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Wo stehen in Oberursel Wohnungen leer? Das will der BUND wissen und fordert ein Kataster.

Leerstandskataster

Gegen die Wohnkrise: BUND will Kataster in Oberursel einführen, doch nicht jeder ist damit zufrieden

Gegen die Wohnkrise: Der BUND will ein Kataster in Oberursel einführen. Doch der Vorschlag stößt nicht nur auf Zustimmung. 

Oberursel - Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) in Oberursel hat einen neuen Vorstand gewählt und in einer Presseerklärung gleich die "Bauwut in Oberursel" und den "Verlust von wertvollem Stadt-Grün" angeprangert. 

BUND fordert Kataster in Oberursel

Als Gegenmittel wird ein Leerstandskataster angeregt. Mit dieser Übersicht über leerstehende Immobilien werde schnell klar werden, "dass die Stadt keine zusätzlichen Baugebiete mehr braucht", meint der BUND. Auf Nachfrage zeigt sich, dass die Politik so etwas durchaus in Erwägung zieht, die Wirkung aber deutlich geringer einschätzt als die Umweltorganisation.

Dr. Eggert Winter, Fraktionsvorsitzender der SPD, will nicht von einem offiziellen "Kataster" als eher von einem Verzeichnis ohne Zwangsaufnahme sprechen. "Es kann nur darum gehen, dass man fragt, gibt es Leerstände. Und dann, wie die Stadt überhaupt auf die Eigentümer zugehen kann." Alles hänge vom guten Willen der Eigentümer ab, ob sie sich aufnehmen lassen wollen.Das sieht CDU-Fraktionsvorsitzender Jens Uhlig ähnlich. "Einen Zwang kann es nicht geben. Aber es kann ein Anstoß sein, um bei der Vermittlung von Wohnraum zu helfen." Sehr viel Nutzen verspricht er sich indes nicht. 

Kataster in Oberursel wichtig

Auch OBG-Fraktionschef Georg Braun setzt auf Freiwilligkeit: "Ein Allheilmittel ist es sicherlich nicht, wohl aber eine der Stellschrauben, an der man drehen könnte", um Wohnungen dem Mietmarkt zugänglich zu machen. Linken-Fraktionschef Ingmar Schlegel sieht keinen eklatanten Leerstand, hält ein Erfassen aber für wichtig. Dabei denkt er auch an die Möglichkeit, dass die Stadt durch eine solche Kenntnis in der Folge Belegrechte für Sozialwohnungen erwerben könnte.

Löst das Kataster das Wohnraumproblem in Oberursel?

Im Gespräch mit dieser Zeitung betont die neue BUND-Vorsitzende Dr. Claudia von Eisenhart Rothe dagegen, dass ein solches Kataster viel bringen könnte. "Wir müssen einfach das nutzen, was vorliegt, um zu verhindern, dass sich Siedlungen weiter ausbreiten", sagt sie. Die Stadt sollte "proaktiv, beratend und motivierend auf die Eigentümer zugehen und an deren Verantwortung appellieren", sagt von Eisenhart Rothe. Beratung, wenn gewünscht, sei kein Problem sagt Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). 

Das Wohnraumproblem werde aber nicht gelöst, "wenn drei oder vier Prozent freie Wohnungen auftauchen". Dann stelle sich immer noch die Frage, wie das mit dem Zugriff laufen solle. Auf komplette Ablehnung stößt der Vorschlag bei der AfD, für die ein solches Verzeichnis gar nicht infrage kommt. "Das ist Mumpitz", sagt Fraktionschef Peter Lutz. Damit würden Eigentümer bevormundet. Außerdem gebe es keinen eklatanten Leerstand in der Stadt. "Wir müssen mehr Wohnungen bauen", ist Peter Lutz überzeugt.

Kataster könnte teuer werden

Für die Grünen und die FDP sind unterdessen noch einige Details zu klären. So fragt Grünen-Fraktionschefin Christina Herr nach den Kosten, die möglicherweise verursacht würden: "Denn so etwas muss eingerichtet und gepflegt werden." Grundsätzlich sehe sie den Vorschlag pragmatisch: "Alles, was hilft, ist erstmal gut." Für sie sei es vorstellbar, dass ein solches Verzeichnis zu einer Immobilienbörse ausgebaut werden könne, was durchaus auf der Linie des BUND liegt.

Kataster soll niemanden an den Pranger stellen

FDP-Fraktionschefin Katja Adler, fragt nach den Kriterien für ein solches freiwilliges Register. "Auf keinen Fall darf es zu irgendeiner Stigmatisierung der Eigentümer kommen", so Adler. Das ist auch nicht die Absicht von Eisenhart Rothes, die damit keinen Pranger wolle. "Wir wollen aber Klarheit über den Stand der Dinge."Dr. Claudia von Eisenhart Rothe ist neue Vorsitzende des BUND in Oberursel. Sie zeigt sich erfreut, dass sie neue Leute für den Vorstand der Umweltorganisation habe motivieren können. Die Mitgliederversammlung wählte Marietta Grandemange als Vize-Vorsitzende, Annegret Calmano als Beisitzerin und den früheren Schatzmeister Christian Netzel ins Führungsgremium des BUND. 

Von Gabriele Calvo Henning

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