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Neue Gebührensatzung: Das Grab im Grünen wird teurer

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An dieser Weggabelung im Wald unterhalb der Rauschpennhalle haben Besucher des Naturfriedhofs Zugang in den Wald. © Matthias Pieren

Waldbestattungen sind auch in Usingen immer beliebter - doch gleichzeitig steigen auf dem Waldfriedhof Merzhausen die Kosten. Deshalb werden nun die Gebühren teils ordentlich erhöht.

Usingen. Waldbestattungen kommen die Stadt teuer zu stehen - und das Stadtparlament gab in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht, die Gebühren anzuheben. Einstimmig. In einer Vorlage ans Parlament schlug der Magistrat eine deutliche Erhöhung für den Naturfriedhof in Merzhausen vor. Hintergrund sind die hohen Kosten, die der Friedhof verursacht. Denn: Für die Bäume hat die Stadt die Sicherungspflicht. Durch Trockenheit, Käferbefall und Stürme hat sich der Aufwand in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, im Fall von Merzhausen kommt noch der Eichenprozessionsspinner hinzu, der bekämpft werden muss.

Naturfriedhof in Merzhausen seit dem Start 2014 immer stärker nachgefragt

Kurzer Rückblick: Seit 2014 gibt es den Naturfriedhof in Merzhausen - und er ist gut nachgefragt. Was auch bedeutet, dass der Kostendeckungsgrad im Friedhofswesen gut ist. Von 2014 bis 2021 fanden von den insgesamt 1224 Beisetzungen 379 auf dem Naturfriedhof statt. Das entspricht rund 31 Prozent, die Waldbestattung ist damit die in Usingen am stärksten nachgefragte Bestattungsform.

Die Gesamtzahl der Bestattungen ist in den vergangenen Jahren sowieso kontinuierlich gestiegen: Von 111 Bestattungen 2014 auf 224 Bestattungen 2021, die Zahl der Bestattungen auf dem Naturfriedhof von 23 2014 auf 86 2021. Was einerseits für den Kostendeckungsgrad gut ist, hat andererseits den Effekt, dass der erste Teil des Naturfriedhofes schon überwiegend belegt ist, und die Verwaltung derzeit bereits den zweiten Teil herrichtet. Dieser wird in etwa sechs Jahren auch weitgehend belegt sein. Dann wären Bestattungen nur noch dort möglich, wo ein Belegungsrecht als Kaufbaum bereits erworben wurde und Plätze freigehalten werden.

Die Stadt Usingen hat die Sicherungspflicht im Wald

Probleme bereitet hauptsächlich die Sicherungspflicht im Wald. Da es sich mehrheitlich um älteren Baumbestand mit einzelnen großen und alten Bäumen handelt, von denen grundsätzlich eine erhöhte Gefahr ausgeht, ist viel Aufwand nötig. »Dieser Sicherungspflicht kommt die Stadt nach, untersucht den kompletten Bereich jährlich im belaubten und unbelaubten Zustand und nimmt darauf aufbauend entsprechende Arbeiten vor«, heißt es in der Vorlage. »Die Kosten beliefen sich ursprünglich auf etwa 1000 Euro im Jahr, haben sich aber zwischenzeitlich durch die Dürrejahre und den Eichenprozessionsspinner ab 2021 auf rund 2000 Euro verdoppelt und werden sicher nicht mehr fallen.« Die Pflicht ist bis mindestens 2065 zu erfüllen - dann endet die Ruhefrist.

Während der Naturfriedhof gut ausgelastet ist, sieht’s bei den Friedhöfen ganz anders aus. Trauerhallen etwa werden seltener genutzt, der Kostendeckungsgrad sinkt. Durch Grabräumungen gibt’s immer mehr Freiflächen, die aber unterhalten werden müssen.

Nun sollen Rücklagen für kommende Jahrzehnte gebildet werden

Die Stadt will deshalb für die Sicherstellung der Verkehrssicherungspflicht Rückstellungen bilden - über eine Angleichung an die Gebühren des Friedwaldes Weilrod. Und: Es sollen bis auf Weiteres keine zusätzlichen Flächen für den Naturfriedhof Merzhausen ausgewiesen werden, einen weiterer Naturfriedhof an anderer Stelle gibt es ebenfalls nicht. Des Weiteren wird die Nutzungszeit des derzeitigen Naturfriedhofs verlängert, indem mehr Bestattungen je Baum angeboten werden. Derzeit sind es maximal acht, gut wären 20 in einem zweiten Ring um den Baum. Im zweiten Teil des Naturfriedhofes werden bis zu zwölf Urnen an einem Baum beigesetzt. »Später kann man dann noch entscheiden, ob man auch im ersten Teil noch weitere Urnen an den Bäumen beisetzen möchte«, heißt es in der Vorlage. Ziel müsse es auf alle Fälle sein, die Flächen zu begrenzen, für die man verkehrssicherungspflichtig ist - bei gleichzeitiger Verlängerung der Nutzungsmöglichkeit.

Gestrichen hat die Stadt aus der aktuellen Satzung die »Sternschnuppenbäume«, da diese nicht nachgefragt wurden. Und: Es soll nun versucht werden, die örtlichen Friedhöfe für den Personenkreis interessanter zu machen, der sich derzeit für eine Waldbestattung entscheidet. »Erste Vorschläge wurden entwickelt und sollen in Abstimmung mit Vertretern des Ortsbeirates Eschbach auf dem dortigen Friedhof exemplarisch ausprobiert werden«, heißt es.

Die Kosten für Bestattungen auf dem Naturfriedhof steigen teils deutlich

Die neuen Gebühren sehen vor, je Bestattung 300 Euro einer Rücklage zuzuführen, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, auch wenn es keine Bestattungen mehr geben kann. Die Bestattung auf einem »normalen Platz« wird von 700 (plus bisher 237,96 Euro für die Bestattung) auf 1000 Euro angehoben.

Bei Kaufbäumen wird es künftig nur noch den Wahlbaum geben. Dieser soll dann 6000 Euro kosten - für bis zu zwölf Urnen. Die Erhöhung um 2500 Euro soll der Rücklage zugeführt werden. Mit dieser Erhöhung soll auch der Kauf der Bäume reguliert werden, zumal im zweiten Teil des Friedhofes nicht mehr so viele Bäume zum Verkauf angeboten werden können wie im ersten. Die Beisetzungskosten sollen auf 300 Euro angehoben werden.

Die Erhöhung hat noch einen Grund: Im Waldfriedhof ist der Aushub für ein Urnengrab durch den festen Waldboden schwieriger.

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