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In dieser Szene sind die Schüler auf der Bühne stumm und bewegen ihre Münder zu dem, was von der Seite gesprochen wird.

Improvisationstheater

Wie aus Nichts berührendes Schauspiel wird

Für Improvisationstheater braucht es keine Kulisse oder Requisiten – nur Selbstvertrauen und Fantasie. Und dass sie beides haben, stellten Schüler der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) jetzt unter Beweis.

Suchtprävention durch Persönlichkeitsstärkung Jugendlicher? Das ist nachvollziehbar. Aber Improvisationstheater? Genau auf diesen Baustein setzte in der vergangenen Woche die Integrierte Gesamtschule Stierstadt (IGS). Vier Ensemblemitglieder der Theatergruppe „RequiSiT“ aus Hattersheim übten mit Schülern Techniken dieser speziellen Form des Schauspiels ein.

„Wir haben mit nichts angefangen“, sagt Tim, einer der Schüler. Ohne Textbuch, Bühnenbild, Regisseur, ohne Kulisse oder Kostüme. „Trotzdem haben wir gutes Theater gemacht.“ Tims Mitschüler Antoine hat vorher noch nie Theater gespielt. „Am ersten Tag habe ich mich nicht getraut. Schon am zweiten Tag war ich freier“, erzählt er.

Tatsächlich geht es beim Impro-Theater darum, die Stärken jedes Einzelnen herauszukitzeln, sagt Klassenleiter Peter Biersack. Was kann ich alleine? Welche Schritte bin ich gegangen? Welche Grenzen habe ich überwunden?

„Trefft Entscheidungen. Das ist die schwierigste Situation“, ruft „RequiSiT“-Leiterin Nora Staeger in einer Probe. „Die Jugendlichen studieren keine Rolle ein. Sie müssen auf sich selbst vertrauen, sich auf den Partner und die Situation einlassen. Mit nichts“, betont sie.

Während des Workshops spielten die Schüler anhand von Settings – Ort der Handlung war zum Beispiel eine Parkbank oder ein Kino. Sie lernten Techniken wie Pantomime, die Analyse einzelner Szenen und einfach einen Raum mit der eigenen Stimme zu füllen.

Das Publikumsspiel, die Einbindung der Zuschauer als wichtigen Stichwortgeber, wurde ebenfalls geübt. „Ich wusste gar nicht, dass ich improvisieren kann“, sagt Laura. Mitschüler Simon erzählt von der Überwindung, die es ihn gekostet hat, sich an einem vorgestellt fremden Ort auf jemanden einzulassen. Genau wegen dieser Entdeckungen, dass man genug Ideen in sich hat, mit allem etwas anzufangen, setzt ihr Lehrer auf das Impro-Theater.

Am Freitagabend erlebten mehr als 80 Zuschauer die Impro-Spieler. Witzige und spannende Stücke entstanden auf der Bühne. Die ersten Teams Alia und Josefine sowie Tim und Yannik gaben sich 30 Sekunden lang gegenseitig Wörter wie Einhorn und Papierflieger vor, aus denen der Bühnen-Partner dann eine Geschichte entwickelte. Die Schüler berührten die Zuschauer mit ihrer Fantasie, mit ihrem Wesen. Ebenfalls mit viel Konzentration beschworen Martin, Niclas, Analena und Marketa, nach Vorgabe aus dem Publikum, einen Streit im Auto herauf. Eine Szene nach Vorgaben aus dem Publikum gleich dreimal in verschiedenen Gefühlszuständen zu spielen, war alles andere als langweilig anzusehen. „Es ist unbezahlbar zu erleben, wie die Kinder innerhalb einer Woche gewachsen sind“, freut sich Biersack.

Bezahlbar ist ein wichtiges Stichwort. Der Workshop war nur durch eine Spende der Software AG Darmstadt möglich geworden.

(kari)

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