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Wenn Autobahn und Umgehungsstraßen dicht sind, schlängelt sich der Verkehr durch Ober-Eschbach. Das stinkt den Bürgern ganz gewaltig.

Bürgerversammlung

Straßenverkehr ist eines der größten Probleme in Ober-Eschbach

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Über 100 Ober-Eschbacher waren zur Bürgerversammlung des Ortsbeirates gekommen. Sie interessierten sich vor allem für eines: den Straßenverkehr. Am Ende des Abends war's aber wie bei Bertold Brechts "Der gute Mensch von Sezuan": "Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen."

Ober-Eschbach - Nein, in der Haut von Verkehrsdezernentin und Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) möchte man, wenn es um das Thema Straßenverkehr geht, nicht stecken. Kontrolliert das Ordnungsamt, ist's ärgerlich, wenn man beim Falschparken erwischt wird. Kontrolliert das Ordnungsamt nicht, ist man sauer, wenn Autos irgendwo stehen, wo sie den ganzen Tag Plätze blockieren - etwa am Ober-Eschbacher Friedhof. Oder im alten Ortskern und rund um den Kirchplatz von Ober-Eschbach, wo, wie Anwohner jüngst bei der Bürgerversammlung des Ortsbeirates monierten, deswegen zeitweise nicht einmal die Müllabfuhr durchkommt.

Lewalter-Schoor hörte sich alles geduldig an und hatte viele Vorschläge. Im alten Ortskern könnte man etwa über eine Verkehrsberuhigung oder auch Anwohnerparken nachdenken. Aber dann müsse man auch wissen, dass dann Schritttempo herrsche.

In Sachen Fremdparken am Friedhof verwies sie darauf, dass dort bereits nur eingeschränktes Parken erlaubt sei, nämlich für zwei Stunden. "Warum machen wir nicht das alte Schild wieder dran, dass hier nur Friedhofsbesucher parken dürfen?", fragte der ehemalige Ortsvorsteher Friedel Pleines (SPD). Ganz einfach: Weil niemand kontrollieren kann, ob nun jemand den Friedhof besucht oder nicht. Aber eine Kontrolle, ob jemand zwei Stunden seinen Wagen dort abgestellt habe oder länger, die funktioniert schon.

Ampeln statt Kreisel

Was nun gar nicht funktioniert, ist der fließende Verkehr. Die Wahrnehmung der Stadt, dass die Fahrzeuge fürs Autohaus B & K anliefernden Lastwagen, die auf der Ober-Eschbacher Straße parkten, so störend nicht sind, ist bei den Bürgern nämlich schon eine andere. Während Lewalter-Schoor sagte, der Verkehr rolle und es herrsche dort auch "keine Gefährdung", beklagte eine Anwohnerin: "Also ich stehe hier ständig im Stau. Und wenn dann noch die U-Bahn-Schranke runtergeht, dann weiß ich nicht. Es ist ein tägliches Glücksspiel, da vorbeizukommen." Überhaupt sei weder das Befahren der Ober-Eschbacher Straße noch des Süd- oder des Ostrings ein Vergnügen. Um Abhilfe zu schaffen, will die Stadt Ampelanlagen an der Kalbacher Straße und der Straße "Am Römischen Hof" installieren und ist dafür im Gespräch mit HessenMobil, dem Süd- und Ostring unterstehen.

Dem Gegenvorschlag Holger Fritzels, ehemaliges Mitglied des Ober-Eschbacher Ortsbeirates, lange Jahre auch immer wieder dessen Vorsteher, zudem ehemaliger Stadtverordnetenvorsteher, Kreisel zu installieren, beschied Stadtplanungsleiter Holger Heinze eine deutliche Absage. "Ab einem bestimmten Verkehrsaufkommen ist ein Kreisel einfach nicht mehr leistungsfähig genug", betonte er und fügte hinzu: "Ich weiß, das ist schwer nachzuvollziehen, aber das ist das, was unsere Fachleute sagen."

"Verkehr ist wie Wasser"

Dass die Ober-Eschbacher Straße an ihre Grenzen stößt, verwundert Heinze indes nicht: Wenn die Autobahn dicht sei, versuchten alle, über Landesstraßen auszuweichen. Und wenn das nicht mehr gehe, dann gehe es halt durch die Ortschaften. "Verkehr ist wie Wasser - er sucht sich seinen Weg." Deswegen müsse man versuchen, den Durchgangsverkehr auf den Landesstraßen und aus den Ortschaften heraus zu halten. "Aber das ist keine Einzelperspektive von Ober-Eschbach, sondern das betrifft die ganze Stadt. Deswegen sind Untersuchungen, die nur einen Stadtteil betreffen, auch nicht sinnvoll", betonte Heinze. Es brauche ein Gesamt-Verkehrskonzept, an dem die Stadt - Arbeitstitel "Integriertes Mobilitätskonzept" ("Imoko") - auch schon arbeite.

In das man ja, so der Wunsch zahlreicher Ober-Eschbacher, auch aufnehmen könnte, Tempo 30 auf der Ober-Eschbacher Straße einzuführen. Die Idee ist nicht neu. Schon 2014 haben sich Bürger im Bündnis "Uns stinkt's" zusammengeschlossen - und eigentlich wird schon seit den 90er-Jahren nach einer Lösung gesucht, um Verkehrsberuhigung im Stadtteil herzustellen. 2011 und 2012 wurde die Ober-Eschbacher Straße dann umgebaut, doch auch danach war's nicht besser. Tempo 30 könnte doch Abhilfe schaffen, sagten viele Bürger.

Mitnichten, sagte Heinze. Mit Tempo 30 und möglicherweise eingebauten Bodenschwellen, gebe es ein ständiges Abbremsen und Anfahren. Das sei laut - "und stinkt". Zudem gebe es für die Einführung von Tempo 30 auch gewisse Rahmenbedingungen. "Ich weiß, das ist unbefriedigend, aber ich kann es nicht ändern", sagte Heinze.

"Aber wenn wir von Rahmenbedingungen sprechen, dann frage ich mich schon, warum dann Tempo 30 an der Promenade geht", sagte ein Zuhörer. Lewalter-Schoor erklärte, das habe unter anderem mit dem Verkehrsaufkommen zu tun. Details wolle sie nachreichen. Ein Bürger winkte ab und sagte trocken: "Wir können es ja wie der Landrat machen und hier eine Gondel hinstellen."

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