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Neue Kooperation: So kann man Haustiere im Usinger Land schon bald bestatten

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Im Abschiedsraum zeigt Jonas Fischer, Mitarbeiter von CremPet in Usingen, eine große Auswahl an dekorativen Tier-Urnen, die im Harmoniewald bei Mauloff beigesetzt werden können. © Sabine Neugebauer

Immer mehr Menschen möchten ihr verstorbenes Haustier nicht im eigenen Garten bestatten oder zum Abdecker bringen - dafür gibt es dank einer Kooperation zwischen der Gemeinde Weilrod und dem Tierkrematorium Crempet in Usingen bald neue Möglichkeiten.

Weilrod. Wenn der geliebte Vierbeiner stirbt, ist die Trauer oft groß. Und viele Besitzer wollen oder können das Tier dann nicht im eigenen Garten begraben. Größere Tiere wurden früher vielfach zum Abdecker gegeben, was heute nicht mehr oft geschieht, wohl auch, weil es nicht den Gefühlen der Tierbesitzer entspricht. Und da kommt dann die Möglichkeit, das Tier einäschern zu lassen, zum Tragen.

Seit Januar vergangenen Jahres ist das auch in Usingen beim Tierkrematorium CremPet möglich. Jetzt entwickelt CremPet in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Weilrod zusätzlich das Angebot, die Tier-Urne anschließend im Harmoniewald bei Weilrod-Mauloff beisetzen zu lassen.

CremPet und Harmoniewald bei Weilrod-Mauloff kooperieren künftig

»Weilrods Bürgermeister Götz Esser kam mit dieser Idee auf uns zu«, beschreibt CremPet-Geschäftsführer Adrian Schmitt, wie es dazu kam. Und Esser sehe es wie er selbst auch eher als Marketing-Strategie denn als wirtschaftliches Angebot. Die Verträge lägen vor, berichtet Schmitt weiter. Die Weilroder Gemeindegremien seien jetzt am Zug, diese Verträge abzusegnen. Erste Arbeiten wie Wegeanlage und Aufforstung seien seitens der Gemeinde im Gange, sodass vermutlich ab Mitte des Jahres erste Beisetzungen erfolgen könnten.

CremPet werde Betreiber des Harmoniewaldes und sich um die Pflege der Anlage kümmern, während die Gemeinde die Waldpflege übernehme und sich um die Sicherheit kümmere. Die meisten Tierhalter würde die Asche ihres vierbeinigen Gefährten zwar mit nach Hause nehmen. Aber es gebe auch viele Tiere, deren Körper beim Tierarzt zurückblieben. Dieser müsse sich dann, gegen Entgelt, um die Beseitigung des toten Tieres kümmern. Viele Tierärzte würden sich jetzt an CremPet wenden, um auch die anonymen Tiere verbrennen zu lassen. »Damit auch diese Tiere einen schönen letzten Platz bekommen, werden wir diese Asche im Harmoniewald verstreuen«, sagt Schmitt.

Hier bei Mauloff sei es aber eben nur möglich, eingeäscherte Tiere zu bestatten. Er rechne nicht mit einem finanziellen Gewinn bei der Anlage des Harmoniewaldes. Dazu gebe es vermutlich zu wenige Leute, die ihre Tiere hier bestatten lassen wollten.

Verschiedene Möglichkeiten bei der Auswahl der passenden Urne

Für die Tier-Asche gibt es eine große Auswahl an dekorativen Urnen. Manche davon sehen gar nicht aus wie Urnen, sondern sind eher als Bilderrahmen gestaltet, in dem die Pfotenabdrücke des Tieres zu sehen sind. Auch diesen Service bietet CremPet an: Vom toten Tier werden die Pfotenabdrücke genommen und so als Erinnerung verewigt. Wer etwas von seinem Tier immer bei sich tragen möchte, kann auch eine Messerspitze der Asche in einen Schmuckanhänger füllen lassen oder einen Diamanten oder Saphir aus der Asche herstellen lassen, was etwa zehn- bis 20-mal im Jahr vorkomme.

Die ersten Tierkrematorien in Deutschland habe es Ende der 1990er Jahr gegeben, berichtet der CremPet-Geschäftsführer weiter. Etwa zehn Jahre später habe CremPet, die sich zunächst nur um Tierbestattungen gekümmert hatten, auch selbst das erste Krematorium gebaut. In Usingen ist es jetzt das dritte. Das Genehmigungsverfahren für ein solches Tierkrematorium sei sehr kompliziert, sodass etwa acht Jahre ins Land gegangen seien, bis es hier in Usingen in Betrieb gehen konnte. In jedem Bundesland gebe es andere Vorschriften und selbst die behördlichen Mitarbeiter machten dann noch unterschiedliche Vorgaben. Beispielsweise müssten die toten Tiere hier in Usingen bei minus 18 Grad gelagert werden, anderswo nur bei wenigen Minusgraden oder sogar nur bei Kühlschranktemperatur.

Rund 30 Tierkrematorien gibt es aktuell in Deutschland

Mittlerweile gebe es in Deutschland etwa 30 Tierkrematorien. »Jedes Tier bleibt nachverfolgbar«, betont Schmitt. Das sei wegen des Seuchenschutzes nötig. Daher bekommt jedes einen Schamottestein mit einer Nummer zugeordnet, der von der Abholung bis in die Urne mitgeht. Für ein Tier ist kein Sarg nötig. CremPet darf nicht einmal Holz in dem Ofen hier verbrennen, dafür ist wieder ein andere Genehmigung erforderlich. Die Verbrennungstemperatur liegt bei 850 Grad, das Abgas wird noch einmal nachverbrannt bei etwa 950 Grad. Je nach Gewicht des Tieres dauert der Verbrennungsprozess eine halbe bis zwei Stunden. »Von der Rennmaus bis zum Bernhardiner hatten wir hier schon alles«, sagt Schmitt. Aber alles was Hufe habe oder andere Nutztiere, das dürfe hier nicht kremiert werden. Für Pferde gebe es aber mittlerweile zwei Krematorien in Deutschland.

»Wir sind auch ein bisschen wie Seelsorger«, beschreibt Jonas Fischer, einer der beiden Mitarbeiter hier vor Ort, seine Arbeit. Die Tierhalter würden gerne noch über ihren verstorbenen, tierischen Freund reden. »Wir möchten ihnen einen schönen Abschluss bereiten«, so Fischer. »Und es den Besitzern so einfach wie möglich machen«, ergänzt Schmitt.

Sabine Neugebauer

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