfernt und ist nur über unbefestigte Wege zu erreichen. Die wenigen hier stehenden Gebäude sind nicht barrierefrei."

Doch wenige Barrieren sind das eine, auch Menschen mit geistigen Behinderungen brauchen eine besondere Anleitung. Auf diese Besuchergruppe geht der Hessenpark mit sogenannten Blätterbüchern, eine Art Bilderbuch ein. "Sie zeigen die Inneneinrichtung der Häuser als Ganzes sowie spannende Details. Zunächst sind fünf Bände vorgesehen für unsere eingerichteten Gebäude aus Eisemroth, Frankenbach, Breitenbach und Fellingshausen in der Baugruppe Mittelhessen sowie das Altenteilerhaus aus Sieblos in der Baugruppe Osthessen", sagt Pia Preuß. Die Bücher seien zum Teil schon fertig produziert. Aufgestellt werden können sie aber aufgrund der Pandemie derzeit noch nicht.

Blätterbücher sind zweisprachig

Die Texte wurden von Museumsmitarbeitern verfasst. In leichte Sprache übersetzt wurden Sie von Gisela Moser (deutsch) und Hannah Sapunor-Davis (englisch). Beide seien ausgewiesene Expertinnen in Sachen leichte Sprache. Zusätzlich wurde der deutsche Text noch von einer Prüfgruppe begutachtet, so Preuß. "Das Angebot richtet sich an Besucher, die leichte Sprache bevorzugen. Hier gibt es Bedarf, das hat uns unter anderem unsere Zusammenarbeit mit dem IB gezeigt (Außenwohngruppe des Internationalen Bunds in Usingen im Jahr 2018; Anm. d. Red.). Zusätzlich zur leichten Sprache stellen wir die Texte auch in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Es können also auch Besucher darauf zurückgreifen, die keine leichte Sprache benötigen, die Häuser aber aufgrund eines körperlichen Handicaps nicht von Innen besichtigen können."

Was "leichte Sprache" heißt, wird am Beispiel des Blätterbuchs für das Haus aus Frankenbach deutlich. Neben einem Bild, das die offene Eingangstür zeigt, steht da: "Die Eingangstür hat zwei Teile. Oft haben die Menschen nur den oberen Teil geöffnet. So kamen Licht und frische Luft nach innen. Aber Tiere blieben draußen." Im dritten Kapitel heißt es wiederum: "Die zweigeteilte Tür hielt Tiere draußen und ließ Licht und Luft hinein. Sie führte direkt in den Ern, einen Raum, der zugleich Flur und Küche war."

Besuch planen

Weitere Informationen zum barrierefreien Besuch des Freilichtmuseums gibt es im Internet unter www.hessenpark.de/besuch/hessenpark-barrierefrei. Grundsätzlich gilt, dass Rollstuhlfahrer das zum Teil hügelige Museumsgelände am besten befahren können, wenn eine Begleitperson beim Bewältigen der Steigung hilft. Im Gelände sind zahlreiche Bänke, Rastplätze und Behindertentoiletten vorhanden. Behindertengerechte Toiletten sind im Museumsplan eingezeichnet.

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