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Würdige Feierstunde für aufrechten Demokraten

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Von: Frank Saltenberger

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Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Stadtverordnetenvorsteher Holger Bellino (rechts) und Bürgermeister Thomas Pauli enthüllten die Tafel zum Gedenken an Walter Lübcke.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Stadtverordnetenvorsteher Holger Bellino (rechts) und Bürgermeister Thomas Pauli enthüllten die Tafel zum Gedenken an Walter Lübcke. © fms

Vier ehemalige ARS-Schüler halten die Erinnerung an den Kämpfer gegen Rassismus aufrecht

Neu-Anspach. Dr. Walter Lübcke, der Name des im Juni 2019 hinterhältig ermordeten Regierungspräsidenten, wird fest in der Stadt Neu-Anspach verankert sein. Ein gewöhnliches Straßenschild war bereits vorhanden, jetzt kam noch eine Gedenktafel hinzu, die am Bürgerhaus die Passanten an den Politiker erinnert, der für seine Überzeugung und humane Werte sterben musste.

„Die Familie war eingeladen, sie bedankt sich für die Initiative und Anteilnahme“, sagte der Stadtverordnetenvorsteher Holger Bellino, der als Landtagsabgeordneter Lübcke, der einige Jahre zeitgleich mit ihm hessischer Landtagsabgeordnete war, persönlich gut kannte und mit der Familie Kontakt hält.

Festlicher Rahmen

Es war die Idee von vier ehemaligen Schülern der Adolf-Reichwein-Schule, Clara Kasielke, Jonas Winkler, Lena Katernberg und Jannis Gasser, den bis dato namenlosen Platz zwischen Feldbergcenter, katholischer Kirche und dem Bürgerhaus nach dem Opfer rechtsextremer Gewalt zu benennen, was die Neu-Anspacher Politik geschlossen aufgriff und umsetzte.

Bellino begrüßte zahlreiche Gäste aus der Kommunalpolitik, Vertreter der Kirchen, der Schule und Bürger der Stadt sowie die Präsidentin des Hessischen Landtags, Astrid Wallmann. In das Foyer des Bürgerhauses war die Zeremonie wegen des Regens verlegt wurde. Das Pfaffenwiesbacher Bläserensemble verlieh ihr einen festlichen Rahmen.

Bellino erinnerte unter anderem an die unglücklichen Umstände mit den schrecklichen Folgen für Lübcke. Er sei schon im Pensionsalter gewesen und vom Ministerpräsidenten ausdrücklich gebeten worden, seine Amtszeit zu verlängern. Lübcke sei dafür eingetreten, dass das, was mit gutem Recht im Grundgesetz steht, nicht nur für Deutsche gilt. Für seine Position, die Lübcke in der Flüchtlingskrise 2015 und danach einnahm sei kritisiert und schließlich ermordet worden, fuhr Bellino fort:

„Deutschland war nach dem Krieg auf dem Boden, ist aber heute weltweit angesehen, nicht zuletzt wegen seiner stabilen und verlässlichen Politik“. Es bedürfe klarer Zeichen gegen Extremismus und heute vor allem gegen Rechtsextremismus: „Es ist Platz für vieles in unserer Gesellschaft, aber es ist kein Platz für Gewalt“, so Bellino deutlich, der in diesem Zusammenhang auch an die Vorfälle in Hanau und Halle sowie an die NSU-Morde erinnerte.

Entsprechend äußerte sich auch Bürgermeister Thomas Pauli und geißelte den Hass im Internet, der schon an den Stammtischen beginne. Lübcke habe entgegengewirkt: „Es ist Aufgabe der Demokratie sein Vermächtnis zu ehren und seinem Beispiel folgen“.

„Er wurde ermordet, weil er zu seinen Werten stand. Sein Schicksal hat die Nation bewegt“, so Landtagspräsidentin Wallmann. Seit 2000 sei mit seinem Wirken der Walter--Lübcke-Demokratie-Preis verbunden, es sei beeindruckend, dass jetzt in Neu-Anspach auf die Initiative von vier jungen Menschen ein weiterer Baustein des Gedenkens dazukomme, sagte sie mit Dank an die Jugendlichen, was mit viel Applaus der Gäste unterstrichen wurde.

Der Gedanke an die schreckliche Tat gehe einem immer noch unter die Haut, ergriff der Stadtverordnetenvorsteher, zuletzt noch einmal das Wort. Vor wenigen Wochen sei erst das Revisionsurteil gesprochen worden und das Urteil gegen den Täter damit rechtskräftig, doch es sei belastend für die Familie, dass die letzten Sekunden seines Lebens nicht vollständig hätten aufgeklärt werden können.

Während der Reden hatte es aufgehört zu regnen, so dass sich alle nach draußen begaben. Nur ein paar Schritte vom Haupteingang entfernt wurde an einem vom Hauptgebäude abgerückten Bauteil eine repräsentative Stelle gefunden, wo die Tafel schon angebracht, aber noch mit einem Tuch verhüllt war. Nach kurzem Innehalten wurde es entfernt und damit die offizielle Umbenennung des Platzes in „Walter-Lübcke-Platz“ abgeschlossen.

„Heimat, Respekt und Toleranz waren Werte, für die er sich konsequent eingesetzt hat“, heißt es dort in einer herausragenden Zeile.

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