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(Nicht) ins Schwimmen kommen: So steht es um Schwimmkurse im Usinger Land

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In der Coronavirus-Pandemie waren die Möglichkeiten, einen Schwimmkurs zu absolvieren auch im Usinger Land eng begrenzt. Das ist nun aus Sicht der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zum Glück wieder anders. SYMBOLFOTO: IMAGO © Sabine Neugebauer

Fast 300 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland ertrunken, darunter auch einige Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig würden immer weniger Menschen lernen, wie man schwimmt. Dabei gibt es auch im Usinger Land verschiedenste Angebote, um richtig schwimmen zu lernen.

Hochtaunuskreis. »Schwimmen ist eine Kulturtechnik wie das Lesen, Schreiben und Rechnen. Jedes Kind muss das bis zum Ende der Grundschule sicher beherrschen,« sagte die Präsidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ute Vogt, am bei der jährlichen Pressekonferenz der gemeinnützigen Organisation. Sie stellte die Zahlen der im vergangenen Jahr ertrunkenen Personen vor: Das waren 2021 in Deutschland mindestens 299 Menschen. Das sind zwar 79 Todesfälle im Wasser weniger als noch im Jahr davor und damit der niedrigste Stand seit 2000, als die DLRG anfing die Zahlen systematisch zu erheben, seien aber immer noch zu viele.

Größte Risiko zu ertrinken besteht in Deutschland in Seen und Flüssen

»Das größte Risiko zu ertrinken, besteht weiterhin in Seen und Flüssen. Nur verhältnismäßig wenige Gewässer werden von Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern bewacht - und wenn, dann auch nur eingeschränkt,« erklärte Vogt. In Hessen gab es 19 Todesfälle durch Ertrinken, elf davon in Flüssen, sieben in Seen oder Teichen und nur einer in einem Schwimmbad. 16 Ertrunkene waren männlich, drei weiblich.

Bundesweit ereigneten sich im Jahr 2021 255 der erfassten tödlichen Unglücke (etwa 85 Prozent) in Binnengewässern. Mit 131 Todesfällen waren in Seen und Teichen die meisten Opfer zu beklagen. In Flüssen verloren 95 Menschen ihr Leben, in Bächen und Gräben 13 sowie in Kanälen 16. In Schwimmbädern (7) und im Meer (26) ist die Zahl der Unglücksfälle zwar leicht gestiegen, doch sind diese Gewässer weiter vergleichsweise sicher.

Vergleichsweise wenige Opfer von tödlichen Badeunfällen sind Kinder

Während in den Bädern meist hauptberufliches Personal für Sicherheit sorgt, sind es an der Küste von Anfang Mai bis Ende September Tausende Freiwillige, allein rund 5000 ehrenamtliche Rettungsschwimmer an 80 Stationen der DLRG zwischen Borkum in der Nord- und Usedom in der Ostsee. Tödliche Unfälle ereignen sich hier mehrheitlich abseits der bewachten Strände oder außerhalb der Dienstzeiten der Lebensretter.

Kinder sind übrigens vergleichsweise wenige unter den Opfern. Es ertranken 17 Jungen und Mädchen zwischen null und zehn Jahren - sechs weniger als im Jahr davor. Unter den Elf- bis 20-Jährigen gab es jedoch einen Anstieg von 26 auf 30 Todesfälle. »Die Unglücke mit so jungen Menschen sind besonders tragisch. In diesem Zusammenhang betrachten wir mit großer Sorge, dass heute immer weniger Kinder sicher schwimmen können«, sagte die Chefin der DLRG, die deshalb langfristig mehr Heranwachsende unter den Opfern befürchtet. »Jedes Kind muss das (Schwimmen, Anm. d. Red.) bis zum Ende der Grundschule sicher beherrschen können.«

Schwimmunterricht ist in Grundschulen im Usinger Land obligatorisch

An den Grundschulen im Usinger Land ist Schwimmunterricht in den dritten Klassen obligatorisch. Wie Claudia Anduleit von der Grundschule im Weiltal in Rod an der Weil berichtet, werde der Schwimmunterricht im Hallenbad in Usingen durchgeführt. Zu Beginn des Schwimmunterrichts steht immer gemeinsames Spielen zur Wassergewöhnung mit allen Kindern im Nichtschwimmerbereich an, danach werden die Übungsgruppen in Schwimmer und Nichtschwimmer mit je eigenen Übungsschwerpunkten aufgeteilt.

