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Die Oberurseler Feuerwache könnte 30 Millionen Euro kosten. Dadurch könnte sich der Bau um mindestens ein Jahr verschieben.

Bau verzögert sich um mindestens ein Jahr

Mehr als erwartet: Die neue Feuerwache könnte 30 Millionen Euro verschlingen 

Die Oberurseler Feuerwache könnte 30 Millionen Euro kosten. Dadurch könnte sich der Bau um mindestens ein Jahr verschieben.

Oberursel: Zum Jahreswechsel verlässt Stadtkämmerer und Feuerwehrdezernent Thorsten Schorr (CDU) Oberursel, um Erster Kreisbeigeordneter zu werden. Das ist seit Anfang dieser Woche, als Schorr im Kreistag gewählt wurde, definitiv. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte Schorr tags darauf gesagt, in den verbleibenden Monaten in Oberursel wolle er das neue Gefahrenabwehrzentrum noch "so weit wie möglich auf den Weg bringen".

Allein: Allzu viel wird das in diesem Jahr nicht mehr sein. Denn Schorr bestätigte gestern Recherchen dieser Zeitung, deren zwei Kernbotschaften sind: Für das Gefahrenabwehrzentrum stehen Kosten von 30 Millionen Euro im Raum - und das Projekt verzögert sich um mindestens ein Jahr.

Aber der Reihe nach: Zuletzt hatte Schorr, was die Kosten betrifft, von einem "unteren zweistelligen Millionenbetrag" gesprochen. Als er Ende 2016 die Idee präsentiert hatte, das Zentrum an der Lahnstraße zu errichten, hatte er die Kosten grob auf 12 bis 15 Millionen Euro taxiert.

Oberurseler Feuerwache: 30 Millionen Euro?

Nun wird also aktuell von 30 Millionen Euro ausgegangen. Wobei Schorr Wert legt auf folgende Feststellung: "Das ist keine Kostenschätzung, sondern die Ermittlung eines Kostenrahmens." Ebenso wenig handelt es sich nach seiner Darstellung um eine Kostensteigerung. Auch das ist ihm wichtig zu betonen.

So oder so: 30 Millionen ist die Zahl, die der nichtöffentlich tagenden Betriebskommission des städtischen Betriebs Bau und Service Oberursel vorlag - und deren Höhe die Mitglieder dieser Kommission, der unter anderem Vertreter der Stadtverordnetenfraktionen angehören, dem Vernehmen nach dann doch - gelinde gesagt - überraschte.

Zum Vergleich: Eschborn baut derzeit am Ortsausgang Richtung Steinbach ein Zentrum, in dem die freiwillige Feuerwehr und der Arbeiter-Samariter-Bund unterkommen sollen. Dort wird mit Kosten von 25 Millionen Euro gerechnet.

Zurück nach Oberursel: Eigentlich sollte die Planungsleistung fürs Gefahrenabwehrzentrum bereits auf den Weg gebracht sein. Allerdings wurde in der Betriebskommission noch mal auf die Bremse getreten. Auch das Stadtparlament hätte, kurz gefasst, einer vorgesehenen Mittelverschiebung zustimmen müssen.

Nun kommt das Thema Gefahrenabwehrzentrum in der ersten Sitzungsrunde nach der Sommerpause auf die Tagesordnung der öffentlich tagenden Gremien. Sprich: des Haupt- und Finanzausschusses und der Stadtverordnetenversammlung. Schorr will dann für den Magistrat vorschlagen, einen Beirat aus Vertretern von Politik, Verwaltung und Wehr zu bilden, der "die Entstehung des Gefahrenabwehrzentrums begleiten" soll. Die Planungsleistung solle dann erst im kommenden Jahr ausgeschrieben werden.

Klar ist ebenfalls: Mit dem ehrgeizigen Ziel, das Gefahrenabwehrzentrum bis Ende 2022 fertigzustellen, wird es nichts. Um überhaupt mit dem Bau anfangen zu können, braucht die Stadt die Zusage des Landes über erwartete Fördermittel. Diese müssen jeweils bis September fürs kommende Kalenderjahr beantragt werden. Nun wird es mit dem Antrag für 2020 nichts mehr, erst für 2021 kann Oberursel in Wiesbaden um Geld bitten.

Auf Teile verzichten?

Schorr bemüht sich, das Ganze positiv zu sehen: Er gibt - sinngemäß - zu bedenken, dass das Jahr dazu genutzt werden könne, Kosten zu reduzieren. Wie der Feuerwehrdezernent sagt, soll sich ein Gutachter noch mal das Raumbuch ansehen, mit dem die Wehr ihren Platzbedarf dargestellt hatte. Möglicherweise könne auf den ein oder anderen Teil verzichtet oder das Projekt in zwei Bauabschnitten realisiert werden, überlegt Schorr.

Er betont mit Blick darauf, dass der Brandschutz eine Pflichtaufgabe der Kommune sei, aber auch: "Wir brauchen ein leistungsfähiges Gebäude." Schorr gibt sich optimistisch, was die Machbarkeit des Vorhabens angeht: "Ich halte das Projekt nach wie vor für möglich."

Von Stefanie Heil

Feuerwehr hält sich bedeckt

Der Standort der Freiwilligen Feuerwehr Oberursel-Mitte an der Marxstraße ist nicht nur sanierungsbedürftig, sondern entspricht auch nicht mehr den Vorgaben, zum Beispiel in puncto Arbeitssicherheit. Das Gefahrenabwehrzentrum, das auf dem jetzigen Kleingartengelände an der Lahnstraße errichtet werden soll, soll ein moderner, den Anforderungen entsprechender Standort werden. Vorgesehen ist, außer der Wehr Oberursel-Mitte dort auch Brand- und Zivilschutz sowie Katastrophenschutz unterzubringen.

Den Platzbedarf hatte die Stadt mit den Brandbekämpfern ermittelt. Uli Both, Wehrführer in Oberursel-Mitte, will sich auf Anfrage dieser Zeitung noch nicht zur neuen Entwicklung äußern. Er lässt aber durchblicken, dass die Wehr lediglich ihren Bedarf angegeben habe, aber keine Kosten kannte. Stadtbrandinspektor Holger Himmelhuber und sein Vize Andreas Ruhs waren gestern für diese Zeitung nicht zu erreichen.

Nachdem die Idee des Standorts Lahnstraße Ende 2016 präsentiert worden war, hat die Politik 2017 einen Grundsatzbeschluss pro Neubau getroffen. Anfang 2019 wurde das Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht. Bis Ende dieses Jahres ziehen die Kleingärtner weg, sie kommen an den Kieskauten unter. 

(she)

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An der Lahnstraße soll ein sogenanntes Gefahrenabwehrzentrum – sprich: ein moderner Feuerwehrstandort – entstehen. Das hat die Politik schon vor knapp zwei Jahren beschlossen. Nun geht es an den Bebauungsplan.

Feuerwehr Oberursel-Mitte hofft auf das Gefahrenabwehrzentrum

Für die Freiwillige Feuerwehr Oberursel-Mitte ist der Jahresbeginn 2017 mit einer freudigen Erwartung verbunden: auf den Grundsatzbeschluss für das geplante Gefahrenabwehrzentrum an der Lahnstraße. Die jetzige Wache an der Marxstraße ist ungünstig gelegen, eng und in die Jahre gekommen – die Einsatzzahlen indes steigen.

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