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Ober-Eschbach

Christian Appell verwandelt ein Haus in ein Gesamtkunstwerk

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Bevor es irgendwann abgerissen wird, blüht ein kleines Fertighaus noch einmal richtig auf. Christian Appel nutzt den Blütenweg 4 nämlich nicht nur als Ausstellungsort, sondern verwandelt das ganze Haus – innen wie außen – zum kunterbunten Kunstobjekt.

„Was ist schön?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich Christian Appel seit einigen Wochen intensiv. Mit dem Einverständnis des Eigentümers ist der Künstler dabei, in Ober-Eschbach ein leerstehendes Fertighaus aus den späten 1960er Jahren, das mittelfristig abgerissen wird, in ein Gesamtkunstwerk zu verwandeln. Während er innen noch experimentiert, sprüht, Wände einreißt und neue errichtet, leuchtet das Häuschen außen wie die Villa Kunterbunt. Und jeder fragt sich, was denn hier passiert.

An den Adventswochenenden kann die Neugier gestillt werden, denn dann stehen Haus und Kunst für jedermann offen. „APPELsWELT“ vereinigt hier sein vielfältiges Schaffen aus Fotografie, Malerei, Collagen, Film- und Klanginstallationen. Gefällig oder schmückend sind die wenigsten seiner Werke. Es sind die Gegensätze und die nicht auf den ersten Blick ersichtlichen Verbindungen, die den Allrounder faszinieren.

„Stadt und Raum“ ist das Hauptthema, dem er sich in den vergangenen Jahrzehnten auf unterschiedliche Weise gewidmet hat, nachdem er schon als 8-Jähriger fiktive Stadtpläne entworfen hat. Als begeisterter Koch hat er entdeckt, dass auch das Essen mit dem Begreifen der Welt zusammenhängt. Seither gehören für den waschechten Frankfurter Kochen, Architektur und Kunst untrennbar zusammen: „Ornamente sind die Gewürze der Architektur, sie geben Sinnlichkeit. Auch Häuser brauchen einen ,sinnlosen Mehrwert‘. Dass die Form nur der Funktion folgen soll, ist falsch.“ Und so wundert es nicht, dass der gelernte Schriftsetzer und Diplom-Designer – der auch schon als Koch, Buchbinder, Innenarchitekt und Stadtplaner tätig war – ein ganz besonderes Rezeptbuch erstellt hat, dem jetzt ein zweiter Band folgt. Um die Gerichte herum erzählt Appel Wissenswertes, Philosophisches und Lustiges, beschreibt beispielsweise, was ein Knödel und das Pantheon gemeinsam haben. „Wenn Architekten besser kochen könnten, würden sie bessere Häuser bauen“, ist er sich sicher.

Steckenpferde vereint

In Ober-Eschbach fügt der 64-Jährige all seine Steckenpferde zusammen und wird nicht nur seine Kunst im und am Haus zeigen, sondern auch Lesungen aus seinem „Neuen Frankfurter Kochbuch“ halten (7. Dezember, 18 Uhr) und Kochkurse („Heimatkochen“, 15. Dezember, 18 Uhr) veranstalten.

Bis dahin gibt es noch viel zu tun, und je mehr Appel sich in das Haus einarbeitet, desto mehr Ideen kommen ihm: „Mir wird zunehmend klar, was ich hier alles machen kann und darf, was sonst nicht möglich wäre!“, freut er sich. Das wandfüllende Graffiti im ehemaligen Esszimmer zeigt zwar den gewünschten starken Kontrast zum verbliebenen Biedermeier-Mobiliar, doch so richtig zufrieden ist der Künstler damit noch nicht: „Da muss ich noch mal dran.“ Hingegen ist schon klar, wo ein kleiner Teil seiner „UMOs“, eine Serie urbaner Fotografien, hängen soll, die jeweils den detaillierten Blick auf den Boden, in die Mitte und nach oben richten.

Imaginäre Stadtpläne

Die Collagen-Serie „Kronberg“ und die fein gezeichneten imaginären Stadtpläne – die auch noch Comic-Geschichten erzählen und nicht alle jugendfrei sind – werden im Obergeschoss zu sehen sein. Durch ein altes Dachfenster, das Appel vor Ort vor dem Sperrmüll gerettet hat, blickt der Besucher ins „Wildnis-Trümmerfeld“, ein winziges Kämmerlein, das der Künstler dem Flur abgezwackt hat: „Das hat sich einfach so ergeben. Ich finde ständig irgendwelche Sachen, die mich an etwas erinnern oder mich auf eine Idee bringen.“

Und weil ihm die Ideen nie ausgehen, hat er schon Pläne, was man mit dem Häuschen noch alles anfangen kann, bevor es eines Tages abgerissen und durch einen Mehrfamilien-Neubau ersetzt wird: ein temporäres Kunst-Kaffeehaus zum Beispiel.

Jetzt aber erst einmal „Was ist schön?“ Die Vernissage im Blütenweg 4 findet am kommenden Samstag, 18 Uhr, statt. Am 7., 8., 15. und 16. Dezember ist das Haus jeweils von 12 bis 20 Uhr geöffnet und am 22. Dezember noch einmal von 16 bis 20 Uhr. Der Künstler ist immer anwesend. Im engen Blütenweg gibt es übrigens keine Parkplätze. Weitere Informationen unter

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