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Wie Spazierengehen mit Ziel

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Von: Anja Petter

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Christina Pfütze (rechts) und Inge Fischer (Vierte von rechts) haben das Café Schnaufpause gegründet und freuen sich genauso wie die anderen Frauen, dass nach der Corona-Pause nun wieder regelmäßige Treffen stattfinden können.
Christina Pfütze (rechts) und Inge Fischer (Vierte von rechts) haben das Café Schnaufpause gegründet und freuen sich genauso wie die anderen Frauen, dass nach der Corona-Pause nun wieder regelmäßige Treffen stattfinden können. © pet

Im Café Schnaufpause können sich Mütter austauschen und gegenseitig unterstützen. Nach zweieinhalb Jahren Pandemie geht’s nun endlich wieder los.

Neu-Anspach -Wer kennt das nicht? Man sitzt in einer größeren Runde zusammen und plötzlich herrscht peinliche Stille, weil die Themen ausgegangen sind. Den sieben Frauen, die an diesem Montagmorgen ins Café Schnaufpause gekommen sind, ist dieses Problem unbekannt. Sie haben alle kleine Kinder und genug, worüber sie sich mit anderen Müttern aussprechen möchten.

„Ein Gesprächsthema zu finden, ist hier wirklich kein Problem“, sagt Christina Pfütze und lacht. Sie ist eine der beiden Organisatorinnen des seit 2017 unter dem Dach der Katholischen Familienbildungsstätte Taunus (FBS) stattfindenden Treffs, der wegen der Pandemie mehr als zweieinhalb Jahre pausiert hat und nun zum ersten Mal wieder stattfindet.

Stillen, schlafen, essen

Pfütze ist selbst Mutter von vier Kindern, und ihre Jüngste ist die 15 Monate alte Ida. Diese sitzt, wenn sie nicht gerade mit den anderen Kleinkindern auf dem Teppich herumkrabbelt oder mit Holzklötzchen spielt, auf ihrem Schoß. „Es geht immer um die Kinder und die drei wichtigsten Themen Stillen, Schlafen, Essen“, erzählt die 40-Jährige.

Und tatsächlich. Wer den Müttern lauscht, bekommt mit, dass sie sich über Kinderärzte austauschen, über den richtigen Kindergartenplatz oder auch mal um ein gesundheitliches Problem. Pfütze: „Es wird sehr ehrlich gesprochen, und natürlich geht es auch mal um die Männer.“

Schließlich befinden sich die Frauen hier alle in der gleichen Situation, und so profitieren sie auch voneinander, denn einige von ihnen haben schon ältere Kinder und können auch mal einen Tipp geben. Dazu gehört Sibylle Maaß. Sie ist mit der drei Monate alten Amelie gekommen und froh, dass die Corona-Pause nun endlich beendet ist. Sie findet es toll, dass die Kinder hier laut sein können und dass sie immer jemanden zum Quatschen findet. „Hier lernt man viele Frauen kennen und trifft sie später wieder, etwa im Kindergarten“, sagt sie. Sie habe keine Lust, fünf Tage in der Woche alleine zu Hause zu sitzen. „Da ist das Café ein guter Anlaufpunkt.“

Als „Spazierengehen mit Ziel“ beschreibt Pfütze den Treff, und da kann ihr Tamara Dekert nur zustimmen. Die Mutter der 13 Wochen alten Clara lebt mit ihrem Mann in Westerfeld und trifft, wenn sie mit dem Kinderwagen unterwegs ist, kaum jemanden. Und wenn, dann kommen keine Gespräche zustande, berichtet sie und ist froh, dass an diesem Morgen Aisha Ali Hamza neben ihr sitzt, mit der sie plaudert. Diese ist, wie Maaß, „Wiederholungstäterin“, und will wie alle anderen nicht nur mit ihrem Sohn Raschid Leon zu Hause sitzen, putzen und aufräumen. „Ich möchte andere Frauen kennenlernen.“

Oft ist es anstrengend

Inge Fischer, die mit Pfütze das Café Schnaufpause ins Leben gerufen hat und die Treffen mit ihr vorbereitet, weiß auch, wie wichtig vielen Müttern die wöchentliche Zusammenkunft ist. „Wer regelmäßig kommt, öffnet sich, und so kann auch mal ein intimeres Gespräch entstehen“, sagt die 56-Jährige, die für die FBS auch drei Eltern-Kind-Gruppen (Lesen Sie dazu auch den weiteren Text) betreut. „Und manchmal fließen auch Tränen.“ Denn wer kleine Kinder hat, weiß, dass es nicht immer nur schön, sondern oft auch ziemlich anstrengend ist.

Und so geben Fischer und Pfütze gerne Tipps. Beiden ist wichtig, dass es ganz ungezwungen zugeht und dass sich niemand verpflichtet fühlt, jeden Montag zu erscheinen. Und, ganz wichtig: Willkommen sind alle Nationalitäten, alle Religionen und - auch wenn es beim jüngsten Termin nicht so war - auch Männer.

Die von der FBS und der Karl-Kübel-Stiftung finanzierten Treffen beginnen übrigens immer mit einer Begrüßungsrunde und einem Lied. Dann wird gefrühstückt: Brötchen, Kaffee, Tee und Säfte, Obst und Rohkost sowie verschiedene Aufstriche stehen bereit. Auch Nutella gibt es, aber das ist nicht für die Kleinen. Pfütze lacht: „Das steht hier für die stillenden Mamas.“ Von Anja Petter

Wichtige Informationen

Das Café Schnaufpause findet jeden Montag von 9.30 bis 11.30 Uhr im Saal des katholischen Gemeindezentrums Sankt Marien, Hans-Böckler-Straße, statt. Anmeldungen sind willkommen bei der FBS unter (0 61 92) 29 03 13, Fragen beantwortet Christina Pfütze unter (01 77) 3 43 70 65.

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