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Noch kein Ende des »Frohsinns«

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Holger Petersen Gesangverein »Frohsinn« © Christina Jung

Wehrheim-Pfaffenwiesbach (cju). Im März 2019 beschlossen 25 Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung des Gesangvereins »Frohsinn« die Auflösung des Traditionsvereins. Schweren Herzens sollte zum Ende des Jahres Schluss sein. Günther Weisser, Holger Petersen, Klaus Göhrmann und Fred Meyer wurden zu Liquidatoren bestimmt, die die Abwicklung übernehmen sollten.

Jetzt, gut drei Jahre später, ist der Gesangverein Geschichte - aber noch nicht ganz.

Paul Josef Sommer hatte als langjähriger Vorsitzender das Ruder nicht herumreißen können. Nicht genug damit, dass es keinen Nachfolger für ihn zu geben schien, existierten weitere Gründe für das Ende der Sängerschar: fehlende Männerstimmen, Überalterung sowie deshalb auch keine Möglichkeit mehr, bei Festen und Konzerten Einnahmen zu erzielen, sodass es zunehmend schwieriger wurde, den Dirigenten zu bezahlen. Der Frauenchor war ebenfalls immer schlechter besucht und der Versuch, den Dirigenten des Männerchores auch für die Frauen einzusetzen, scheiterte. Der Frauenchor wollte eventuell als »Singkreis« weitermachen. Doch dieses Vorhaben, ambitioniert begonnen und von einer Pfaffenwiesbacher Chorleiterin begleitet, fand ein schnelles Ende - mangelnde Beteiligung.

»Ich bin seit 2005 für die Finanzen des Vereins tätig gewesen«, erzählt Holger Petersen heute. In dieser Zeit habe er miterlebt, dass Sommer fast schon händeringend nach einem Nachfolger gesucht hatte. Ob die Fußstapfen des rührigen Chefs für einen »Neuen« zu groß waren oder ob es daran lag, dass immer weniger Menschen Zeit oder Lust aufbringen, sich ehrenamtlich zu engagieren - wer vermag das zu beurteilen? Für Petersen und seine Mitstreiter war klar, was nach der Jahreshauptversammlung zu tun war: Eine Steuerberaterin wurde beauftragt, die finanzielle Seite des Vereins für das Finanzamt aufzuarbeiten und abzuwickeln. Die Steuererklärung für 2018 und 2019 erfolgte zeitnah und es gab auch einen Bescheid vom Amtsgericht, dass der Verein aufgelöst sei. Doch noch fehlt die Veranlagung zu den Steuerklärungen.

»Die Steuerberaterin hat diese Unterlagen im August 2021 eingereicht, aber bislang wurde vom Finanzamt noch nichts geschickt«, erklärt Petersen. Deshalb konnte auch noch kein Notar besucht werden, der das endgültige Ende des »Frohsinns« beurkunden könnte. Solange das Finanzamt schweigt, kann auch nicht über das Vermögen des Vereins befunden werden. Satzungsgemäß fließt es der Gemeinde Wehrheim zu, die es dann für kulturelle Zwecke im Ortsteil einsetzen soll. »Da wir aber in den vergangenen Jahren wenig Einnahmen hatten, wird es sich kaum um einen großen Betrag handeln«, sagt Petersen.

Dafür hat das eine oder andere aus dem Fundus des Gesangvereins anderweitig Verwendung gefunden. Für die Noten gab es keine Interessenten, dafür aber fand der Notenschrank bei einem Pfaffenwiesbacher Verein einen neuen Besitzer. Das Klavier übergaben die Sänger der Gemeinde, es steht weiter in der Wiesbachtalhalle. Die Fahne übergaben die Sänger dem Heimat- und Verkehrsverein für dessen Museum, während die vielen Pokale, die bei so manchem Sangesfest gewonnen wurden, noch in der Vitrine im Kolleg des Bürgerhauses stehen.

Petersen bedauert es sehr, dass der Traditionsverein, der 1873 gegründet worden war, inzwischen so gut wie Geschichte ist: »Ein Stück Kultur ist damit unwiederbringlich verschwunden.« FOTO: CJU

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