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Nicht nur in Großstädten wie hier in Berlin, sondern auch in Usingen gibt es Menschen, die dauerhaft ohne festen Wohnsitz sind.

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18 Obdachlose in Usingen und Neu-Anspach: Niemand wird alleingelassen

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Auch im Usinger Land passiert es regelmäßig, dass Menschen aufgrund einer Zwangsräumung, einer Erkrankung oder eines Schicksalsschlags plötzlich ohne Wohnung dastehen. In Usingen und Neu-Anspach waren das 2017 18 Menschen innerhalb nur eines halben Jahres.

Am Ende des Gesprächs mit der Taunus Zeitung klingelt das Telefon im Büro von Oliver Hadys. Als er auflegt sagt der Mitarbeiter im Ordnungsamt in Neu-Anspach: „Morgen kommt ein Obdachloser zu einem Gespräch bei mir vorbei.“ Dass genau diese Menschen gerade Thema des gemeinsamen Interviews mit ihm und Ordnungsamtsleiter Hans-Jörg Bleher waren – der Zufall will es so.

Nichtsdestotrotz waren es im Jahr 2017, in der zweiten Jahreshälfte, zur gleichen Zeit 18 Personen, die sowohl in Usingen als auch in Neu-Anspach kein eigenes Dach mehr über dem Kopf hatten. Sie werden Obdachlose oder Wohnungslose genannt.

Auch nach Bad Homburg

„Es war eine Aneinanderreihung verschiedener Ereignisse. Ein paar Personen waren dabei, die von einer Zwangsräumung betroffen waren, andere wurden animiert, in eine Notunterkunft zu gehen“, nennt Bleher Beispiele. Viele sind in den Notunterkünften, also städtischen Wohnungen untergekommen, ein Teil von ihnen außerdem in Bad Homburg in der Einrichtung „Haus Mühlberg“, die von der Caritas betrieben wird.

Zurzeit leben zwei Frauen und sieben Kinder (eine Frau mit sechs Kindern) in den zwei Notunterkünften in Anspach und drei Erwachsene in dem Mehrfamilienhaus in Wernborn, das als Notunterkunft dient. Es gibt getrennte Schlafplätze, eine gemeinsame Küche und sanitäre Anlagen.

Vertrauen gehört dazu

In die Notunterkünfte aufgenommen wird nur, wer wirklich kein Geld mehr hat und keine Verwandten in der näheren Umgebung, bei denen er unterkommen könnte. Hadys hatte in der Sprechstunde auch schon Personen gegenüber sitzen, die mit einer hohen Abfindung zur Obdachlosenberatung kamen. „Die Vermögensverhältnisse müssen offengelegt werden. Aber wenn mir jemand sagt, dass er wirklich keinen Onkel hier hat, dann muss ich ihm das dann auch so glauben“, sagt Hadys.

Die Gründe, warum Menschen obdachlos werden, sind vielschichtig, Hauptgrund ist aber eine Zwangsräumung. Doch es können auch schwere Schicksalsschläge sein, die in diese existenzielle Notlage führen. „Bei mir war mal ein sehr gebildeter alleinstehender Herr, der durch einen Schlaganfall große Probleme mit Mietsäumnissen bekommen hatte“, sagt Hadys – bei Mietschulden droht die fristlose Kündigung. „Mir ist wichtig zu sagen, dass es jeden treffen kann.“

Jede Kommune hat die Pflicht, Gefahr von ihren Bürgern abzuwenden. Wenn eine Person selbst nicht in der Lage ist, die drohende Notlage abzuwenden, kommt das Ordnungsamt ins Spiel. Diese Hilfe bezieht sich jedoch nur auf die polizeirechtliche Unterstützung, „es fehlt eine zusätzliche sozialpädagogische Kraft, die auch vom Gesetz vorgesehen ist“, sagt Hadys. Zum Beispiel absolviere das Ordnungsamt regelmäßige Besuche in den städtischen Notunterkünften freiwillig, um eventuelles Chaos von vorneherein zu vermeiden.

Hadys Chef betont aber auch: „Wir können aber niemanden zwingen, in eine Notunterkunft zu gehen. Diesen Fall hatten wir auch schon, da wollte die Person partout nicht in eine der städtischen Wohnungen“, so Bleher.

Juristische Definition

Jemand, der den zeitlich befristeten Einzug ablehnt, gilt im juristischen Sinne nicht mehr als wohnungslos, sagt Heiko Keutzer, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes in Weilrod. Dort gibt es eine Notunterkunft für Wohnungslose, ein Zimmer sei auch von einer Frau belegt. Dass sich jemand mit dieser Notlage bei der Gemeinde meldet, komme jedoch maximal alle drei Jahre vor, so Keutzer.

In Grävenwiesbach gab es vier Zwangsräumungen in diesem Jahr, sagt Bürgermeister Roland Seel (CDU). „Sobald wir von einer Zwangsräumung in Kenntnis gesetzt werden, dies erfolgt in der Regel über den Gerichtsvollzieher, werden die betroffenen Person von uns angeschrieben und bekommen Hilfe angeboten.“ Auch in Wehrheim gibt es Menschen ohne Wohnung, die in der Notunterkunft „An der Schießmauer“ untergebracht werden. Eine genaue Zahl nannte die Gemeinde aber nicht.

Dass die Kommune die von der Zwangsräumung betroffenen Personen anschreibt, ist jedoch keine Pflicht und auch nicht immer der Fall, sagt Claudia Kück-Jorkowski, Leiterin von „Haus Mühlberg“ in Bad Homburg. So eine Einrichtung der Caritas für das Usinger Land gibt es zwar nicht, aber der Bedarf sei da. „Wir überlegen, ob man ein eigenes Beratungsangebot im Usinger Land installiert, wir sind da aber noch nicht weiter“, so Kück-Jorkowski. Im „Haus Mühlberg“ seien maximal 15 Prozent der untergebrachten Menschen aus dem Hintertaunus.

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