Fachwerkexpertin Heike Notz notiert, welche Schäden an den Denkmälern vorliegen.
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Fachwerkexpertin Heike Notz notiert, welche Schäden an den Denkmälern vorliegen.

Neu-Anspach

Wissen aus dem Hessenpark im Ahrtal gefragt

  • Andreas Burger
    VonAndreas Burger
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Heike Notz hilft bei Aufnahme der Schäden an denkmalgeschützten Gebäuden.

Neu-Anspach -Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat in ganz Deutschland für großes Entsetzen gesorgt. Zehntausende Helfer aus der ganzen Republik kamen über Wochen und Monate zusammen, um das Aufräumen und den Wiederaufbau zu unterstützen. Mit dabei war Heike Notz aus der Stabsstelle Bauwesen des Freilichtmuseums Hessenpark.

Einige Wochen waren nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz vergangen, als bei Notz eine Anfrage eintraf. Die Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz bat sie darum, als Expertin vor Ort die Erfassung der Schäden an Denkmälern zu unterstützen. "Für mich war es selbstverständlich, dass ich positive Rückmeldung gebe und mich mit meinen Kompetenzen den Gutachtern im betroffenen Gebiet anschließe", erzählt Notz. Auf die Zusage hin luden die Generaldirektion Rheinland-Pfalz und die Untere Denkmalbehörde (UDB) des Kreises Ahrweiler Notz zu Einsätzen im Ahrtal ein.

Aus ganz Südwestdeutschland folgten Experten der Bitte. Bei der Morgenbesprechung wurden jedem Team fünf bis acht Denkmäler zugewiesen. Die Aufgabe der Zweier- oder Dreier-Teams bestand dann darin, die zugeteilten Denkmäler zu begutachten und zu dokumentieren. Am Nachmittag wurde in einer Besprechung mit der UDB und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz auf die Denkmäler hingewiesen, die sofortigen Handlungsbedarf aufwiesen. "Die meisten waren Häuser. Aber auch Gedenksteine, Kreuze und Brücken wurden auf Schäden untersucht", so Notz.

Gemeinsame Expertise

Grundlage hierfür war eine Begehungscheckliste, mit deren Hilfe die wichtigsten Schäden aufgenommen wurden. War Originalsubstanz akut gefährdet? Wie hoch stand das Wasser am und im Haus? Welche Materialien liegen vor und welche Bauteile sind wie stark beschädigt worden? Welche Art von Handwerk und welche Planer werden benötigt, um die Häuser unter denkmalpflegerischem Anspruch wieder zu sanieren? Mit gemeinsamer Expertise erarbeiteten Notz und ihre Kollegen Stück für Stück, wie stark die Denkmäler vom Hochwasser betroffen sind.

"Insgesamt war die Bandbreite an Schäden sehr groß", berichtet Notz. "Von leichten Wasserschäden an der Fassade bis zu komplett vom Wasser abgetragenen Gebäudeteilen war alles dabei." Neben der genauen Protokollierung für die zuständigen Ämter ging es für die Teams auch darum, den Bewohnern mit baulichem Rat und Tipps zu finanziellen Hilfsmöglichkeiten aus Fördertöpfen zur Seite zu stehen.

Am Ende ihrer Einsätze ging es für die Hessenpark-Mitarbeiterin wieder zum gemeinsamen Treffpunkt, um die Befunde und das weitere Vorgehen zu besprechen. "Eine der wichtigsten Fragen für uns war, ob die Erhaltung der Bausubstanz möglich ist", so Notz. Dies wurde beispielsweise bei der Apollinaris-Brücke in Heppingen diskutiert, die von ihrem Team begutachtet wurde. Von der Brücke war nur noch einer von vier Bögen vorhanden.

Bei ihrem zweiten Besuch im Ahrtal drei Wochen später war Notz erfreut darüber, wie schnell die Arbeiten in der Zwischenzeit vorangeschritten waren. Straßen waren geebnet, der Bahnhof Heimersheim wieder so weit freigeräumt, dass bald wieder Schienen gelegt werden und Züge fahren können.

Schwere Schicksale

Trotz der schweren Schicksale, mit denen sie vor Ort in Berührung kam, gab ihr der Wille der Menschen, gemeinsam anzupacken und die Region wiederaufzubauen, Hoffnung für das Ahrtal. Und auch aus denkmalpflegerischer Sicht fanden sich interessante Einblicke. Notz ist Expertin für den Strohlehmbehang, den man heutzutage nur noch ganz selten findet. Im Freilichtmuseum Hessenpark wird er an zwei Gebäuden gezeigt. Im Ahrtal durfte sie ein Haus mit solch einer Außenverkleidung - obwohl "erst" 25 Jahre alt - begutachten.

Nach den beiden Tagen im Ahrtal ist Heike Notz froh, dem Ruf der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz gefolgt zu sein: "Einerseits konnte ich einen Beitrag zur Erhaltung der Denkmäler im betroffenen Gebiet leisten. Andererseits habe ich Erfahrungen gesammelt, die mich menschlich und fachlich noch lange begleiten werden." Von Andreas Burger

Von der 1897 erbauten Apollinaris-Brücke blieb nach dem Hochwasser nur noch ein einziger Bogen stehen.

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