Lupinen können ökologisch wertvolle Pflanzen verdrängen.
+
Lupinen können ökologisch wertvolle Pflanzen verdrängen.

Naturschutz

Neue Tier- und Pflanzenarten bedrohen heimischen Bestand

  • vonEvelyn Kreutz
    schließen

Aus allen Regionen der Welt machen sich Pflanzen und Tier in unserer Gegend breit. Vertreter der Naturschutzverbände im Hochtaunuskreis beobachten diese Veränderungen ganz genau. Denn wichtig ist es, die Situation unter die Kontrolle zu halten, so dass bei einer Gefährdung ökologisch wertvoller Arten, wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergriffen werden können,

Der Waschbär ist für manche Bürger so niedlich, dass sie ihn sogar anfüttern. Doch die possierlichen Tiere, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus Nordamerika eingewandert sind, können schnell zur Plage werden. Das indische Springkraut ist hübsch anzusehen, kann sich aber an Bachläufen so stark ausbreiten, dass dort nichts anderes mehr wächst. Sogar gefährlich für den Menschen kann bei Kontakt die als Riesenbärenklau bekannte Herkulesstaude werden. Die Beifuß-Ambrosie kann heftige allergischen Reaktionen auslösen.

Dass Pflanzen und Tiere sich neue Lebensräume erschließen, ist nicht neu. Doch dieser Vorgang hat sich immer mehr beschleunigt. Die Naturschutzverbände haben längst Maßnahmenkataloge erarbeitet, für den Fall dass das ökologische Gleichgewicht durch so genannte invasive Arten aus den Fugen gerät. In der „Unionsliste“ invasiver Arten benennt die EU Tier- und Pflanzenarten, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und daher der biologischen Vielfalt schaden können. Die Liste wurde 2017 von 37 auf 49 Arten erweitert.

Miteinander arrangieren

Für NABU-Kreisvorsitzende Dr. Sybille Winkelhaus ist diese Liste zu allgemein. Die Situation müsse in einem definierten Gebiet beobachtet und bewertet werden. „Wir sollten gebietsfremden Arten bei uns einen Lebensraum zugestehen, solange sie keinen Schaden anrichten“, meint sie.

Sie geht davon aus, dass die Natur das meistens von alleine regeln kann und ihren Weg findet, die neuen Besucher zu vertreiben. „Nur in sensiblen Bereichen, wenn wertvolle und seltene Arten bedroht sind, müssen wir ein Management finden“, meint sie und sagt: „Ansonsten sollten wir versuchen, mit ihnen zu leben.“ Waschbär und Nilgans sind aus ihrer Sicht Arten, mit denen sich der Mensch arrangieren kann. Eine durchgehende Bejagung oder die Aufhebung von Schonfristen ist für sie keine Lösung.

Winkelhaus setzt auf Aufklärung, denn leicht zugängliche Mülltüten und Gartenhütten lockten den Neubürger, übrigens genauso wie Marder und Fuchs, in besiedelte Gebiete. Unter den Konkurrenten mit dem gleichen Futterspektrum sei der Waschbär der beste Kletterer und mache sich sogar an die Brut in Vogelnestern, Nistkästen und Horsten heran. „Es liegt mit an uns, diese Tiere fernzuhalten“, so die Expertin.

Was invasive Pflanzenarten angeht, warnt sie davor, Gartenabfälle unsachgemäß zu entsorgen, damit Pflanzen, die nicht aus unserer Region stammen, sich nicht unkontrolliert ausbreiten können. Auch das indische Springkraut kam im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa. „Das werden wir nicht mehr ausrotten können, nur noch eindämmen“, ist sie sich sicher.

Kampf dem Springkraut

In vielen Arbeitseinsätzen sind auch im Hochtaunus zahlreiche Naturschützer dem indischen Springkraut zu Leibe gerückt. Am Erlenbach, in der Gemarkung Friedrichsdorf, ist es nach Auskunft von Volker Georg, dem Vorsitzenden der BUND Ortsgruppe Friedrichsdorf, von Natur aus nur an wenigen Plätzen zu finden. Meist sei es dafür zu schattig im gewachsenen Auwald. Die Herkulesstaude drängen die Friedrichsdorfer seit 20 Jahren durch frühzeitiges Mulchen erfolgreich zurück. Auch die kanadische Goldrute haben die Friedrichsdorfer im Griff. Große Probleme machen ihnen dagegen nicht invasive Arten, wie die hartnäckige Brombeere.

Fachfrau für gebietsfremde Pflanzenarten ist Diplom-Agrarbiologin Beate Alberternst. Nach ihren Untersuchungen gibt es in den Taunuswäldern im Vergleich zu anderen Regionen relativ wenig von ihnen. Sie bekämpft in den Reifenberger Wiesen seit 17 Jahren zusammen mit dem Forst, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Naturpark und örtlichen Naturschutzgruppen den Stinktierkohl, der auf den artenreichen Magerwiesen sonst seltene Arten, etwa Orchideen, verdrängt. In einer bestimmten Lage in der Nähe von Oberreifenberg gefährdet die aus Amerika stammende Nitrat bindende Lupine durch Überdüngung unter anderem Pflanzen wie Arnika, Katzenpfötchen, Knabenkraut und Türkenbundlilie. Im kühlen Taunus weniger problematisch sei die Ambrosie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare