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Neubaugebiet um jeden Preis?

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Zum geplanten Neubaugebiet Am Weiher in Merz

Die Diskussionen um das geplante Neubaugebiet in Merzhausen, Am Weiher 2, reißen nicht ab. Und das ist gut so! Es zeigt, dass es Bürger gibt, die mitdenken. Geht es hier um Wohnraum, der dringend benötigt wird? Oder freuen sich kapitalstarke Investoren, hier wieder eine Möglichkeit zu bekommen, ihr auf dem Finanzmarkt schlecht verzinstes Geld anzulegen? Die Frage mag erlaubt sein.

Betrachtet man die Vorgehensweise der Stadt Usingen, wie zuletzt der Grundstücksverkauf des unbebauten Grundstücks Am Weiher 1, kommen weitere Fragen auf. Dort wurde speziell hierfür der Bebauungsplan geändert, um eine möglichst profitable Ausnutzung für einen Investor aus Mainz zu schaffen. Nicht nur die Grundflächenzahl (diese Zahl gibt an, wie viel Prozent des Grundstücks ein Bauherr mit einem Gebäude bebaut werden kann, Anm.d.Red.), sondern auch die Geschossbebauung würde erhöht, das Ergebnis ist nicht zu übersehen: Ein Prachtbau in Form eines Doppelhauses mit drei Geschossen, und das in einer Straße, in der bisher nur Einfamilienhäuser standen, deren Besitzern in der Vergangenheit sogar der Bau einer Dachgaube verwehrt wurde. Das ist nur ein Beispiel für eine möglichst hohe Ausnutzung der Bebauung ohne Rücksicht auf vorhandenen und gewachsenen Bestand.

Dass sich für dieses Grundstück kein Merzhäuser Käufer der nachfolgenden Generation fand, ist auch bedenklich. Aber kein Einzelfall, so zeigen es die Besitzerwechsel der letzten 20 und mehr verkauften Häuser an Nicht-Merzhäuser.

Dass es hier inzwischen einen sehr hohen Anteil von durch Senioren bewohnten Eigenheimen gibt, steht außer Frage. Dass diese Eigenheime zum Teil 150 Quadratmeter und mehr an Wohnfläche vorweisen, diese teils von Einzelpersonen mit einem Alter von über 70, 80, sogar teils 90 Jahren bewohnt werden, deren Nachkommen zum größten Teil aus Merzhausen fortgezogen sind, ist uns wohlbekannt. Der Stadt auch? Wohl nicht, die letzten demoskopischen Zahlen sind bereits über zehn Jahre alt, und ein vernünftiges Monitoring der Stadt wurde auch nicht durchgeführt.

Dies betrifft nicht nur die Eigenheime, die dem Markt in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen, sondern gleichzeitig die bereits bestehenden erschlossenen unbebauten Grundstücke und Baulücken in städtischer und privater Hand. Auch noch nicht erwähnt sind die bereits leerstehenden Häuser hier im Ort. Bevor hier ein wertvolles Biotop und bestehendes Naherholungsgebiet einem Neubaugebiet zum Opfer fällt, sollte die Stadt den Vorgaben der Bundesregierung nachkommen, und die Innenverdichtung als erstes abschließen.

Wenn dann alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, und das sind sie bisher nicht, wäre es viel sinnvoller, den Bedarf zu ermitteln, anstatt ihn festzulegen. Und wenn dann zum Abschluss noch weniger als eine Handvoll Merzhäuser übrig bleibt, die schreit, sie hätte kein zu Hause, bleiben vielleicht genug inzwischen leerstehende Häuser übrig, die dann von den nachfolgenden in Merzhausen verbleibenden Generationen sinnvoll genutzt werden können.Sehen wir zu, die Fehler der Vergangenheit, nicht zu denen der Zukunft zu machen!

Axel Pfetzing

Merzhausen

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