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Dass in der Taunushalle in Oberstedten Plätze für Kinderbetreuung geschaffen werden, ist schon länger bekannt. Doch auch an anderen Orten in der Stadt müssen zusätzliche Kapazitäten her.

 Betreuungsplätze

In Oberursel fehlen Kita-Plätze - ein Aktionsplan soll nun Abhilfe schaffen

In Oberursel fehlen Hunderte Kita-Plätze – Abhilfe schaffen soll der Aktionsplan Kinderbetreuung, der jetzt konkrete Formen annimmt. Aufatmen können die Eltern allerdings noch nicht: Besonders im Krippen-Bereich bleibt die Situation prekär.

Ob sie ein Kind bekommen, das machen glücklicherweise die wenigsten Paare von der Betreuungssituation im Ort abhängig – und doch ist die Suche nach einem Krippen-, Kindergarten- und später Hortplatz ein Problem, das oft so viele schlaflose Nächte beschwert wie das Neugeborene selbst. Auch in Oberursel ist die Lage prekär, und spätestens seit dem Kita-Entwicklungsplan 2018 ist die Politik alarmiert: Auch wenn die Brunnenstadt den Platz-Ausbau in der Vergangenheit nicht verschlafen hat, ist die Verwaltung in Zugzwang. Oberursel wächst, die Geburtenrate steigt schneller als die Deckungsquoten.

Aktuell hängen Hunderte Eltern in der Luft: Zum kommenden Monat fehlen knapp 120 Kindergarten- und knapp 60 Krippen-Plätze. Im Sommer dürfte es noch dramatischer aussehen. Die Zahl der offenen Anmeldungen werde im Juli bei rund 270 liegen. Fehlen würden dann rund 180 Kindergarten- und knapp 90 Betreuungsplätze für unter Dreijährige.

Diese Zahlen nannte Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) im Sozial-, Bildungs- und Kulturausschuss (SBKA), dem er die jüngste Fassung des Aktionsplans Kinderbetreuung vorstellte. Der Plan, mit dessen Erstellung die Stadtverordneten den Magistrat im vergangenen Sommer beauftragt haben, soll kurz- wie langfristig Abhilfe schaffen. Und endlich nimmt er konkrete Formen an: Auf sechs Seiten listet die Verwaltung neun Maßnahmen – Stand jetzt – auf; die Ausbaukapazität liegt bei 120 U3- und 207 Ü3-Plätzen.

Schon im Sommer sollen die ersten neuen Kindergarten-Plätze zur Verfügung stehen, und zwar jene, die als Erweiterung der VzF-Kita Oberstedten in den Räumen der ehemaligen Gaststätte Taunusblick in der Taunushalle geschaffen werden (diese Zeitung berichtete). Dort können künftig bis zu 46 Jungen und Mädchen betreut werden. Ende 2019, wenn eine Dependance der Kita Waldzwerge in Betrieb gehen könnte, sollen weitere 46 neue Ü3-Plätze angeboten werden können. Zwei Kita-Bauwagen sollen dafür auf dem Gelände des Sportplatzes Stierstadter Heide aufgestellt werden. „Die Nachfrage nach dem waldpädagogischen Konzept der Kita steigt, allerdings ist der Waldabschnitt in unmittelbarer Nähe zur Einrichtung schon ausgelastet“, so Fink. „Der Sportplatz bietet sich als Standort an, weil er am Wald liegt, gleichzeitig aber voll erschlossen ist.“ Mit dem Vorstand des FC 04 Young Boys stehe man in Kontakt – Ziel ist, dessen sanitäre Anlagen, Küche und Gastraum mit zu nutzen. „Dort investieren wir ohnehin.“ Die Kosten für die beiden speziellen Kita-Bauwagen, geschätzt rund 150 000 Euro, könnten darüber hinaus vom Land mit bis zu 100 000 Euro gefördert werden.

Auf dem Waldspielplatz

Eine dritte neue Waldgruppe mit 23 Ü3-Plätzen soll schon im Herbst als Erweiterung der VzF-Kita Eichwäldchen entstehen: Auch hier soll ein geförderter Kita-Bauwagen gekauft werden, der auf dem Waldspielplatz an der Neuhausstraße aufgestellt werden kann. Die Idee: „Die Kinder werden von ihren Eltern zur Kita gebracht und gehen dann als Gruppe zum Spielplatz.

So entsteht dort kein zusätzlicher Verkehr.“ Frühestens im Herbst 2020 könnten 24 weitere Krippen-Kinder im um das Pfarrer-Hartmann-Haus erweiterten Kinderland St. Ursula betreut werden. Voraussetzung sei, so Fink, dass die Gemeinde alternative Versammlungsräume finde.

Des Weiteren gebe es den Vorschlag, das Hedwigsheim niederzulegen, sagte der Erste Stadtrat. Dort könnte eine vier- bis fünfgruppige Kita gebaut werden, in die ein Raum für gemeindliche und öffentliche Veranstaltungen integriert würde. „Seitens der katholischen Gemeinde besteht die Bereitschaft, hierfür in eine Mitfinanzierung zu gehen.“ Noch in diesem Jahr soll es eine Machbarkeitsstudie geben, Baubeginn: frühestens 2021.

Wie berichtet, soll auch die marode Kita Kreuzkirche in Bommersheim durch einen Neubau ersetzt werden. Die evangelische Gemeinde sucht einen Investor, der ihr Gelände entwickelt. Wenn alles klappt, könnte die neue, größere Einrichtung (plus zwölf Krippen-Plätze) 2021/2022 in Betrieb gehen.

Fläche im Süden gesucht

Langfristig muss die Stadt laut Fink zudem eine neue Kita mit zwei Krippen- und drei Kindergarten-Gruppen im Süden bauen. „Hierüber wurden bereits Gespräche mit potenziellen Trägern geführt.“ Nach einer Fläche allerdings wird noch gesucht. Anfang 2020 könnte eine Modulbaukita mit bis zu drei Krippen-Gruppen in Betrieb gehen, und zwar auf einer Fläche an der städtischen Kita Schatzinsel. „Entweder als Erweiterung der Schatzinsel, oder ein Träger fängt da schon mal an. Quasi als Vorläufer der neuen Kita“, so Fink.

Den Reigen komplett machen Überlegungen zu den Kitas Pfützenracker und Wirbelkiste: Beide Einrichtungen müssen laut Fink saniert beziehungsweise neu gebaut werden, womöglich an einem gemeinsamen Standort. In jedem Fall sollen im Zuge dessen zusätzliche Plätze geschaffen werden. Realisierung: frühestens 2020.

 Die Liste ist laut Fink „hinreichend sicher“. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass diese Maßnahmen so kommen können.“ Der Ausschuss nahm das Papier zur Kenntnis, recht wohlwollend. Ende Mai sollen die Stadtverordneten über die finale Fassung abstimmen Allein: Bestenfalls 115 neue Kindergarten-Plätze sieht der Aktionsplan bis Jahresende vor – damit, so Fink, sei zwar der größte Druck raus, aber vor allem für Eltern, die einen Krippen-Platz suchen, „werden wir weiterhin eine sehr schwere Situation haben“.

von Manuela Reimer

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