1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Weil ein Strichcode fehlt: Post droht Frau mit Schadensersatz

Erstellt:

Von: Gabriele Calvo Henning

Kommentare

Aufgepasst! - den Briefmarken-Strichcode unbedingt auch aufkleben, nie abtrennen.
Aufgepasst! - den Briefmarken-Strichcode unbedingt auch aufkleben, nie abtrennen. © Kay herschelmann

Böse Post von der Post höchstpersönlich bekommt kürzlich eine Frau aus Oberursel. Angeblich soll sie einen Briefmarkencode vorsätzlich abgetrennt haben.

Oberursel – Einer Leserin flattert eine Schadenersatz-Androhung der Deutschen Post ins Haus, weil sie ahnungslos den Strichcode einer Briefmarke nicht mit auf ihren Brief geklebt hat. Er hatte schließlich eine Perforation. Sie habe das vorsätzlich gemacht, teilt man ihr mit. Laut Post sollen die Strichelchen die Postwertzeichen fälschungssicherer machen. Man muss es nur wissen.

Eigentlich wollte unsere Leserin nur eine Kondolenzkarte ins Erzgebirge schicken. Stattdessen kam der Brief sozusagen postwendend an sie zurück, zusammen mit einem Anschreiben der Deutschen Post AG, in dem ihr vorgeworfen wurde, den Brief nicht korrekt frankiert zu haben. Fragezeichen bei der Seniorin, war sie sich doch sicher, mit einer 85-Cent-Briefmarke für einen Standardbrief alles richtig gemacht zu haben.

Sie möchte ungern ihren Namen in der Zeitung lesen, ihre Geschichte aber will sie erzählen, weil sie sich vorstellen kann, dass anderen Postkunden Ähnliches passieren könnte oder bereits passiert ist.

Oberurselerin bekommt plötzlich böse Post von der Post: Brief war angeblich falsch frankiert

Der Knackpunkt war, dass sie den sogenannten Matrixcode, der an den Briefmarken hängt, aus Unwissenheit nicht mit aufgeklebt, sondern an der vorhandenen Perforation abgetrennt und weggelassen hat. Ein Fehler, gibt sie zu. Die Reaktion der Deutschen Post auf dieses Versehen aber empfindet sie unverschämt.

So sei ihr in dem Anschreiben vorgeworfen worden, den schwarz-weißen Code vorsätzlich unbrauchbar beziehungsweise abgetrennt zu haben. Im Wiederholungsfall werde man wegen zusätzlicher Bearbeitungskosten 50 Euro von ihr fordern.

Für einen freundlichen Hinweis auf ihren Fehler hätte sie Verständnis gehabt, so die Leserin. Über die Unterstellungen und die Androhung von Schadenersatz aber ärgert sie sich sehr. Wir fragen bei der Deutschen Post nach. Dort weist man darauf hin, dass seit Februar 2021 herkömmliche Briefmarken durch einen Matrixcode ergänzt werden. Darüber habe man umfänglich informiert. Dieser Code ermögliche vor allen Dingen eine Basis-Sendungsverfolgung von Briefen.

Leserin aus Oberursel hat Ärger mit der Post: Jedes Postwertzeichen ist ein Unikat

So werde "die Transparenz im Brieftransport, aber auch die Fälschungssicherheit der Marken" erhöht. Denn die Frankierung mit Matrixcode sei fälschungssicher und gewährleiste, dass Postwertzeichen nicht mehrfach verwendet werden könnten. "Die Fälschung und Wiederverwendung von Postwertzeichen ist ein massiv wachsendes Problem für unser Unternehmen und andere Postgesellschaften", so die Post.

Seit 2022 statten das Bundesministerium der Finanzen und die Deutsche Post alle neuen Marken mit einem Matrixcode aus. Durch diesen Code wird jede Marke quasi zum Unikat. Dabei gibt es verschiedene Varianten. Entweder ist der Code Bestandteil der Marke und müsste schon bewusst mit einer Schere abgeschnitten werden, um ihn zu entfernen.

Oder der Code hängt nur durch eine Perforation getrennt an der Marke, wie es bei unserer Leserin war. Das hat möglicherweise einen fehlerhaften Umgang beim Frankieren begünstigt. Hier gilt jedoch: Trotz Perforation nicht abtrennen! Welchen Sinn so eine Perforation dann überhaupt noch hat, müssen andere entscheiden.

Post entschuldigt sich bei Leserin: Unternehmen ist klar, „dass bei ihr kein vorsätzlicher Missbrauch vorliege“

Der Matrixcode ist jedenfalls ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal, das vor Missbrauch schützen soll und das automatisiert geprüft werden kann. "Diese Prüfung gehört zur betrieblichen Routine in unseren bundesweit 82 Briefzentren, in denen wir werktäglich, getaktet in engen Zeitfenstern rund 49 Millionen Briefsendungen bearbeiten", so ein Post-Sprecher. Wird eine Sendung vom System als falsch oder fehlerhaft frankiert erkannt, wird ein automatisches Verfahren in Gang gesetzt. Ergebnis ist dann die Rücksendung an den Absender nebst Schadenersatzandrohung, wie sie unsere Leserin bekam.

Zugleich bedauert die Post, dass es für unserer Leserin so unerfreulich gelaufen ist. Klar sei, dass bei ihr kein vorsätzlicher Missbrauch vorliege. Nachdem das nun geklärt sei, werde man ihr als Zeichen des guten Willens ein kleines Briefmarkenpräsent zukommen lassen. Darüber zeigt sich unsere Leserin erfreut. Dennoch ist es ihr wichtig, dass anderen so etwas wie ihr nicht auch noch passiert.

Um solchen Missverständnissen vorzubeugen, empfehle sich immer ein Anruf beim Kundenservice, rät die Post. Dort stehe man bei allen postalischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Die Rufnummer lautet 0228/4333112. (Gabriele Calvo Henning)

In Usingen machte kürzlich eine Filiale der Deutschen Post zu. Das Unternehmen attestierte zu wenig Nachfrage für wirtschaftlichen Betrieb. Gerade für ältere Bürger war dies ein herber Schlag.

Auch interessant

Kommentare