»Wichtigste Voraussetzung vor dem Schwimmunterricht sind alle Bereiche der Wassergewöhnung,« betont Anduleit. Die Kinder müssten Wasser als Element, in dem sich der Körper anders verhält als an Land, kennenlernen. Dabei seien Wassererfahrungen wie tauchen, schweben oder auftreiben, gleiten, springen, drehen, rollen und antreiben wichtig. »Die Kinder müssen vorher nicht schwimmen können, obwohl ein Seepferdchen toll wäre, damit die Nichtschwimmergruppe nicht so groß ist, aber man sollte mit offenen Augen duschen können, Wasser im Gesicht aushalten wie bei einer Wasserschlacht ohne Schwimmbrille, oder Blubberblasen ins Wasser ausatmen können und untertauchen können«, beschreibt die Sportlehrerin den Idealfall.

Schwimmkurse auch außerhalb der Schule

Kathrin Schnalle, Schulleiterin Grundschule Am Sommerberg in Riedelbach ergänzt: »Unsere dritten Klassen haben ein Jahr lang Schwimmunterricht. Wir fahren mit dem Bus nach Usingen ins Taunusbad. Der Schwimmunterricht findet zeitversetzt statt. Die erste der beiden dritten Klassen hat in der vierten und fünften Stunde Schwimmen, die zweite Klasse in der fünften und sechsten Stunde. Durch die Umziehzeiten ist immer nur jeweils eine Klasse im Becken«.

Natürlich könnten Kinder auch bei Schwimmkursen außerhalb der Schule das Schwimmen erlernen. Dazu gibt es im und um das Usinger Land herum zahlreiche Möglichkeiten. In den vergangenen zwei Jahren waren diese allerdings coronabedingt stark eingeschränkt. Im Taunusbad Usingen bietet die DLRG Kreisgruppe Usingen, Halbjahreskurse an. Angesetzt werden immer 15 Stunden Kurs, die jeweils Anfang Februar und Anfang August starten. Die Kosten betragen 90 Euro pro Halbjahr. In der Familienferienstätte Schmitten-Dorfweil bietet die Schwimmschule »Marlin »Schwimmkurse für Anfänger, zum Erreichen des Freischwimmers (Schwimmabzeichen Bronze) aber auch für Schwimmabzeichen Silber und Gold an. Dabei kosten acht Kursstunden à 45 Minuten 200 Euro. Denselben Preis veranschlagt auch die Schwimmschule Taunus, die neuerdings im Hotel »Sonnenberg« in Riedelbach ebenfalls Schwimmkurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten anbietet.

Angebote für Schwimmkurse auch in den Freibädern

Auch abseits des Usinger Landes gibt es Angebote: Bei den »Wellenpiraten« in Bad Camberg gibt es beispielsweise Anfängerkurse von zehn Unterrichtseinheiten für 100 Euro. Aber auch die DLRG Ortsgruppe Bad Camberg bietet hier eine Schwimmausbildung an. In Weilmünster wiederum ist die Schwimmschule »Plitsch-Platsch« tätig und bietet im Schwimmbad des Vitos Klinikum ihre Kurse an.

Während der Freibadsaison lohnt es sich auch in den Freibädern des Usinger Landes in Neu-Anspach, Schmitten, Wehrheim sowie in Usingen am Hattsteinweiher nach Angeboten zu fragen. Weitere Schwimmbäder im Umkreis sind im Internet unter taunus.info/angebote/sport-und-outdoor/schwimmen zu finden.

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