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Am Freitag hatte es vor der Bühne auf dem Marktplatz noch Sitzgelegenheiten gegeben, am Samstag war es schon deutlich schwieriger, einen Sitzplatz zu ergattern. Das gute Wetter lockte die Besucher in Scharen zum Brunnenfest.

Veranstaltung

40 Jahre: Das Brunnenfest feiert Jubiläum

Ein rundes Jubiläum feierte das Brunnenfest am Wochenende. Zum 40. Mal lud das heutige Traditionsfest zum Schmausen, Tanzen, Schwatzen und gemütlichen Beisammensein in die Altstadt. Anlass genug, mal mit "Besuchern der ersten Stunde" ins Gespräch zu kommen.

Oberursel - 40 - das ist eine stolze Zahl. In Jahren ausgedrückt entspricht sie ungefähr einem halben Menschenleben. Und doch mag manch alteingesessenem Orscheler die Erstauflage des Brunnenfestes im Jahr 1979 noch gar nicht so lange her erscheinen. Evi Brill war damals schon mit dabei und hat der Altstadt-Sause bis heute die Treue gehalten. "Durch die Höfe und Gassen zu schlendern und gemeinsam auf dem Marktplatz zu feiern. Das war und ist etwas Besonderes", findet die 72-Jährige.

"Das Brunnenfest ist eine gute Institution und hat die Altstadt auf jeden Fall belebt", stimmt Ehemann Jürgen zu. Mit dem Brunnenfest ist der 75-Jährige auf spezielle Weise verbunden. 1989 gab er während der Regentschaft der gemeinsamen Tochter, die als Marion I. den Brunnenköniginnen-Thron bestieg, den Brunnenmeister. "Ich war der Täschchen-Träger. Da hieß es dann: "Papa, halte mal!" Hat aber trotzdem Spaß gemacht", sagt er mit einem Lachen.

Gemütliche Höfe

Evi und Jürgen Brill legen im Hof von Alfred Burkart in der Bleichstraße einen spätnachmittäglichen Zwischenstopp ein. "Das ist für uns zur Gewohnheit geworden. Wir kennen den Bauern Burkart. Außerdem bekommt man hier immer einen Platz, selbst wenn man kurz warten muss", sagt Evi Brill.

Hofbesitzer Burkard sitzt indes gemütlich auf einer Couch im hinteren Teil des Hofes. Auch er ist Brunnenfestler der ersten Stunde. "Am Donnerstag habe ich die Genehmigung im Rathaus geholt. Am nächsten Tag ging es schon los", erinnert sich der 74-Jährige. Verkauft wurde an der Straße. "Direkt am ersten Tag ist uns die Wurst ausgegangen, und wir haben am Wochenende den Laden vom Metzger Klein leergekauft", sagt der Landwirt schmunzelnd. Gesessen hätten die Gäste auf kleinen Strohballen. "Das war eine Riesengaudi, wurde im zweiten Jahr aber von der Stadt aus Brandschutzgründen verboten."

Feste Anlaufstellen

Blendend ist die Stimmung auf dem Brunnenfest noch immer. Im "Bleichdreieck", dem Privathof von Susanne Wendl und Nickolaus M. Michelson an der Oberen Hain-straße, auch bekannt als "Hof der trinkenden Freunde", gilt das auf alle Fälle. Direkt im Eingangsbereich hat sich ein lustiger Trupp um Heinz "Heinzi" Wentzell eingefunden. Wer hier bestehen will, muss ein dickes Fell haben. Foppereien gehören zum Standardprogramm. "Aber alles gut. Wir kennen uns teils 30 bis 40 Jahre, ziehen seit Ewigkeiten beim Brunnenfest gemeinsam durch die Altstadt", erklärt der Wirt des Gasthauses "Zum Schwanen". Darum gehe es ja beim Brunnenfest. "Man kennt sich, ist unter Freunden und daher überall zu Hause." Der Schwanenwirt hat feste Anlaufstellen. "Zum Steden, auf den Marktplatz, zum Frohsinn und hier ins Bleichdreieck. Ich geh überall mal hin und besuche meine Freunde", berichtet Wentzell.

Um kurz nach 20 Uhr ist die Party auf Orschels Straßen mittlerweile in vollem Gange. Strack- und Weidengasse sind brechend voll, vorm "Alt-Oberurseler Brauhaus" in der Ackergasse ist Schritttempo angesagt. Karl-Heinz Vogt (70) und Peter Ehegartner (70) haben sich vom Trubel für heute verabschiedet und lassen den Abend im Innenhof der Brennerei Burkard in der Weidengasse ausklingen. "Hier ist es nicht so laut und überlaufen wie an anderen Orten", erklären die Elferrats-Mitglieder vom Karnevalsverein Frohsinn. Auch sie waren bei der Brunnenfest-Erstauflage 1979 mit dabei, haben auf dem Marktplatz die hölzerne Frohsinn-Bühne aufgebaut und am Grill geschwitzt.

Was sich in all den Jahren geändert hat? Weniger Vereine, weil weniger Helfer, und weniger Private, dafür mehr kommerzielle Stände, so die Analyse. Auch die Straßenverkäufer, die früher auf Decken gesessen und Schmuck verkauft haben, gebe es nicht mehr. Ebenso die Stände auf der Theresienwiese, einst Treffpunkt der Alt-Orscheler.

Heute geht's früher heim

Für eine Belebung der Altstadt habe das Brunnenfest aber auf jeden Fall gesorgt. "Es sind ja nicht nur Leute aus Oberursel da, viele kommen von außerhalb", begründet Ehegartner. Eine befreundete Karnevalsdelegation aus dem Odenwald haben die beiden heute sogar schon übers Gelände geführt und freuen sich jetzt auf den Weg nach Hause. "Das hat sich auch geändert. Früher waren wir von Freitag bis Montag mehr oder weniger nonstop auf dem Brunnenfest, heutzutage geht's um halb 9 schon heim", erklärt Vogt lachend.

"Weitgehend friedlich", so lautet die Zwischenbilanz der Oberurseler Polizei am späten Sonntagnachmittag zum Brunnenfest. Vereinzelte Vorfälle habe es zwar gegeben, aber nichts Größeres.

Auch beim Vereinsring als Organisator des Brunnenfestes ist man sehr zufrieden. "Am Freitag war noch nicht so viel los, dafür war es am Samstag überall voll, auch in den Seitenstraßen", sagt Thomas Förder, Vorsitzender des Brunnenfestausschusses im Vereinsring. Auch die Absperrung der Mauer an der Herrenmühle, die aus Sicherheitsgründen erfolgt ist, habe sich offenbar bewährt. Dort hatten Jugendliche in der Vergangenheit oft auf der Mauer gesessen, die tief hinunter zur Bleiche reicht. "Die Jugendlichen haben jetzt auf dem Grünstreifen gesessen", so Förder. Und da die Wetterprognosen für den heutigen Montag günstig stehen, ist er überzeugt dass auch der Abschluss des Brunnenfestes gelingen wird. red

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