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Neuer Glanz für die Stolpersteine

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Birgit Hahn (links) und Dr. Mirjam Andres polieren die Stoplersteine, um sie, vebrunden mit der dahinterstehenden Geschichte in den Blick der Menschen zu bringen. © Red

USINGEN (msc). Nicht nur mit einer 2015 erstellten Skulptur vor dem Rathaus wird der ehemaligen jüdischen Mitbürger, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden, gedacht. Viele von ihnen haben sich für Usingen politisch und sozial engagiert und zum kulturellen Leben beigetragen. Im Jahre 2016 wurden zudem auf Initiative von Schülern der Konrad-Lorenz- und der Christian-Wirth-Schule in den Gehwegen Usingens 13 Stolpersteine verlegt.

Und zwar immer vor dem jeweiligen Haus, in dem die Menschen, die auf den Steinen benannt werden, gelebt haben.

Zeichen gegen das Vergessen

Nur ein Jahr später wurden weitere zwölf Steine verlegt. 2018 folgten 16 Stolpersteine. 2020 kamen 15 hinzu. Inzwischen erinnert diese Aktion an 56 Menschen, die wegen ihres jüdischen Glaubens leiden mussten. Die Steine machen im Vorbeigehen auf ihr Schicksal aufmerksam.

Damit gerade die junge Generation das Geschehen nicht vergisst, gab es beim Verlegen der Steine im März des vergangenen Jahres eine Schüler-Projektarbeit in Usingen und in Eschbach unter dem Motto »Wir sind nicht so«. An dem Projekt beteiligten sich erstmalig außer der Christian-Wirth- und der Helmut-Schmidt-Schule auch Grundschüler der vierten Klassen der Buchfinkenschule.

Damit die Stolpersteine lange erhalten bleiben, bedarf es regelmäßiger Pflege. Dabei sind viele Helfer gefragt. Als Birgit Hahn (SPD) am frühen Freitagnachmittag mit Spezialsäuberungspaste und Lappen loszog, um die Stolpersteine zu polieren, regnete es ein wenig. Gleich war ihr klar, dass dann wohl nicht viele Helfer zu erwarten seien. Dr. Mirjam Andres stand ihr aber zur Seite. Beide gehören der Arbeitsgruppe »Stolpersteine« an. Und noch eins lernte Birgit Hahn an diesem Nachmittag. Bei Regen schmiert die Paste und lässt sich nicht gut auftragen. Doch sobald es trockener wurde, erstrahlten die Steine wieder in ihrem Glanz.

Viele Bürger haben mit einer Spende dazu beigetragen, dass die Aktion in Usingen umgesetzt werden konnte. Damit die Gedenktafeln allen Menschen, die daran vorbeigehen, auch im Auge - und im Herzen bleiben, gehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe gerne ans Werk. Bisher wurden die Stolpersteine einmal im Jahr gesäubert. Birgit Hahn konstatierte am Freitag, dass die vergangene Säuberungsaktion erst im Mai stattgefunden hatte. »Da lässt sich der Glanz der Gedenksteine ja jetzt viel einfacher herstellen«, sagte sie und kam zum dem Schluss, dass sie ab sofort zweimal im Jahr den Putzlappen in die Hand nehmen muss.

Helfer gesucht

Leider blieb es am Freitag bei den beiden Helferinnen. Und so bearbeiteten sie nur wenige Steine. Doch das soll sich im Januar ändern. Dann sind auch wieder die Schüler dabei, erklärte Dr. Mirjam Andres. Denn für 56 Steine braucht man schon einige Hände, die eifrig den Schmutz des Alltags wegrubbeln und die Gedenksteine wieder glänzen lassen. Zudem ist es eine gute Möglichkeit, sich mit der Geschichte der einstigen jüdischen Mitbürger zu befassen.

Die Arbeitsgruppe und die CWS saßen bei diesem Projekt von Anfang an in einem Boot. Später schloss sich die Schreibwerkstatt der Autorin Uschi Flacke »Kultur macht stark« an. Die Gedenksteine und vor allem die Geschichte der Menschen, für die sie verlegt wurden, sind in drei Heften unter dem Titel »Ein Stein, ein Name, ein Mensch« als ein Zeichen gegen das Vergessen festgehalten. Eine menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten führte dazu, dass diese Menschen ohne eigenes Verschulden rechtlos wurden und alles verloren, was sie je besessen hatten, bis hin zu ihrem Leben.

Die Kosten für einen Stolperstein betragen 120 Euro. Wer sich an der Finanzierung eines Steins beteiligen möchte, kann eine Patenschaft übernehmen oder allgemein mit einer Spende helfen. Die Überweisung geht auf das Konto des Fördervereins der CWS: IBAN DE15501900004201400436 mit dem Verwendungszweck Spende Stolpersteine.

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