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Wo sollen die Turner im Freien trainieren und welche Auswirkungen wird eine Bebauung des südlichen Sportplatzes des SV Weißkirchen mit Wohnungen und Häusern in Sachen Lärm haben? Diese Fragen stellen Ortsbeirat und Sportler der Stadt.

Ortsbeirat und Turner

Einsicht in das Lärmgutachten zur Sportplatzbebauung gefordert

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Im Falle der umstrittenen Sportplatz-Bebauung in Weißkirchen sind nach wie vor zu viele Punkte ungewiss. Die Stadt indes weist die Kritik zurück.

Oberursel - Zwölf Fragen zum Projekt hat die Arbeitsgruppe des Turnvereins Weißkirchen erarbeitet, die sich mit der durch die Stadt geplanten Bebauung des Sportplatzes neben dem Heim der Turner an der Oberurseler Straße beschäftigt. Wie berichtet, soll dort das südliche der beiden Spielfelder des Fußballvereins Ein- und Mehrfamilienhäusern weichen, darunter auch solche, die der Brunnenstadt die so dringend benötigten bezahlbaren Wohnungen bringen. Im Gegenzug soll der nördliche Platz der Kicker mit Kunstrasen und Flutlichtanlage ertüchtigt werden.

Eine Idee, die inzwischen, gelinde gesagt, umstritten ist. Denn Veränderungen würde das Projekt auch für die Turner des TV Weißkirchen bedeuten - unter anderem würde eine durch den Verein rege genutzte Freifläche direkt an der Turnhalle wegfallen. "Der TV möchte einen Kompromiss, dazu stehen wir nach wie vor. Aber es geht darum, genau zu prüfen, ob das der richtige Standort für eine Bebauung ist", sagte Andreas Hieronymi jetzt im Ortsbeirat Weißkirchen, dem er und weitere Vereinsvertreter den Fragenkatalog vorlegten.

Ortsbeirat und Turnverein wollen Antworten – Wie sieht das Lärmgutachten aus und was bedeutet es?

"Wir brauchen Planungssicherheit", unterstrich Hieronymi, der als Sportwart dem geschäftsführenden Vorstand des über 1000 Mitglieder starken TV angehört.

So drehen sich die Fragen der Turner unter anderem darum, ob, wie zugesagt, bereits die Machbarkeit einer Ersatz-Leichtathletikanlage geprüft worden sei. Eine Bebauung, fürchten sie, würde die Vereinstätigkeit "in erheblichem Maße einschränken", befürchten sie. Besonders wichtig ist dem TV auch das Lärmgutachten, mit dem untersucht werden sollte, ob die Wohnbebauung zwischen Sportvereinen und Gewerbebetrieben überhaupt möglich ist.

Allein: Die offenen Fragen beantworten konnte auch der Ortsbeirat nicht, dem weder das Lärmgutachten noch sonstige weiterführende Informationen vorliegen, wie Ortsvorsteher Nikolaus Jung (CDU) sagte. Geschlossen und "mit Nachdruck" stelle man sich hinter das Anliegen des Turnvereins, Antworten zu bekommen. "Wie sieht das Lärmgutachten aus und was bedeutet es? Wie genau soll die Bebauung aussehen und welche Auswirkungen wird sie haben? Wie wird der Sportbetrieb eingeschränkt und welche Alternativen gibt es? Hier gibt es Klärungsbedarf", unterstrich Jung. Der Ortsbeirat forderte den Magistrat denn auch auf, das Lärmgutachten in der nächsten Ortsbeiratssitzung vorzustellen. Denn das Gutachten, wusste Wolfgang Burchard (SPD) zu berichten, liege der Stadt seit mehreren Wochen vor. "Warum wird es nicht freigegeben? Das macht ein ungutes Gefühl", so Burchard.

Vorgehen der Stadt "enttäuschend" – Turnverein sieht gar eine "Störung des Vertrauensverhältnisses" 

Er selbst kenne das Gutachten noch nicht, sagte Stadtkämmerer Thorsten Schorr (CDU). Die Fragen seien berechtigt, er werde sie weiterleiten. "Wir wollen den B-Plan nach wie vor nur zur Vollendung bringen, wenn eine vernünftige Lösung für die Laufbahn und die Wurfdisziplinen gefunden wird", stellte Schorr klar.

Der notwendigen Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans jedenfalls hätte man so nicht zugestimmt, betonte Elke Benner (CDU) - ein Tagesordnungspunkt, der kurz vor Beginn der Sitzung von der Agenda genommen wurde. "Wir hätten die Katze im Sack gekauft", sagte auch Florian Schauer (FDP). Das Vorgehen der Stadt sei "enttäuschend". Der Turnverein sah gar eine "Störung des Vertrauensverhältnisses", so Hieronymi. Bevor man nicht alle Fakten und Alternativen kenne, könne man weder für noch gegen etwas sein, konstatierte Benner, der sich die Ortsbeiratsmitglieder anschlossen.

Lärmgutachten liegt seit April vor – Auf Wohnbebauung bezogen positiv

Das Lärmgutachten liege der Verwaltung seit Mitte April vor, erklärte Stadtsprecherin Nina Kuhn auf Nachfrage dieser Zeitung. "Über das Ergebnis wurde mündlich in unterschiedlichen Gremien berichtet." Es sei "bezogen auf die neue Wohnbebauung positiv und dies ist auch dem Ortsbeirat bekannt". Es sei jedoch unüblich, Gutachten unabhängig von einem B-Plan-Verfahren in die Gremien zu geben. "Diese erhalten im Zusammenhang mit der gesamten Vorlage die begleitenden Gutachten. Es macht keinen Sinn, jedes Gutachten einzeln vorzustellen." Wenn der Ortsbeirat dies wünsche, so Kuhn, sei vorstellbar, Auszüge in der nächsten Sitzung vorzutragen.

Von Manuela Reimer

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