Rotoren drehen sich noch

Vor zwei Jahren wurde der Windpark abgeschmettert

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Es ist fast auf den Tag genau zwei Jahre her, dass in Neu-Anspach durch ein Vertreterbegehren der Bau eines Windparks verhindert wurde. Die Zügel für die ganze Abstimmung hatte die b-now in der Hand. Und die zieht nun ein Resümee.

Zwei Jahre ist es her, da stand in Neu-Anspach die Entscheidung an, ob der im Naturpark geplante Windpark, im Wald auf den Taunuskamm, gebaut werden soll oder nicht. Ein Vertreterbegehren sollte die Entscheidung bringen. Eigentlich hatte eine Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren geplant, das jedoch aus formal-juristischen Gründen nicht zum Zug kam. Also beschloss die Neu-Anspacher Politik, das vor zwei Jahren noch neue Verfahren eines Vertreterbegehrens anzustoßen – die Politik brachte die Abstimmung auf den Weg.

Nach einem sehr emotional geführten „Wahlkampf“ war es am 18. September so weit. Bei einer sehr hohen Wahlbeteiligung von 55 Prozent stimmten die Bürger Neu-Anspachs mit 62 Prozent der gültigen Stimmen für die Kündigung des kritisierten Gestattungsvertrag mit der Firma Juwi. Diese hatte damals den Vertrag mit der Stadt unterschrieben und wollte bauen.

Und der Sprecher der b-now betonte: „Das erste politische Ziel der b-now wurde erreicht.“ Bernd Töpperwien weiter: „Wie sich seitdem immer deutlicher zeigt, war diese Entscheidung richtig. Die Windparks im Umfeld machen den Betreibern nicht wirklich Freude. Die Natur, die durch Windkraft geschützt werden sollte, ist dort nachhaltig zerstört, und weder Stromerträge noch Renditen erfüllen die Prognosen und Erwartungen.“

Die Initiative stellt und beantwortet die Frage: „Wo ist die versprochene CO2-Reduzierung? Das große Ziel, CO2 einzusparen, wird seit 2008 krachend verfehlt. Sehr bedenklich, denn mit dem geforderten schnellen Kohleausstieg und dem beschlossenen Atomausstieg steigt nun die Gefahr von flächendeckenden Stromausfällen rapide“, meint Töpperwien.

Koste die Energiewende pro Monat wirklich nur so viel wie eine Kugel Eis (Jürgen Trittin, Grüne)? „Nein, ein Vielfaches! Man zahle doppelt so viel für Strom wie die Bürger in Frankreich oder in anderen Europäischen Ländern. Die Folgekosten für Noteingriffe zur Netzstabilisierung seien explodiert, in 2017 habe dies 1,4 Milliarden Euro gekostet.

Der geplante Trassenausbau werde die Strompreise weiter drastisch steigen lassen, ohne dass er die Situation verbessere, wie vielfältige Studien und Berechnungen zeigten.

„Leider sind diese und viele weitere Erkenntnisse bei vielen Politikern in Hessen noch nicht angekommen – Verkabelungskosten für E-Mobilität beispielsweise oder Standby-Kosten für Reservekraftwerke. 98 Prozent der regenerativen Kapazitäten benötigen eine konventionelle Reserve, um die Versorgung bei Nacht und Windstille abzusichern.“ Gehe es nach dem Grünen Al-Wazir, sollte man bis 2050 den gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken.

Nach dieser fragwürdigen Rechnung werde das „nur“ eine Verdopplung der Windkraftanlagen von derzeit 1000 auf 2000 in Hessen bedeuten. „Realistisch betrachtet, müssten dafür aber eher 3000 bis 4000 zusätzliche Windkraftanlagen in Hessen entstehen – ein Horrorszenario. Nicht zu vergessen, die heute noch nicht verfügbaren technischen Lösungen für Stromspeicher, die ja auch irgendwo gebaut werden müssen und weitere Milliarden verschlingen.“

Es bleibe also nach wie vor eine wichtige Aufgabe engagierter Bürger, diesen unausgereiften Wahnsinn auch zukünftig im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zu verhindern. So wie es aktuell die Feldberginitiative tue, in dem sie gegen den Windpark am Kuhbett (Bad Camberg) klage – oder auch der Regionalverband Taunus, Windkraft mit Vernunft, der gegen den Windpark Siegfriedeiche (Grävenwiesbach) Klage erhebe.

Topperwien abschließend: „Die Hoffnung, dass nach der Landtagswahl ein Umdenken stattfindet, stirbt bekanntlich zuletzt. Wir hoffen jedoch, dass eine zukünftige Regierungskoalition technisch-sachlichen Argumenten gegenüber offen und bereit ist, Fehler zügig zu korrigieren. Ziel bleibt eine Energiewende mit Vernunft.“

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