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Neue Straßen - große Namen

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Usingen. Die Neubürger auf dem Usinger Klinikareal haben nun schon immerhin mal für die neue Adresse nach ihrem Umzug eine Straßenbezeichnung, denn im Stadtparlament wurden in der vergangenen Woche die vorgeschlagenen Benennungen abgesegnet.

Die im Zuge der Erschließung des neuen Baugebietes auf dem Grundstück des ehemaligen Krankenhauses entstehende Erschließungsstraße erhält den Namen Friederike-Walter-Straße. Und die bisher namenlose Stichstraße in Höhe der Zulassungsstelle von der Hattsteiner Allee abgehend ist künftig die Ernst-Lißmann-Straße.

Mit Spende die Klinik gerettet

Für die Erreichbarkeit der Gebäude auf dem Grundstück des ehemaligen Krankenhauses wurde die Erschließungsstraße notwendig. Die neue Straße ist in südlicher Richtung von der Hattsteiner Allee abgehend und verläuft parallel zur Fritz-Born-Straße.

Der Name Friederike-Walter-Straße hat auch etwas mit der Klinik zu tun, denn das Usinger Krankenhaus verdankt seine Entstehung einer Stiftung aus dem Jahr 1739. 5000 Gulden kamen damals zusammen, mit denen ein Hospital errichtet werden sollte. Seine feste Bleibe fand das Krankenhaus in der heutigen Hospitalgasse, später zog man in das heutige Eckhaus Zitzergasse/Klapperfeld um. Anfang des 19. Jahrhunderts geriet das Krankenhaus dann in finanzielle Bedrängnis, es drohte sogar die Schließung.

Rettung kam von einer 84-jährigen alleinstehenden Usingerin, Maria Catharina Friederike Walter, die am 25. September 1730 geboren wurde. Sie vermachte am 30. April 1814 ihren gesamten Haus- und Grundbesitz an der Ecke Wirthstraße/Klapperfeld den städtischen Kranken und Armen. Im Laufe der Jahre wurde diese Stiftung rechtlich mit der Hospitalstiftung vereinigt. Friederike Walter verstarb am 26. Juli 1816 fast 86-jährig. Im Herbst 1912 wurde der Neubau am Schlagweg eingeweiht. Aufgrund steigender Bevölkerungszahlen in den 1950er- und 60er-Jahren wurde eine Erweiterung notwendig. Erst mit der Übernahme der Verwaltung des ehemaligen Stiftskrankenhauses durch den Landkreis 1970 war man in der Lage, diese Erweiterung zu finanzieren. 1971 konnte der Neubau an der Hattsteiner Allee seiner Bestimmung übergeben werden. 2001 erfolgte der Zusammenschluss mit dem Kreiskrankenhaus Bad Homburg.

Die neu entstehenden Baukörper zwischen Pestalozzistraße und Hattsteiner Allee sind künftig über die bereits vorhandene Stichstraße, neben der Zulassungsstelle gelegen, zu erreichen. Um eine postalische Anschrift zu schaffen, ist die Stichstraße zu benennen. Das erfolgte nun.

Ernst Friedrich Ludwig Lißmann, am 7. März 1885 geboren, wurde 1916 einstimmig zum Bürgermeister der Kreisstadt Usingen gewählt. 1919 trat er der Nassauischen Siedlungsgesellschaft Frankfurt - heute Hessische Landgesellschaft (HLG) - bei, an deren Gründung er beteiligt war.

Weigerung, in die NSDAP einzutreten

Während der Amtszeit von Lißmann wurden die landwirtschaftliche Schule, das Krankenhaus und das Amtsgericht gebaut sowie die Hattsteiner Allee angelegt. Ernst Lißmann wurde 1933 von der NSDAP als Bürgermeister entlassen, da er sich weigerte, in die Partei einzutreten.

1960 wurde Lißmann mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Lißmann hatte sich auf dem Gebiet der ländlichen Siedlung nach dem Zusammenbruch 1945 unter schwierigen Verhältnissen Verdienste erworben und sich für die Eingliederung des heimatvertriebenen Landvolkes in die hessische Landwirtschaft eingesetzt. Er verstarb am 3. Dezember 1980.

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